02.11.2011

Wie gut sind Rheumapatienten in Deutschland versorgt?

Bei entzündlich-rheumatischen Krankheiten wie der rheumatoiden Arthritis (RA) sind die ersten drei, maximal sechs Monate nach Beginn der ersten Symptome entscheidend für den weiteren Verlauf sind. Behandelt man in diesem frühen Zeitfenster, so stehen die Chancen gut, dass die Krankheit entweder ganz zum Stillstand kommt oder einen milden Verlauf nimmt, so Prof. Dr. Angela Zink, Leiterin des Forschungsbereichs Epidemiologie, Deutsches Rheuma-Forschungszentrum (DRFZ), Berlin.

Die internistische Rheumatologie in Deutschland folgt dieser in vielen Studien gewonnenen Evidenz. In Zusammenarbeit mit Hausärzten gelingt es immer besser, die Patienten früh zu sehen. Frühsprechstunden leisten einen wichtigen Beitrag. Dass die frühere Behandlung – zusammen mit den Biologika als neuen Therapieoptionen – tatsächlich zu einer Verbesserung der Situation der Rheumakranken geführt hat, belegt die rheumatologische Versorgungsforschung.

Mit früher Diagnose und Therapie bessere Teilhabe am Arbeitsleben

Nach den Ausführungen von Zink haben Studien an mehr als 100.000 RA-Patienten eindeutig gezeigt, dass sich die Situation der Kranken in den letzten zehn Jahren deutlich verbessert hat. Der Anteil der Patienten, bei denen die Krankheit so gut kontrolliert ist, dass sie keine oder nur geringe Krankheitszeichen haben, hat sich nach Daten der Kerndokumentation zwischen 2001 und 2009 von 15 auf 31 % verdoppelt. Gleichzeitig ist die Zahl der Patienten im erwerbsfähigen Alter, die ihren Beruf weiterhin ausüben können, bei Frauen von 31 auf 48 % und bei Männern von 37 auf 53 % angestiegen. Obwohl die Ausgaben für Medikamente deutlich gestiegen sind, haben sich die volkswirtschaftlichen Gesamtkosten (Behandlungskosten und Kosten durch Arbeitsausfall) im letzten Jahrzehnt kaum erhöht. Dies geht auf den Rückgang bei Krankschreibungen und vorzeitiger Berentung zurück und belegt die bessere gesundheitliche Situation der Betroffenen, betonte Zink.

Doch diese guten Nachrichten gelten – so schränkte Zink ein – nur für Patienten, die das Glück haben, überhaupt einen internistischen Rheumatologen zu erreichen. Hier belegt die Versorgungsforschung große Defizite in der Versorgung: Anstelle von 1.350 internistischen Rheumatologen, die für eine ausreichende Versorgung nötig wären, haben wir in Deutschland nur gut 600, beklagte Zink. Gründe liegen in Ausbildungs- und Weiterbildungsdefiziten und in Niederlassungsbeschränkungen. Es bleibt zu hoffen, dass das für 2012 geplante Versorgungsgesetz, das erstmalig eine teilgebietsspezifische Bedarfsplanung vorsieht, hier Abhilfe schafft.                                                 

Quelle: Pressekonferenz anlässlich des 39. DGRh-Kongresses, München, 2. September 2011

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