13.05.2011

Plädoyer für Knochendichtemessung

Sowohl bei der RA als auch bei anderen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen ist das Frakturrisiko in Abhängigkeit vom Schweregrad, Symptomdauer, einer Glukokortikoidtherapie und niedrigem BMI deutlich erhöht. Neuere Studiendaten zu dieser Problematik wurden im Rahmen des Rheuma Update 2011 in Wiesbaden vorgestellt.

Eine retrospektive bevölkerungsbasierte Kohortenstudie verglich das Frakturrisiko bei 47.034 RA-Patienten und 235.170 Kontrollen über einen medianen Zeitraum von 1,63 Jahren (Arthritis Res Ther 2010; 12: R154). Insgesamt bei 1,9 % der Patienten traten Frakturen auf, die Inzidenzrate betrug 9,6/1.000 Patientenjahre (PJ), am höchsten war diese an der Hüfte mit mit 3,4/1.000 PJ. Nach Adjustierung auf Kovariable wurde für die RA ein mäßig, aber signifikant erhöhtes Frakturrisiko berechnet (Hazard ratio, HR 1,26). Alle typischerweise von osteoporotischen Frakturen betroffenen Lokalisationen wiesen eine signifikant erhöhte Risikorate (RR) auf (RRs: Hüfte 1,62, Handgelenk 1,15, Becken 2,02, Humerus 1,51). Dies galt für beide Geschlechter und alle Altersklassen, jedoch war das Risiko insbesondere für Frauen und bei höherem Lebensalter besonders stark gesteigert. Auch Faktoren wie Glukokortikoide oder ein hohes CRP führten zu einer zusätzlichen Erhöhung der Frakturrate.

In einer weiteren bevölkerungsbasierten Fall-Kontroll-Studie wurden 53.108 Patienten mit erlittener Fraktur mit 370.602 gematchten Kontrollen verglichen – darunter befanden sich 3.884 Patienten mit verschiedenen entzündlich-rheumatischen Erkrankungen, in 87 % der Fälle war dies eine RA (J Rheumatol 2010; 37: 2247-2250). Insgesamt zeigte sich für diese Patienten eine um das 3-fache erhöhte Odds ratio (OR) für eine Fraktur, wobei vergleichsweise häufiger Hüft- als Vertebralfrakturen zu verzeichnen waren. Die Risiko-
erhöhung war bei Spondylitis ankylosans mit einer OR 4,0 stärker ausgeprägt als für RA und SLE (OR je 2,9).

Diese Befunde zu einem erhöhten Frakturrisiko bei rheumatischen Patienten unterstreichen die Notwendigkeit, zusätzliche Risikofaktoren wie eine herabgesetzte Knochendichte bei RA konsequent zu erfassen, zumal hier Glukokortikoide nach wie vor eine wichtige Rolle in der Therapie spielen. Gerade bezüglich der vorsorglichen Knochendichtemessung dürften in Deutschland in dieser Hinsicht noch erhebliche Defizite bestehen, diese sollte aber nach der RA-Diagnose  obligatorisch durchgeführt werden.      

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