Biomarker ermöglicht Prognose über Verlauf
Ein neuer Biomarker könnte laut einer aktuellen Studie eine prognostische Aussage über den Verlauf der Rheumatoide Arthritis (RA) erlauben. Kern dieser Arbeit deutscher Rheumatologen um Prof. Dr. Hendrik Schulze-Koops, München, war die Analyse von Interleukin-22 (IL-22) als prognostischer Marker für die Entwicklung von Knochenerosionen und damit einer strukturellen Gelenkzerstörung bei RA-Patienten.Grundlage und Motivation für dieses Projekt war zunächst die Beobachtung, dass es zu Beginn der Erkrankung aus bisher unbekannten Gründen zu einer gesteigerten immunologischen Aktivität mit verstärkter Sekretion bestimmter CD4 T-Zell-Zytokine kommt. Diese gesteigerte immunologische Aktivität resultiert in einer von CD4 T-Zellen mediierten Entzündungsreaktion, welche persistiert und in der Folge bei zwei Drittel der Patienten bereits nach kurzer Dauer zu Erosionen an den Gelenken führt.
IL-22 als möglicher prognostischer Marker für Gelenkprogression bei RA identifiziert
Von besonderem Interesse sind daher Biomarker, die eine prognostische Aussage darüber erlauben, ob der jeweilige Patient im Verlauf der Erkrankung Gelenkerosionen bzw. -destruktionen entwickeln wird. Denn das primäre Ziel moderner Therapien ist es letztlich, Gelenkdestruktionen durch konsequente Therapie zu vermeiden.
In der vorliegenden Studie konnte erstmals nachgewiesen werden, dass bei einigen Patienten mit RA erhöhte Serumspiegel des pro-inflammatorischen Zytokins IL-22 vorliegen. Diese erhöhten IL-22-Serumspiegel korrelieren interessanterweise hoch signifikant mit der frühen Entstehung von Gelenkerosionen. IL-22 ist ein Zytokin, das in erster Linie von CD4 T-Zellen produziert wird. Der Rezeptor für IL-22 wird in verschiedenen Geweben des Gelenkes exprimiert. In früheren Studien konnte bereits gezeigt werden, dass IL-22 synoviale Fibroblasten aktiviert, welche wiederum knorpeldestruierende Proteinasen sezernieren und auf diesem Weg zur Zerstörung des Knorpels beitragen können. Darüber hinaus fördert IL-22 die Entstehung von Osteoklasten, die maßgeblich an der Entstehung von Knochenerosionen beteiligt sind. Ergebnisse dieser in vitro-Studien konnten bereits als Hinweise für eine pathophysiologische Funktion von IL-22 bei der Entstehung von Gelenkerosionen angesehen werden. In der jetzt publizierten Studie konnte die Bedeutung von IL-22 bei der Entstehung von Gelenkerosionen anhand einer homogenen, klinisch gut definierten Kohorte von RA-Patienten untersucht werden. Um eine unverfälschte Analyse hinsichtlich der IL-22-Produktion zu Beginn der Erkrankung gewährleisten zu können, wurden nur Patienten mit einer mittleren Symptomdauer von <3 Monaten in die Studie eingeschlossen, die zudem noch keinerlei immunmodulierende Therapie erhalten hatten. Ungefähr die Hälfte der RA-Patienten (49 %) wies zu Beginn der Erkrankung deutlich über der Norm liegende IL-22-Werte im Serum auf, während die andere Hälfte Werte im Bereich der Norm aufwiesen.
Interessanterweise konnten bei 33 % der Patienten aus der Gruppe mit erhöhten IL-22-Werten bereits zu diesem frühen Zeitpunkt der Erkrankung Gelenkerosionen nachgewiesen werden, während dies nur bei einem Patienten (4 %) aus der Gruppe mit niedrigen IL-22-Werten der Fall war. Alle Patienten wurden daraufhin in einen Zeitraum von 2 Jahren regelmäßig bezüglich der Entstehung von weiteren Gelenkerosionen untersucht. Dabei zeigte sich, dass bei einem weiteren Viertel der Patienten mit erhöhten IL-22-Werten neue Gelenkerosionen auftraten. Im Gegensatz dazu entwickelte keiner der Patienten mit normalen IL-22-Werten eine Knochendestruktion. Die Vorhersagekraft von IL-22 war unabhängig von anderen Parametern, die mit einer aggressiveren RA assoziiert sind.
Die Messung des IL-22-Serumspiegels ermöglicht demnach eine Voraussage über das Risiko einer frühen Gelenkzerstörung. Zudem deuten die Ergebnisse auf eine Rolle von IL-22 in der Pathogenese der Gelenkzerstörung bei der RA hin.
Quellen: Ann Rheum Dis 2011; 70(8): 1453-1457; Pressemitteilung des Klinikums der Universität München, 27. Juli 2011

