Erste Ergebnisse aus CAPEA auf dem EULAR-Kongress - Aufruf zur Teilnahme und Rekrutierung


Die Früharthritis-Studie CAPEA (Course And Prognosis of Early Arthritis) schließt seit Juli letzten Jahres Patienten mit einer Symptomdauer von maximal sechs Monaten ein, um die Bedeutung früher Krankheitszeichen für den langfristigen Verlauf zu untersuchen. Dabei soll auch beantwortet werden, wie viele frühzeitig behandelte Patienten unter den Bedingungen der rheumatologischen Regelversorgung eine (anhaltende) Remission erreichen.
Noch ist die Studie weit davon entfernt, diese Fragen beantworten zu können. Auswertungen erster Baseline-Daten werden aber bereits auf dem diesjährigen EULAR-Kongress in London auf drei Postern präsentiert.
Drei CAPEA-Poster in London
Ein erstes Poster zeigt, dass die neuen ACR-Kriterien zur Klassifikation der rheumatoiden Arthritis (RA) nur begrenzt mit der Einschätzung der Rheumatologen übereinstimmen: Ein Viertel der CAPEA-Patienten, bei denen die Rheumatologen mindestens zweimal eine RA diagnostizierten, erfüllten die neuen ACR/EULAR-Kriterien nicht. Zwar wären nach den alten ACR-Kriterien noch weniger Patienten richtig als RA klassifiziert worden (insgesamt 60 %), doch werden auch die neuen Kriterien dem Anspruch, diejenigen Patienten sicher zu identifizieren, die ein hohes Risiko für eine RA tragen, nur unzureichend gerecht (Poster THU0337).
Zudem folgen die Rheumatologen bei ihren Therapieentscheidungen offensichtlich sehr viel eher ihren klinischen Erfahrungen als den neuen Kriterien, die die Einleitung einer DMARD-Therapie bei 6 Punkten implizieren.
Nach drei Monaten wurden nur 69 % der Kriterien-positiven, aber 92 % der klinisch diagnostizierten RA-Patienten mit DMARDs behandelt (Poster THU0338). Demnach scheinen die neuen Kriterien im klinischen Alltag eher eine geringe Bedeutung zu haben. Ihre Funktion dürfte vor allem darin bestehen, nach standardisierten Kriterien vergleichbare Früharthritis-Populationen für klinische Studien zu bilden.
Ein weiteres Poster unterstreicht die Wirkung von Glukokortikoiden auf Fatigue (Poster THU0336). Von den bei Studieneintritt DMARD-naiven Arthritis-Patienten nahm knapp ein Viertel seit mindestens einer Woche orale Glukokortikoide. Diese Patienten hatten nicht nur deutlich kürzere Morgensteifigkeit, sondern berichteten auch über deutlich geringere körperliche oder geistige Fatigue.
Wie in vielen anderen Studien war die Stärke der Fatigue nur minimal mit der Krankheitsaktivität assoziiert und ihre Besserung somit nicht mit der Linderung der Krankheitsaktivität zu erklären. Glukokortikoide könnten demnach bei Patienten mit starker Fatigue die Symptomatik bessern – zunächst offenbar unabhängig von der Krankheitsaktivität. Ob die Effekte früh eingesetzter Glukokortikoide nachhaltig sind, wird im weiteren Verlauf untersucht.
CAPEA braucht mehr Patienten!
Doch um zu verlässlichen Ergebnissen zu kommen und vor allem, um in etwa vier Jahren die Hauptfragestellungen beantworten zu können, müssen zunächst genügend Früharthritis-Patienten in die Studie aufgenommen werden. Im März war CAPEA mit 625 Studienteilnehmern noch weit vom ehrgeizigen Ziel entfernt, die Rekrutierung im Sommer 2011 mit 1.500 Patienten abschließen zu können. Das liegt nicht daran, dass die bisher beteiligten kooperierenden Einrichtungen nicht engagiert Patienten für die Studie dokumentierten, sondern daran, dass ein Drittel der Einrichtungen trotz Kooperationsvereinbarung noch gar nicht angefangen hat. Interessierte Kolleginnen und Kollegen sind nach wie vor herzlich eingeladen, an CAPEA teilzunehmen. Interessenten wenden sich bitte an G. Westhoff, Deutsches Rheuma-Forschungszentrum Berlin, Tel. 030/
28460637 oder westhoff@drfz.de.
Kompakt:
CAPEA ist eine riesige Chance, international eine führende Rolle bei der Erforschung wichtiger Aspekte der rheumatoiden Arthritis einzunehmen. Es wird in absehbarer Zeit nicht erneut möglich sein, eine so große Früharthritis-Kohorte mit so vielen beobachteten Dimensionen aufzubauen. Es wäre schade, wenn die Studie an der Fallzahl scheiterte.
Dipl.-Psych. Gisela Westhoff, Dr. med. Edmund Edelmann

