28.12.2011

Rheumatologische Fachassistenz - Gemeinsam die Herausforderungen meistern

Im Jahr 2009 gründete sich der Fachverband Rheumatologische Fachassistenz e. V. in Köln. In der letzten Ausgabe der „Rheuma Management“ stellte Frau Ulrike Erstling den Verband und seine Arbeit vor. In einem aktuellen Gespräch informierten wir uns noch explizierter über die Ziele und Chancen des Verbandes.

Welches Ziel verfolgt der Verband bezüglich eines Benefits für den Praxisinhaber?

Das breite Indikationsspektrum des rheumatischen Formenkreises, die fachspezifische Langzeitbetreuung der Rheumapatienten und der Umgang mit neuen Therapieoptionen erfordern eine umfassende Aus- und Weiterbildungsstruktur für die Assistenzkräfte.

Das erlernte Wissen auch weiterhin auf dem aktuellen Stand zu halten, den kommunikativen Austausch untereinander zu ermöglichen und Informationen überregional zu vernetzen, stehen hier im Vordergrund. Mit Hilfe unserer Kommunikationsplattform www.forum-rheumanum.de können die Mitglieder von Erfahrungen im Therapiealltag profitieren und mehr Sicherheit im Umgang mit den Patienten gewinnen. Sie erfahren Neuigkeiten von Kongressen, sei es berufspolitisch oder medizinisch wissenschaftlicher Natur. Frau Prof. Dr. Rubbert-Roth, Herr Prof. Dr. Specker und Herr Prof. Dr. Horneff fungieren im Verband als wissenschaftlicher Beirat.

Weitere Punkte sind: Steigerung der Selbstständigkeit und intensivere Arbeit am und mit dem chronisch kranken Patienten, interdisziplinäre Kommunikation und Vernetzung mit den verschiedenen Gesellschaften und Verbänden der Rheumatologie, Studienassistentinnen, Physio-/Ergotherapeuten und die intensive Kooperation mit den Praxisinhabern und deren Umfeld. Ebenso ist es wichtig, interessierte MFA‘s für die Qualifikation zur „Rheumatologischen Fachassistenz BDRh/DGRh“ zu begeistern und damit die Weiterbildung zielorientiert zu fördern.

Eine Weiterbildung der rheumatologischen FachassistentInnen führt zur Kompetenzverbesserung, erhöht die Arbeitszufriedenheit und Behandlungsqualität, unterstützt den Rheumatologen im ärztlichen und unternehmerischen Sinne und sorgt für eine wachsende Patientenzahl. Nicht zuletzt wegen der deutlichen Unterversorgung mit internistischen Rheumatologen in Deutschland kann das rheumatologische Assistenzpersonal eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Dies gilt insbesondere für die zunehmende Einrichtung von Früharthritis-Sprechstunden, bei der die Assistenzkräfte Arzt-entlastende Tätigkeiten, wie z. B. Score-Erhebung, strukturierte Zwischenanamnesen, Therapieaufklärung, -durchführung und -kontrollen und Studiendokumentation, zusätzlich zu ihren regulären Arbeiten übernehmen. Der zertifizierte Wissensstand und die praktische Erfahrung sorgen für einen besseren Praxisablauf und eine selbstständige Patientenbetreuung. Die Umsetzung richtet sich nach dem Profil der Einrichtung und dem eingespielten Team. Das Projekt Themen-bezogene Patientenschulung „Strupi“ (Strukturierte Patienteninformation) resultiert daraus, erweitert die Qualifikation und führt zu einer intensiveren Zusammenarbeit im Team der ärztlichen und nichtärztlichen Berufe.

Durch die Kooperation von BDRh, DGRh und Rheumaakademie wird ein zertifiziertes Curriculum angeboten mit Abschluss „Rheumatologische Fachassistenz BDRh/DGRh“. Stellt diese Fortbildung mit der des Assistenzverbands nicht eine Doppelgleisigkeit hinsichtlich der Fortbildungsmaßnahmen dar?

Nein, das zertifizierte Blockstudium zur „Rheumatologischen Fachassistenz BDRh/DGRh“ schafft die fachspezifische Wissensgrundlage, die durch Prüfungen nachweislich dokumentiert ist. Jede weitere Fortbildungsmaßnahme vertieft und aktualisiert das Fachwissen und fördert persönliche Kontakte.

Verfolgt der Verband Ambitionen in Richtung finanzieller Absicherung oder Besserstellung der Fachassistentin als Angestellte? Denn wenn sie mehr weiß und leistet, könnte sie auch mehr fordern.

Ohne Fortbildung kein Engagement und natürlich auch kein Weiterkommen in der Ausübung des Berufs! Mehrwissen heißt Arbeitsplatzsicherung durch Qualifikationen und Fachkompetenz. Routine und praktische Anwendung werden mit dem erworbenen Wissen gefestigt. Nichtsdestotrotz sollte es eine logische Schlussfolgerung sein, dass das fundierte Fachwissen der Fachassistenz mit qualifizierter Mehrleistung und nachweislicher praktischer Erfahrung eine finanziell bessere Honorierung erhält, als eine MFA nach dem Bundesmanteltarifvertrag. Betrachtet man z. B. die kaufmännischen Berufe, sind die Aufstiegsmöglichkeiten mit Position, Aufgabengebiet, Delegationen und Gehaltsanpassung ganz klar festgelegt. Medizinische Assistenzberufe dürfen sich weiterbilden, jedoch ohne definierte finanzielle Aufwertung. Hat man die leitende Position der MFA erreicht, erfolgt nur noch eine Anpassung in Bezug auf die Berufsjahre, es sei denn, es wird eine Regelung mit dem jeweiligen Arbeitgeber getroffen.

Um als Fachassistenz mit der zertifizierten Qualifikation eine offizielle Änderung zu erwirken, sind Klärungen und neue Definitionen, besonders der rechtlichen Rahmenbedingungen nötig, denn viele Tätigkeiten, die die Assistenzkraft leistet, sind zwar ärztlich delegierbar, aber nur bei ärztlicher Durchführung abrechnungsfähig. Die Umsetzung richtet sich auch hier nach dem Profil der Einrichtung. Wir als Fachverband möchten erreichen, dass die Rheumatologische Fachassistenz als eigenständige Berufsgruppe auf Bundesebene anerkannt wird. Dieses können wir nicht aus eigener Kraft erreichen, sondern nur in Zusammenarbeit mit DGRh und BDRh. Das Gesundheitswesen befindet sich im fundamentalen Umbruch. Im Hinblick auf das neue Versorgungsgesetz könnte es für unsere Berufsgruppe eine Chance geben, gemeinsam an der Gestaltung unserer beruflichen Zukunft mitzuwirken. Als Vorbild gelten die Niederlande, hier kann der Arzt delegierbare Leistungen an nicht-ärztliche Fachberufe delegieren.

Gibt es durch den Verband Fortbildungsangebote? Arbeitet der Verband auch inhaltlich mit dem BDRh zusammen?

Die Veranstaltungen, die wir als Verband in Eigeninitiative organisieren, sind sehr praxisnah, gehen gezielt auf Themenwünsche ein, beinhalten Workshops mit Vorstellungen von Fallbeispielen und sind u. a. auch fachübergreifend orientiert. So fanden 2011 in Köln und Minden zwei Fortbildungsnachmittage in Zusammenarbeit mit der FA-CED e.V. (Fachgesellschaft für Assistenzpersonal - Chronisch Entzündliche Darmerkrankungen) statt. Der Blick über den Tellerrand in unserem täglichen Arbeitsumfeld war hier unser Leitfaden. Zahlreiche chronisch-entzündliche Erkrankungen mit ihren unterschiedlichen Organmanifestationen erfordern eine interdisziplinäre Betreuung der Patienten. Spätestens seit Einführung der Biologika als Therapieoption ist es auch für das Assistenzpersonal von großer Bedeutung, sich über die Wirkmechanismen immer aktuell zu informieren. Solche Veranstaltungen haben zum Ziel, sich über den eigenen Fachbereich hinaus zu sensibilisieren und in der Diskussion an Beispielen von Kasuistiken aktiv mitzuwirken.

Das Konzept des interdisziplinären Austausches für medizinische Assistenzberufe unter dem Titel „Interdisziplinäre Fortbildung für Fachkräfte“ wurde mit Teilnehmern aus der Rheumatologie, Gastroenterologie und Dermatologie 2011 zum zweiten Mal erfolgreich umgesetzt und sorgte für einen fachübergreifenden Dialog. Überdies findet seit bereits 10 Jahren ein Fortbildungstreffen der rheumatologischen Studynurses während des DGRh-Kongresses statt, dieses wird seit diesem Jahr auch von der Rheumatologischen Fachassistenz mit organisiert. Durch die neue Teilnehmerkonstellation aus den Tätigkeitsbereichen Praxis/Klinik und Studienambulanz waren die Themen breit gefächert und sehr vielseitig, die Kinderrheumatologie mit inbegriffen.

Fünf Mitglieder des Fachverbandes nahmen in diesem Jahr erstmalig am BDRh-Kongress in Leipzig teil, eingeladen durch den Vorsitzenden, Herrn Dr. Edelmann. Es war für uns die Premiere einer berufspolitischen Veranstaltung. Die Gründung und Aktivitäten wurden positiv zur Kenntnis genommen und Interesse an der Zusammenarbeit zu Praxismanagement und berufspolitischen Themen bekundet. Die offizielle Vorstellung des Fachverbandes Rheumatologische Fachassistenz e. V. wird in Berlin auf dem 7. BDRh-Kongress vom 26. bis 28. April 2012 erfolgen. Außerdem haben wir am 27. April dort innerhalb eines Forums für Assistenzberufe einen Programmpunkt zum Thema „Kommunikation: Effektive Patientenkommunikation und effektiver im Team kommunizieren“, zu dem wir Ärzte und Fachassistenz schon jetzt herzlich einladen. In der Rheuma Management 4/2011 wurde ein Artikel mit dem Titel „Was kann und soll eine Fachassistenz leisten“ veröffentlicht, was zur weiteren Wahrnehmung sehr förderlich war und in dieser Ausgabe seine Fortsetzung findet.                                                  

Haben Sie vielen Dank für das Gespräch!

Ulrike Erstling
(1. Vorsitzende)
Fachverband Rheumatologische Fachassistenz e.V.
Geschäftsstelle:
c/o Ulrike Erstling
Dombach-Sander-Str. 87a, 51465 Bergisch Gladbach
tätig in der rheumatologischen Schwerpunktpraxis
Dr. med. Thomas Karger, Köln

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