21.07.2010

Die BDRh-Jahrestagung 2010 im Rückblick

Prof. Dr. Jörn Kekow

Prof. Dr. Jörn Kekow

Vom 15. bis 17. April 2010 fand in München der 5. Kongress des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen (BDRh) statt. Neben den im Vordergrund stehenden Themen zur aktuellen Gesundheitspolitik waren auch diesmal State of the Art-Vorträge zu diagnostischen und therapeutischen Themen dabei. Ergänzt wurde das Programm durch zahlreiche Satellitensymposien, die ebenfalls eine hohe Qualität aufwiesen.

Bei den wissenschaftlichen Vorträgen standen insbesondere schwierige und seltene Krankheitsbilder im Fokus. Dr. Winfried Häuser aus Saarbrücken referierte zum Thema „Fibromyalgie – Das unbekannte Wesen“. Er ging insbesondere auf die diagnostischen Kriterien der Krankheit ein. Neue diagnostische Kriterien des American College of Rheumatology (ACR) hierzu sind im Druck (F. Wolfe).

Frau Dr. Kirsten Minden aus Berlin referierte zum Thema Impfungen. Hier können nach wie vor Totimpfstoffe bei Rheumapatienten empfohlen werden. Daneben sind eine jährliche Influenzaimpfung und eine Pneumokokkenimpfung zu empfehlen.

Frau PD Dr. Eva Reinhold-Keller und Frau Prof. Dr. Angela Gause aus Hamburg stellten die neuesten Entwicklungen bei Vaskulitiden vor. Wichtig bleibt festzuhalten, dass die Therapie der Vaskulitiden heute stadien- und aktivitätsadaptiert erfolgt. Eine interessante Alternative zur klassischen Cyclophosphamid-Therapie ist die Gabe von Rituximab.

Eine neue Ära der Autoantikörperdiagnostik bahnt sich durch die sog. LAMP2-Antikörper an. LAMP steht für Lysosomal Associated Membrane Protein. Die LAMP2-Antikörper wurden bei fast allen Patienten mit einer pauci-immunen Glomerulonephritis gefunden. Klinisch verwendbare Assays sind derzeit allerdings noch nicht erhältlich.

Herr Dr. Wolfgang Bracker aus München präsentierte neue Entwicklungen der Hand- und Fußchirurgie. Er berichtete von Standzeiten von Endoprothesen des oberen Sprunggelenkes von 88 % bei Nachuntersuchungen über 10 Jahre. Bei Handgelenksendoprothesen gibt es nach wie vor eine hohe Komplikationsrate. Im Bereich der Fingergrundgelenke sind nach wie vor Silastik-Endoprothesen Standard.

Herr Dr. Marino Venerito aus Magdeburg nahm die Protonenpumpenblocker ins Visier. Bei ihnen muss prinzipiell mit Interaktionen mit anderen Medikamenten gerechnet werden. Zudem gibt es einige Hinweise auf die Begünstigung von Infektionen und einer Osteoporose. 

Frau Alexandra Jägel aus Freiburg ging umfassend auf die Problematik der Zweitmeinungverfahren ein. Sie sind bereits Gesetz bei der Verordnung von Spezialpräparaten zur Behandlung der pulmonalen arteriellen Hypertonie. Etwas Vergleichbares gibt es derzeit nur in Schleswig-Holstein bei der Verordnung von Biologika. Hier ist dieses Verfahren aber noch nicht gesetzlich vorgeschrieben. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Zweitmeinung auf Grund der Aktenlage abgegeben wird. Kollegen die im Zweitmeinungsverfahren zugelassen sind, benötigen keine Zweitmeinung im Falle einer eigenen Verordnung.

In einem weiteren interessanten Vortrag ging Herr Prof. Dr. Klaus Krüger, München, wiederum auf die Impfproblematik bei Rheumapatienten ein. Wichtig ist hier die Nutzen/Risikoanalyse im Einzelfall. So kann auch durchaus eine Lebendimpfung bei einer Therapiepause mit einem Biologikum erwogen werden. Es empfiehlt sich bei Problempatienten die Impftiter zu kontrollieren.

Herr Prof. Dr. Veit Krenn aus Trier zeigte die verschiedenen Möglichkeiten der histologischen Diagnostik bei Gelenkerkrankungen auf. Er empfahl die Umsetzung des Synovitisscores als Standard in der Befundung.

Herr Dr. Jörg Brandt aus Halle nahm die Kyphoplastie als operative Maßnahme bei osteoporotischen Frakturen unter die Lupe. Hier sind insbesondere Einzelfallentscheidungen zur Indikation zielführend, das MRT hat hier eine tragende Rolle zur Beurteilung des Frakturalters. Herr Prof. Dr. Helmut Minne aus Halberstadt stellte unter anderem die aktualisierten Leitlinien des Dachverbandes Osteologie (DVO) vor.

Frau PD Dr. Eva Reinhold-Keller aus Hamburg und Herr Prof. Dr. Jörn Kekow aus Magdeburg präsentierten kapillarmikroskopische Fälle aus der Praxis. Es kann zusammengefasst werden, dass die Kapillarmikroskopie ein weiterer Baustein in der Diagnostik von Kollagenosen und insbesondere Sklerodermie-Patienten ist.

Als letzter Referent am Samstag berichtete Prof. Dr. Michael Sticherling aus Erlangen über die Diagnostik und Therapie der Sklerodermie aus dermatologischer Sicht.

Prof. Dr. Jörn Kekow
Zweiter Vorsitzender des Berufsverbandes Deutscher Rheumatologen (BDRh)
Chefarzt des Medigreif Fachkrankenhaus für Rheumatologie und Orthopädie
Sophie-von-Bötticher-Str.1
39245 Vogelsang-Gommern

Zum Seitenanfang

Schriftgröße A A+