Pulmonale Komplikationen stärker beachten

Beispielhaft verwies Krüger in diesem Zusammenhang auf eine groß angelegte US-amerikanische Studie der Mayo Clinic in Rochester zur Inzidenz und Mortalität der interstitiellen Lungenerkrankung (ILD) in einer bevölkerungsbasierten RA-Kohorte von 582 Patienten, deren Outcome mit einer gematchten Nicht-RA-Kohorte von 603 Teilnehmern über einen Follow-up-Zeitraum von im Schnitt 16,4 bzw. 19,3 Jahren verglichen wurde (Arthritis Rheum 2010; 62: 1583-1591).
Das Lebenszeitrisiko für die Entwicklung einer ILD war bei RA-Patienten mit 7,7 % im Vergleich zu 0,9 % in der Kontrollkohorte fast um das 9-fache erhöht (Hazard ratio, HR 8,96). In besonderem Maße war dieses Risiko bei Männern, einer hohen Krankheitsaktivität und höherem Lebensalter bei Beginn der RA-Symptomatik gesteigert. Das Mortalitätsrisiko von RA-Patienten mit ILD war gegenüber jenen ohne etwa um das 3-fache erhöht (HR 2,86), die mittlere Überlebenszeit nach der ILD-Diagnose betrug nach Krüger lediglich 2,6 Jahre. Insgesamt wies die RA-Kohorte eine im Vergleich um 15,9 % höhere Mortalität auf, wovon ca. 13 % auf eine ILD zurückzuführen waren.
In Anbetracht dieser Daten und der nicht seltenen Atemwegskomplikationen bei RA stellt sich die Frage, bei welchen Patienten eine frühe pulmonologische Durchuntersuchung angezeigt wäre. Wertvolle Hinweise hierzu lieferte laut Krüger im vergangenen Jahr eine systematische Erfassung bei 159 RA-Patienten ohne kardiovaskuläre Komorbidität mittels Fragebogen, klinischer Untersuchung sowie Lungenfunktionstests (Arthritis Res Ther 2010; 12: R104). 42 % der Patienten wiesen respiratorische Symptome auf, 28 % hatten eine pathologische Lungenfunktion, aber nur bei 6 % war eine pulmonale Vorerkrankung bekannt. Wichtigste Prädiktoren für eine pathologische Lungenfunktion waren ein chronischer Auswurf und Dyspnoe mit einer Wahrscheinlichkeit von zusammen 59,3 %, letztere wurde noch signifikant weiter gesteigert durch Rauchen, Seropositivität und eine Prednisolon-Therapie auf bis zu 97,7 %.
Kompakt:
Pulmonale Komplikationen sind bei RA-Patienten keineswegs selten, woraus sich auch aufgrund der damit assoziierten schlechten Prognose die Forderung ableitet, zumindest jene Patienten mit zusätzlichen Risikofaktoren wie chronischem Auswurf, Dyspnoe, Rauchen, Seropositivität und Glukokortikoidtherapie auf jeden Fall einer Lungenfunktionsprüfung zu unterziehen, so das Fazit von Krüger.

