Neue Professur für Rheumatologie an der Uni Münster
Seit Oktober gibt es an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU) eine eigene Professur für Rheumatologie. Die Berlinerin Dr. Annett Jacobi wurde dorthin berufen.Auf rund 1,5 Millionen wird die Zahl der Menschen geschätzt, die in Deutschland an rheumatologischen Erkrankungen leiden. Die Betroffenen müssen teils lange Wartezeiten in Kauf nehmen, um einen Arzttermin zu bekommen. Denn es gibt hierzulande zu wenige Fachärzte mit rheumatologischem Schwerpunkt. Dass der Nachwuchs in dieser Fachrichtung ausbleibt, liegt zum Teil auch an dem Schattendasein, das die Rheumatologie nach wie vor an den deutschen Hochschulen führt. Doch jetzt kommt eine gute Nachricht: An der Universität Münster (WWU) wird das Fachgebiet nun ausgebaut. Seit Oktober gibt es dort eine eigene Professur für Rheumatologie, auf die Dr. Annett Jacobi aus Berlin berufen wurde.
Es handelt sich um eine Stiftungsprofessur, in der Prof. Wilhelm Schmitz, der Dekan der Medizinischen Fakultät, eine willkommene Verstärkung sieht. Die Entzündungsmedizin, zu der die Rheumatologie fachlich gehört, stellt einen von fünf Forschungs- und Behandlungsschwerpunkten der münsterschen Hochschulmedizin dar. „Damit können wir den ohnehin schon starken Schwerpunkt weiter ausbauen.“ Nach Angaben von Schmitz gibt es bundesweit erst 13 Professuren an den Hochschulen, die sich speziell mit der Rheumatologie befassen. In Nordrhein-Westfalen, das mit 18 Millionen mehr Einwohner hat als die Niederlande, sei die jetzt eingerichtete Professur erst die zweite. „Schon deshalb hat sie für uns einen sehr hohen Stellenwert“, so Schmitz.
Neben der Möglichkeit zum Ausbau der rheumatologischen Forschung sieht Schmitz einen weiteren Brennpunkt im Bereich der Lehre. In Deutschland praktizieren lediglich 600 internistische Rheumatologen - und damit weniger als halb so viele, wie für eine ausreichende medizinische Versorgung notwendig wären. Tendenz: rückläufig. „Das Interesse an einem bestimmten Fachgebiet kann und sollte man schon im Studium wecken.“ Nun hofft der Dekan über eine intensivierte rheumatologische Lehre künftig mehr Nachwuchs für das Fach gewinnen zu können.
Hohe Erwartungen knüpft auch der Ärztliche Direktor des Universitätsklinikums Münster (UKM), Prof. Norbert Roeder, an die neu geschaffene Professur. Prof. Jacobi wird eingebunden sein in die Krankenversorgung am UKM. Ihre Stelle ist angesiedelt an der Medizinischen Klinik D (Allgemeine Innere Medizin sowie Nieren- und Hochdruckkrankheiten und Rheumatologie) unter Leitung von Prof. Hermann Pavenstädt, die ihrerseits eng mit weiteren Kliniken und Instituten zusammenarbeitet. Am UKM absolvieren aber auch viele Mediziner ihre Facharzt-Fortbildung oder Weiterbildungen. „Somit wird neben den Patienten auch der fachliche Austausch mit den Kollegen anderer Disziplinen vom Ausbau der Rheumatologie profitieren“, meint Roeder.
Die Inhaberin der neuen Professur, Dr. Annett Jacobi, wechselt vom Berliner Universitätsklinikum Charité, wo sie nach dem Medizinstudium seit 2006 als Fachärztin für Innere Medizin arbeitete, nach Münster. Aufgrund ihrer ärztlichen Tätigkeit, zahlreicher in rund 30 Fachveröffentlichungen publizierter Forschungsarbeiten und ihrer Mitwirkung in Fachverbänden hat sie sich, obgleich erst 36 Jahre alt, bereits einen Ruf als ausgewiesene Rheumatologie-Expertin erworben. Jacobis wissenschaftlicher Schwerpunkt ist der systemische Lupus erythematodes (SLE). Die Entwicklung verbesserter Möglichkeiten zur Klassifikation von Lupus-Patienten, um neue sowie individuelle Therapiewege zu finden, wird auch in Münster ein Hauptziel ihrer Arbeit darstellen.
Quelle: Medizinische Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster
http://campus.uni-muenster.de/

