Rheumatoide Arthritis - Versorgung mit Biologika: Die europäische Perspektive

Die europäische Studie beschreibt die Krankheitslast aufgrund publizierter Studien. Um Kosten und Behandlungsintensität zu berechnen, musste zuallererst die Prävalenz untersucht werden. Da veröffentlichte Studien sehr unterschiedliche Resultate zeigen, wurde nach den Ausführungen Bergers die Anzahl der Patienten mit einer Diagnose aufgrund individueller nationaler Daten aus zwei Ländern alters- und geschlechtsspezifisch berechnet und danach auf die Populationsstruktur der verschiedenen Länder angewandt. Die Gesamtkosten wurden danach aufgrund dieser Prävalenz in den verschiedenen Alters- und Geschlechtsgruppen und den jährlichen Kosten pro Patient berechnet.
Unterversorgung mit Biologika in Deutschland
Die gesamteuropäische Prävalenz der RA wurde laut Berger auf 0,49 (>19 Jahre) geschätzt, mit knapp zwei Millionen Patienten mit einer RA-Diagnose und Gesamtkosten pro Jahr von etwas über 25 Milliarden Euro. In Westeuropa liegen die Kosten pro Patient bei ca. 15.000 Euro, und die Gesamtkosten für 1,6 Millionen Patienten belaufen sich auf knapp 24 Milliarden Euro. Ungefähr 11 % der Patienten werden mit Biologika behandelt.
Für Deutschland ergaben die Berechnungen eine Prävalenz von 0,50 (>19 Jahre) und insgesamt 330.000 Patienten mit der Diagnose RA. In der Altersklasse von 20-44 Jahren befinden sich nach Berger 10 % der Betroffenen, 38 % sind zwischen 45 und 64, 52 % über 64 Jahre alt. Die Durchschnittskosten pro Patient und Jahr liegen bei 18.800 Euro, was sich zu Gesamtjahreskosten von ca. 6,2 Milliarden berechnet. Dabei entfallen hierzulande nur 7 % der Kosten auf Biologika (in Europa sind es 9 %), 41 % – und damit der größte Kostentreiber – werden hingegen indirekt durch den Produktivitätsverlust verursacht – dieser Anteil ließe sich durch eine konsequente medikamentöse Therapie und insbesondere eine höhere Biologika-Quote sicherlich reduzieren.
Die Verwendung der Biologika ist in Deutschland im Vergleich zu anderen westeuropäischen Ländern sehr beschränkt, mit nur knapp 8 % der RA-Patienten unter einer solchen Therapie. Nur in Italien und Österreich werden noch weniger Biologika eingesetzt. Hingegen erhalten z. B. in Norwegen fast 30 % der RA-Patienten Biologika und auch in einer Reihe weiterer Länder beträgt diese Quote 15 % und mehr – übersteigt den deutschen Wert also um mehr als das Doppelte. Die Gründe hierfür sind Berger zufolge multifaktoriell, und – im Blick auf Deutschland – auch auf die viel zu geringe Zahl der potentiell Biologika verordnenden Rheumatologen zurückzuführen.
Auch wenn solche Vergleiche nicht wirklich konklusiv und auch vor dem Hintergrund einer mehr oder weniger konsequenten DMARD-Therapie in den Ländern zu sehen sind, gibt eine aktuelle Auswertung des QUEST-RA-Datenpools dennoch zu denken. So konnten Tuulikki Sokka und Kollegen für viele Länder eine Assoziation zwischen dem Einsatz von Biologika und dem durchschnittlichen DAS28 nachweisen (Ann Rheum Dis 2009; 68: 1666-1672). Diese Daten lassen insgesamt einen häufigeren und in Verbindung mit einer optimierten DMARD-Therapie konsequenteren Biologika-Einsatz sinnvoll erscheinen.

