OP US-Studie: Werden die richtigen Patienten therapiert?
Mit den DVO-Leitlinien 2009 soll eine möglichst dem individuellen Frakturrisiko angemessene Indikation zur Osteoporose-Therapie erreicht werden. Eine internationale Studiengruppe um Prof. Dr. Claus-C. Glüer, Kiel, überprüfte anhand der OP US-Studie, wie sich die Leitlinien auch im Vergleich zum FRAX bewähren und ob und wie viele Patientinnen unter einer Therapie gemäß DVO-Leitlinie bzw. FRAX im Verlauf von sechs Jahren eine Fraktur erleiden würden.Bei der OP US-Studie handelt es sich um eine prospektive multizentrische Frakturstudie, an der u. a. 2.399 populationsbasiert rekrutierte Frauen im Alter von 55-75 Jahren teilnahmen. Zu Studienbeginn wurden umfassende Daten erhoben, die eine Abschätzung der Indikationskriterien der DVO-Leitlinien 2009 ermöglichen. Überdies konnten zum Vergleich auch aus OP US-Daten die Frakturrisiken auf Basis des FRAX bestimmt werden. Die von der WHO nicht vorgegebene FRAX-Indikationsschwelle wurde so gewählt, dass genau so viele Frauen als therapiebedürftig definiert wurden wie nach den DVO-Indikationskriterien. In einer Vier-Felder-Tafel wurde der Zusammenhang zwischen Therapieindikation und Frakturinzidenz evaluiert.
Im Ergebnis erlitten 178 von 1.415 Frauen mit konsistenten Frakturinzidenzdaten über sechs Jahre eine Fraktur und 301 wurden als zu therapierend eingestuft. Jene Frauen mit einer Fraktur hatten eine 2,3-fach so hohe Wahrscheinlichkeit als therapiebedürftig eingestuft zu werden wie Frauen, die in den sechs Jahren keine Fraktur erlitten (FRAX 2,0-fach). Unter Annahme einer therapiebedingten Frakturreduktion von 50 % für Wirbelkörper- und 30 % für sonstige Frakturen müssten – ausgedrückt als NNT – 9,1 Patienten zur Vermeidung einer Fraktur therapiert werden, bei Anwendung des FRAX beträgt die NNT 10,4 bzw. 10,2 (FRAX-Risiko für „Major“ oder für Hüftfrakturen). Legt man eine halb so hohe Therapieeffizienz zugrunde (z. B. aufgrund mangelnder Compliance) ergeben sich NNTs von 22,4 (DVO) und 25,1 bzw. 24,5 (FRAX).
Die in den DVO-Leitlinien 2009 festgelegten Indikationsschwellen erlauben somit eine gute Identifikation therapiebedürftiger Frauen mit einem leichten Vorteil gegenüber einer auf dem FRAX basierenden Selektion. Die OP US-Daten, von denen 40 % in Deutschland erhoben wurden, ermöglichen aufgrund ihrer prospektiven und populationsbasierten Erhebung die Evaluation der Kosten-Nutzen-Relation einer Leitlinien-basierten Osteoporose-Therapie, folgern die Autoren.
Quelle: Kongress „Osteologie 2010“, Berlin, 3.-6. März 2010, FV 5.1

