Pädiatrische Rheumatologie: Neue Erkenntnisse zur juvenilen idiopathischen Arthritis

Prof. Dr. Dirk Föll
Im Gegensatz zu Erwachsenen kann bei etwa 50 % der Kinder mit juveniler idiopathischer Arthritis (JIA) die Krankheitsaktivität langfristig vollständig hin zu einer klinischen Remission zurückgedrängt werden. Unklar war bisher, wie lange die medikamentöse Therapie weiterlaufen muss, um ein Rezidiv der Symptome zu verhindern. Diese Frage sollte im Rahmen der großen internationalen „Paediatric Rheumatology International Trials Organization“ (PRINTO)-Studie unter der Leitung von Prof. Dr. Dirk Föll, Münster, geklärt werden.
Neue Therapieoptionen haben in den letzten Jahren zu einer deutlichen Steigerung der Remissionsrate auch bei JIA geführt. Im Blickpunkt des Interesses stehen daher jetzt vermehrt die Möglichkeit eines zumindest vorübergehenden Absetzens der Therapie und die Suche nach verlässlichen Anzeichen einer subklinischen Inflammation als Zeichen des Rezidivrisikos. In der prospektiven, randomisierten PRINTO-Studie wurden jetzt insgesamt 364 Kinder und Jugendliche (medianes Alter 11 Jahre) mit JIA in Remission aus 29 Ländern untersucht. Die Hälfte von ihnen wurde nach dem Erreichen einer klinischen Remission 6 Monate mit MTX behandelt (Gruppe 1, n=183), die andere Hälfte erhielt 12 Monate MTX (Gruppe 2, n=181). Zum Zeitpunkt des Absetzens von MTX wurde jeweils der Spiegel des Biomarkers Myeloid Related Protein 8 und 14 (MRP8/14) bestimmt. Primärer Endpunkt war die Rezidivrate in beiden Behandlungsgruppen nach 24 Monaten, sekundärer Endpunkt die Zeit bis zum Rückfall. In einer präspezifizierten Kohortenanalyse wurde die prognostische Wertigkeit der MRP8/14-Konzentrationen für das Auftreten von Flares bestimmt. Das mediane Follow-up in den beiden Behandlungsgruppen betrug 34,2 bzw. 34,3 Monate.
Printo: Neue Fakten zur Therapiedauer in Remission
Die Intention-to-treat-Analyse des primären Endpunkts ergab Rezidive binnen 24 Monaten nach Einschluss in die Studie bei 98 von 183 Patienten (Rezidivrate 56,7 %) in Gruppe 1 (6 Monate MTX) und 94 von 181 (55,6 %) in Gruppe 2 (12 Monate MTX). Die Odds ratio für Gruppe 1 vs. Gruppe 2 für das Auftreten eines Rezidivs betrug 1,02 (p=0,86). Das mediane rezidivfreie Intervall nach Studieneinschluss war 21,0 Monate in Gruppe 1 und 23,0 Monate in Gruppe 2, entsprechend einem Hazard ratio für Gruppe 1 vs. Gruppe 2 von 1,07 (p=0,61). Die Rückfallquote war somit in beiden Untersuchungsgruppen gleich groß. Der Zeitpunkt des Absetzens von MTX nach Erreichen einer Remission hatte keinen Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls. „Unsere Studie widerlegt damit eindrucksvoll die bisherige Vermutung, dass eine längere Weiterbehandlung mit MTX einen Einfluss auf das Rückfallrisiko hat. Sechs Monate Behandlung scheinen zu reichen. Für die Patienten bedeutet das einen erheblichen Gewinn an Lebensqualität, da sie die Medikamente früher als bisher absetzen können", betonte Studienleiter Föll.
MRP-Biomarker zeigt Rezidivrisiko an
Die MRP8/14-Spiegel in Remission waren signifikant höher bei Patienten, die subsequent Flares entwickelten (median 715 ng/ml) im Vergleich zu Patienten, die in stabiler Remission blieben (median 400 ng/ml; p=0,003). Niedrige MRP8/14-Spiegel zeigten ein geringes Risiko für die Entwicklung von Flares in den drei Monaten nach dem Biomarker-Test an. „Wir haben herausgefunden, dass die MRP-Biomarker im Blut der Patienten anzeigen, ob ein erhöhtes Rezidivrisiko vorliegt. Bei Kindern mit erhöhtem Risiko macht eine längere MTX-Behandlung daher Sinn. Wir können nun also fundierte Empfehlungen zur Therapie bei Rheuma im Kindesalter geben", fasst Föll die Studienergebnisse zusammen.
Quelle: JAMA 2010; 303: 1266-1273

