24.03.2011

Rheumatoide Arthritis - Höheres Lebenszeitrisiko als erwartet

US-amerikanische Wissenschaftler um Dr. Cynthia S. Crowson, Rochester, haben erstmals in einer Studie das Lebenszeitrisiko für eine Rheumatoide Arthritis (RA), aber auch andere chronisch-entzündliche rheumatische Autoimmunerkrankungen bestimmt. Demnach entwickelt jede zwölfte Frau und jeder zwanzigste Mann im Lauf des Lebens eines dieser Krankheitsbilder. Berücksichtigt man das Risiko für die RA alleine, ist eine von 28 Frauen und einer von 59 Männern betroffen. Zugleich übertreffen diese Zahlen die bisherigen hierzu angestellten Vermutungen recht deutlich.

Das Lebenszeitrisiko für rheumatische Erkrankungen bei beiden Geschlechtern war bisher nicht systematisch erfasst worden. Zwar liegen hinreichend Daten zu Prävalenz- und Inzidenzraten vor, jedoch unterbewerten die Zahlen zur Prävalenz das individuelle Risiko und die Inzidenzraten entsprechen nur einem jährlichen Schätzwert. Da mitunter die Prävalenz fälschlicherweise dem Lebenszeitrisiko gleichgesetzt wird, dürften die jetzt ermittelten Zahlen doch überraschen – ausgehend von einer RA-Prävalenz von 1:100.

Die aktuelle Studie basierte auf epidemiologischen Langzeitdaten von Patienten aus dem im Olmstead County, Minnesota, angesiedelten „Rochester Epidemiology Project“, das mit Unterstützung des National Institute of Health (NIH) von Experten der in Rochester ansässigen Mayo Clinic geleitet wird. Insgesamt umfasste die untersuchte Kohorte 1.179 Patienten, die zwischen 1955 und 2007 mit sieben chronisch-entzündlichen Autoimmunerkrankungen – RA, Polymyalgia rheumatica (PMR), Sysytemischer Lupus erythematodes (SLE), Riesenzellarteriitis (RZA), Psoriasis-Arthritis (PsA), primäres Sjögren-Syndrom und Ankylosierende Spondylitis (AS) – diagnostiziert wurden, und erlaubte somit eine Extrapolation des Lebenszeitrisikos auf nationaler US-amerikanischer Ebene.

Im Ergebnis kommen die Biostatistiker zu einem Lebenszeitrisiko für die Entwicklung einer RA von 3,6 %bei Frauen und 1,7 % bei Männern. Für die PMR betragen diese Raten für Frauen und Männer 2,4 und 1,7 %, für den SLE 0,9 bzw. 0,2 %, für die RZA 1,0 respektive 0,5 %, für die PsA bei fast identischen Raten beider Geschlechter 0,5 und 0,6 %, für das Sjögren- Syndrom 0,8 bzw. 0,04 % und für die AS 0,1 % bei Frauen und 0,6 % bei Männern. Trotz der akkuraten Datenerfassung muss das vergleichsweise hohe Lebenszeitrisiko für die PMR relativiert werden, da sich in Minnesota viele Menschen skandinavischer Abstammung – mit einer bekanntlich relativ hohen PMR-Rate – niedergelassen haben.

Kompakt

Gemäß US-amerikanischer Daten aus dem Rochester Epidemiology Project muss vor dem Hintergrund bisheriger Daten zur Prävalenz von einem noch höheren Lebenszeitrisiko für RA und andere rheumatische Erkrankungen ausgegangen werden. Insbesondere Ärzten der Primärversorgung sollten diese Zahlen nahegebracht werden, um mehr Patienten mit Verdacht auf eine frühe RA oder andere rheumatische Krankheitsbilder frühzeitig einem Rheumatologen zuzuweisen.

Quelle: Arthritis Rheum 2011; doi: 10.1002/art.30155

 

 

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