13.05.2011

Aktuelles zu neuen Therapieansätzen

Über aktuelle Studien zu neuen und experimentellen Therapieansätzen bei Rheumatoider Arthritis (RA) berichtete anlässlich des Rheuma Update 2011 in Wiesbaden Prof. Dr. Hubert Nüßlein, Nürnberg.

Dass bei RA nicht nur die B-Zell-Depletion mit dem bewährten Rituximab, sondern auch mit den neuen Anti-CD20-Antikörper Ofatumumab vielversprechend erscheint, geht aus einer Phase I/II-Studie hervor (Arthritis Rheum 2010; 62: 2227-2238). Bei zweimaliger Applikation wurden mit drei verschiedenen Dosierungen ACR20-Ansprechraten von 40-49 % versus Placebo mit 11 % erreicht. Laut Nüßlein hatten nach 24 Wochen 70 % der Patienten unter Ofatumumab ein moderates oder gutes klinisches EULAR-Ansprechen. Ob sich die Effektivität des neuen monoklonalen Antikörpers mit jener von Rituximab messen lassen kann, müssen weitere Studien aber erst noch zeigen.

In einer weiteren Phase I/II-Studie wurde mittels eines rekombinanten Adenovirus-assoziierten Vektors ein TNF-Antagonisten-Gen in entzündete Gelenke injiziert (J Rheumatol 2010; 37: 692-703). In Anbetracht eines im Vergleich zu Placebo nur mäßigen Ansprechens bei zugleich hoher Nebenwirkungsrate wäre womöglich die intraartikuläre Applikation eines etablierten TNF-Antagonisten die attraktivere Therapievariante, gab Nüßlein zu bedenken.

Fortschritte bei Kandidaten für orale Therapie

Positive Daten wurden bei mit MTX- sowie TNF-Hemmern vorbehandelten RA-Patienten für den oralen JAK-Inhibitor Tofacitinib (vormals Tasocitinib) publiziert (Ann Rheum Dis 2010; 69: 413-416). Im Vergleich zu Placebo wurde mit Tofacitinib in Dosierungen von 5,15 und 30 mg eine 50%-ige Verbesserung des Schmerzes bei 44, 66 und 78 % vs. 14 %, eine klinisch bedeutsame Besserung des HAQ (0,3 Einheiten) bei 57, 75 und 76 % vs. 36 % und eine klinisch relevante Verbesserung der physischen und mentalen SF-36-Komponenten erzielt. Diese Effekte waren  bereits nach sechs Wochen nachweisbar. Die überzeugenden klinischen Ergebnisse zu dem JAK-Inhibitor spiegeln sich jetzt, so Nüßlein, auch in diesen relevanten Daten zu Patient-Reported Outcomes (PROs) wider.

Neuere Daten wurden auch zu dem SYK-Inhibitor Fostamatinib (R788) vorgestellt (N Engl J Med 2010; 363: 1303-1312). Bei Patienten mit MTX-Versagen zeigte sich mit beiden untersuchten Dosierungen eine signifikante Verbesserung des Ansprechens gegenüber Placebo gemäß ACR20 (67 bzw. 57 % vs. 35 %), ACR50 (43 bzw. 32 % vs. 19 %) und auch ACR70 (28 bzw. 14 % vs. 10 %). Häufige Nebenwirkungen waren Diarrhoe, Infektionen des oberen Respirationstraktes und Neutropenie sowie ein leichter Blutdruckanstieg. Nach Nüßleins Worten dürfte Fostamatinib somit neben dem JAK-Inhibitor Tofacitinib, dessen klinisches Studienprogramm mittlerweile weit fortgeschritten ist, die wohl aussichtsreichste Neuentwicklung eines oral verfügbaren RA-Medikamentes darstellen.

In Pilotstudien mit RA-Patienten hingegen gescheitert sind zwei verschiedene oral verfügbare CCR5-Antagonisten (Arthritis Rheum 2010; 62: 3154-3160, Ann Rheum Dis 2010; 69: 2013-2016). Nachdem bereits zuvor die Blockade mit TCR1 ohne Erfolg blieb, scheinen die Chemokin-Rezeptoren insgesamt kein geeignetes Target für die RA-Therapie darzustellen.

Interleukin-17 als Target bestätigt

Erfreulichere Daten lieferte eine „proof of concept“-Studie zur Wirksamkeit des humanisierten monoklonalen IL-17-Antikörpers LY2439821 bei RA (Arthritis Rheum 2010; 62: 929-939). In dieser ersten zweiteiligen, randomisierten doppelblinden Phase I-Studie zeigte sich bereits nach einer Woche eine verglichen mit Placebo signifikante DAS-Verbesserung um 2,3-2,4 vs. 1,7. Auch die ACR20/50/70-Ansprechraten waren signifikant höher unter dem IL-17-Antikörper im Vergleich zu Placebo. Somit wird Interleukin-17 als relevantes Target in der Behandlung der RA bestätigt, sagte abschließend Nüßlein.                                                 

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