Postmenopausale Frauen mit RA: Unzureichende Versorgung nach DVO-Leitlinie
Basierend auf den DVO-Leitlinien für die Glukokortikoid-induzierte Osteoporose mit der Empfehlung zur Bisphosphonat-Therapie ab einem T-Score von <-1,5 auch bei Fehlen osteoporotischer Frakturen ermittelten Jenaer Rheumatologen und Osteologen um PD Dr. Peter Oelzner den Versorgungsgrad mit Bisphosphonaten bei postmenopausalen Frauen mit RA bei der Erstvorstellung in Abhängigkeit von der kumulativen Glukokortikoid-Dosis.Bei 343 postmenopausalen Frauen mit RA wurde mittels DXA der BMD der Lendenwirbelsäule und des Schenkelhalses gemessen und radiologisch das Vorliegen von Frakturen erfasst. Ermittelt wurde der Prozentsatz von Patientinnen mit Indikation für eine Bisphosphonat-Therapie und der tatsächliche Versorgungsgrad bei der Erstvorstellung in einem rheumatologisch-osteologischen Zentrum in Jena.
Eine Osteoporose lag bei 51,3 % der Patientinnen ohne Glukokortikoide (n=74), und bei 39,1, 54,9, 63,6 bzw. 67 % der Patientinnen mit kumulativen Glukokortikoid-Dosen (Prednisolonäquivalent) von <5 g (n=69), 5-10 g (n=51), >10-20 g (n=55) bzw. >20 g (n=94) vor. Wirbelkörperfrakturen fanden sich in 11 %. Eine Indikation für Bisphosphonate bestand laut den DVO- Leitlinien bei 33, 8 % der Patientinnen ohne Glukokortikoide sowie in 75,4, 76,5, 90,9 und 89,4 % der Patientinnen mit kumulativen Glukokortikoid-Dosen von <5 g, 5-10 g, >10-20 g bzw. >20 g Prednisolonäquivalent.
Demgegenüber stand eine reale Versorgung mit Bisphosphonaten zum Zeitpunkt der Erstvorstellung bei lediglich 4,1 % der Patientinnen ohne Glukokortikoide sowie nur 7,2, 11,8, 23,6 und 30,9 % der Patientinnen mit kumulativen Glukokortikoid-Dosen von <5, 5-10, >10-20 bzw. >20 g. Dies entspricht einer Unterversorgung von 88 % der Frauen ohne Glukokortikoide sowie 92, 84,6, 74 und 65,6 % der Frauen mit kumulativen Glukokortikoid-Dosen von <5, 5-10, >10-20 bzw. >20 g Prednisolon-äquivalent.
Unter Zugrundelegung der DVO-Leitlinien bestand bei postmenopausalen Frauen mit RA bei Erstvorstellung eine erhebliche Diskrepanz zwischen einer Indikation für Bisphosphonate (72,8 %) und einem Versorgungsgrad von lediglich 16,3 %. Besonders ausgeprägt war die Unterversorgung von Frauen ohne Glukokortikoide sowie mit kumulativen Glukokortikoid-Dosen bis 10 g. Aber auch bei hohen kumulativen Glukokortikoid-Dosen von >10 g war die medikamentöse Therapie in >60 % nicht leitliniengerecht. Die Daten belegen somit eine erhebliche Versorgungslücke hinsichtlich der Osteoporose-Therapie und -Prophylaxe bei RA-Patientinnen vor Vorstellung in einem entsprechenden Zentrum.
Quelle: Kongress „Osteologie 2010“, Berlin, 3.-6. März 2010, P48

