Update zur Schmerztherapie

Die „Osteoarthritis Research Society International (OARSI)“ hat ihre Therapieempfehlungen auf der Basis neuer Studienergebnisse überarbeitet. Danach lindert eine Gewichtsreduktion signifikant die Schmerzen, der Schmerzreduktion unter Paracetamol kommt jedoch jetzt keine statistische Signifikanz mehr zu, die Effektstärke der elektromagnetischen Therapie wird als nicht mehr klinisch signifikant eingestuft und eine Gelenklavage wird inzwischen nicht mehr empfohlen. Der rekombinante Knochenwachstumsfaktor BMP-7, der ein neues pathophysiologisch orientiertes Wirkprinzip repräsentiert, zeigte in einer ersten Phase I-Studie ausreichend gute Ergebnisse.
Tanezumab, ein gegen den Nervenwachstumsfaktor (NGF) gerichteter Antikörper, minderte zunächst ohne gravierende Nebenwirkungen und mit einer sehr hohen Ansprechrate hochsignifikant die Schmerzen von Gonarthrose-Patienten beim Gehen. Der extrem starke, durch Überbelastung verursachte OA-Anstieg in der Nachbeobachtungszeit, der mehrfach eine Gelenkersatztherapie erforderte, führte jedoch zum Abbruch aller Studien.
Patienten mit rheumatoider Arthritis (RA) zeigen eine generelle Hyperalgesie auf mechanische und thermische Reize. Topische NSAR sind bei RA-Patienten effektiv. Opioide können, auch wenn sie transdermal appliziert werden, aufgrund von Überdosierung schwerwiegende Nebenwirkungen haben, verursacht z. B. durch Wärmeeinwirkung, die eine verstärkte Wirkstofffreisetzung zur Folge hat. Diese Möglichkeit wird auch zunehmend missbräuchlich genutzt, wobei eine zu starke Pflastererhitzung zum Tod führen kann. Opioid-Wirkspiegelerhöhungen sind außerdem durch Interaktionen mit Cyp3A4-Inhibitoren wie Erythromycin, Clarithromycin, Verapamil, Diltiazem, Cimetidin, Amiodaron, Grapefruitsaft und Ketoconazol möglich.
Eine substantielle wie auch moderate Schmerzreduktion bewirkt bei Fibromyalgie-Syndrom (FMS)-Patienten zugleich auch eine signifikante Besserung der Lebensqualität. In einem indirekten Vergleich der drei in den USA zugelassenen FMS-Wirksubstanzen (Ami-
tryptilin, Duloxetin, Milnacipran) war Amitriptylin den anderen Substanzen hinsichtlich Schmerzreduktion, Reduktion der Schlafstörungen und Besserung der Lebensqualität überlegen.
Quelle: 6. Rhema Update, Vortrag „Arthrose, Schmerztherapie, Fibromyalgie“, Wiesbaden, 18. März 2011

