Rheumatoide Arthritis - Versorgung mit Biologika: Die deutsche Perspektive

Allein seit 2004 sind in Deutschland 43 Wirkstoffe hinzugekommen. Dies bedeutet durchschnittlich sechs bis sieben Marktzugänge im Jahr. Dabei war nach Thiede das vergangene Jahr mit 16 neuen Wirkstoffen besonders ergiebig. Ferner liegen für verschiedene neue Biologika Zulassungsanträge vor und zahlreiche neue biopharmazeutische Wirkstoffe werden gegenwärtig erforscht.
Zunehmende Verordnung von Biologika in Deutschland
Biologika gehören zum Versorgungssegment der Spezialversorgung, das auch über die kommenden Jahre einen starken Beitrag zu den Ausgabensteigerungen im Arzneimittelmarkt leisten wird. Für den Versorgungszusammenhang der RA lässt sich nach den Worten Thiedes darstellen, dass der krankheitsbedingte Versorgungsbedarf mit Immunsuppressiva nicht gedeckt ist. So lässt sich ein minimaler Behandlungsbedarf von rund 153.000 Patienten in der GKV errechnen, die täglich eine definierte Tagesdosis (DDD) eines Remissions-induzierenden Antirheumatikums benötigen. Im Jahr 2008 hätten ausgehend von dieser Patientenzahl rund 37.000 Patienten täglich mit einer DDD der hier zum Einsatz kommenden Biologika behandelt werden können, führte Thiede weiter aus. Dennoch ist hierzulande eine „Aufholentwicklung“ zu beobachten. Der Zugang zur rheumatologischen Arzneimitteltherapie hat sich in diesem Sinne insgesamt verbessert – wenngleich auf einem noch zu niedrigen Niveau.
Die zunehmende Vielfalt verfügbarer Biologika bedeutet auch eine Verbesserung der patientenindividuellen Therapie. Der Verbrauch von RA-Immunsuppressiva in DDD steigt seit Jahren deutlich. Diese Entwicklung wird in größerem Umfang von konventionellen Immunsuppressiva getragen als von Biologika. So stieg der Verbrauch von DMARDs in Millionen DDD von 2003 bis 2009 von 54,6 auf 74,9, während bei den Biologika in diesem Zeitraum ein Anstieg von 2,7 auf 16,6 Millionen DDD zu verzeichnen war (s. Abb.).
Insbesondere für Adalimumab und Etanercept sowie in etwas geringerem Maße auch für Infliximab zeigte sich in zwischen 2003 und 2009 ein markanter Anstieg des Verbrauchs in DDD, während Anakinra kaum mehr eine Rolle spielt. Durch die Neueinsteiger Tocilizumab, Abatacept, Golimumab und Certolizumab, für die entsprechend erst seit kurzer Zeit Daten verfügbar sind, ist durch die stärkere Individualisierung der Therapie, eher ein verstärkter Trend für mehr Biologika-Verordnungen in den nächsten Jahren zu erwarten.
Im Segment Rheumatologie und insbesondere bei der RA etablieren sich Biologika auch im Vergleich zu anderen Einsatzgebieten wie der Onkologie weiterhin und tragen somit zum Ausgabenanstieg bei – wenngleich, und hier liegt das therapeutisch/ökonomische Spannungsfeld, dies immer vor dem Hintergrund eines hierzulande längst noch nicht gedeckten Bedarfs für diese hocheffektiven Biologika gesehen werden sollte. Mit Blick auf die Marktentwicklung können über den Einfluss des zunehmenden Wettbewerbs im Segment der Biologika noch keine eindeutigen Aussagen getroffen werden. Ziemlich sicher ist aber, dass ab Mitte dieses Jahrzehnts mit deutlichen Ausgabenreduktionen infolge des Markteintritts von Biosimilars zu rechnen ist, so abschließend Thiede.

