03.08.2011

VDBW und DGRh - Integration von chronisch Kranken ins Arbeitsleben verbessern

Eine frühe Diagnose, eine adäquate Behandlung sowie ein offener und lösungsorientierter Umgang am Arbeitsplatz sind notwendig, um Menschen mit chronischen Erkrankungen besser in das Arbeitsleben zu integrieren. Dies fordern Experten aus Politik, Verbänden, Wirtschaft und Wissenschaft.

Unabdingbare Voraussetzung, um die Arbeitsfähigkeit einer steigenden Anzahl chronisch Kranker zu verbessern, sei ein gesamtgesellschaftlicher Mentalitätswandel, so der Tenor der Veranstaltung „Integration von chronisch Kranken ins Arbeitsleben verbessern – Problemlage und Handlungsempfehlungen“, die am 5. Juli auf Einladung des Verbandes Deutscher Betriebs- und Werksärzte (VDBW) und der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin stattfand. Eine Schlüsselrolle komme dabei nicht nur der Politik zu, die die richtigen Rahmenbedingungen setzen müsse, sondern insbesondere auch den Arbeitgebern, den Betriebsärzten und den Arbeitnehmern selbst.

Von der Krankschreibung zur Gesundschreibung

Dr. Nerys Williams, stellvertretende Direktorin der Abteilung Arbeitsmedizin im Britischen Arbeitsministerium, lieferte mit der Präsentation einer Reihe von britischen Initiativen Beispiele, wie die Politik die Integration von chronisch Kranken in die Arbeitswelt fördern kann. Exemplarisch stellte Dr. Williams die „Fit Note“ (Gesundschreibung) vor, welche im April 2009 in Großbritannien die „Sick Note“ (Krankschreibung) abgelöst hat. Der behandelte Arzt kann seitdem auswählen, ob er den Patienten „arbeitsunfähig“ oder „teilweise arbeitsfähig“ schreibt. Wird der Patient als teilweise arbeitsfähig beurteilt, müssen die von ihm ausgeübten Tätigkeiten und sein Arbeitsplatz entsprechend angepasst werden. Kann oder will der Arbeitgeber dies nicht leisten, gilt der Patient als arbeitsunfähig.

„Auch wenn die Fit-Note-Regelung in dieser Form nicht auf Deutschland übertragbar ist, so ist sie doch ein gelungenes Beispiel dafür, wie ein Einstellungswandel bei Arbeitgebern, aber auch bei Arbeitnehmern und Ärzten angestoßen werden kann“, so VDBW-Präsidiumsmitglied Dr. Anette Wahl-Wachendorf. Allzu häufig herrsche noch die Vorstellung vor, dass nur ein „fitter“ Arbeitnehmer ein guter Arbeitnehmer sei.

Beispiel Rheuma

Mit dem thematischen Schwerpunkt Rheuma trug die Veranstaltung von VDBW und DGRh insbesondere den volkswirtschaftlichen Folgen Rechnung, die Erkrankungen des Stütz- und Bewegungsapparates auf die deutsche Volkswirtschaft haben: Infolge von vorübergehenden oder dauerhaften Arbeitsausfällen kommt es aufgrund dieser Erkrankungen jährlich zu Kosten von insgesamt 26 Milliarden Euro. „Verbesserungen von Versorgung und medizinischer Rehabilitation, Stärkung der Prävention sowie flexible Arbeitsmöglichkeiten tragen dazu bei, dass Menschen mit rheumatischen Erkrankungen beschäftigungsfähig bleiben“, führte Marion Rink, Vize-Präsidentin der Deutschen Rheuma-Liga, aus Sicht der Betroffenen aus.

Bessere Aufklärung und Koordination aller Beteiligten

Die wissenschaftliche Gesamteinordnung leistete Prof. Wilfried Mau von der DGRh. Sein Plädoyer: „Trotz großer Behandlungsfortschritte in den letzten Jahren brauchen wir dringend mehr Aufmerksamkeit für das Thema chronische Krankheiten in der Arbeitswelt. Dazu gehört auch eine bessere Aufklärung von Patienten, Ärzten und Betrieben über rehabilitative und Anspruchsrechte sowie die bessere Koordination aller Beteiligten. Die Politik kann hierfür die Weichen stellen, etwa mit deutschlandweiter Bedarfsplanung für Rheumatologen in einem Nationalen Aktionsplan Chronische Erkrankungen/Rheuma zur Beseitigung  von Barrieren beim bedarfsgerechten Zugang zu funktionsorientierten und rehabilitativen Leistungen sowie bei der krankheitsangepassten Weiterbeschäftigung bzw. Wiedereingliederung gerade auch in klein- und mittelständischen Unternehmen.“                           

Die Veranstaltung „Integration von chronisch Kranken ins Arbeitsleben verbessern – Problemlage und Handlungsempfehlungen“ wurde mit Unterstützung von Abbott durchgeführt.

 

 

 

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