03.08.2011

Wahrnehmung des Faches Rheumatologie - How do we get rheumatology more sexy?

Die Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) ermöglicht mit ihrer Jahrestagung eine kontinuierliche Weitergabe des Wissens und bietet Plattformen für Diskussionen und die Entwicklung von neuen Ideen. Dass die verschiedenen Player in der Rheumatologie eine gute Arbeit leisten und sich für das Wohl der Betroffenen einsetzen, ist unter den Beteiligten selbst sicher keine Frage.

Prof. Dr. med. Matthias Schneider, Prof. Dr. med. Christof Specker, Martina Blumenroth

Das ist zwar für das Selbstwertgefühl sehr wichtig. Wie die Rheumatologie allerdings von außen wahrgenommen wird, hängt von der Einschätzung der Außenstehenden ab, die dann z. B. darüber entscheiden, welche Ressourcen die Rheumatologie in Forschung und Versorgung bekommt. Und davon hängt auch ab, wie viel Nachwuchs wir für die Rheumatologie bekommen.

Wie weckt die Rheumatologie mehr öffentliches Interesse?

„How do we get rheumatology more sexy?” unter dem Vorsitz von Prof. Dr. med. Christof Specker aus Essen und Prof. Dr. med. Matthias Schneider aus Düsseldorf beschäftigt sich im Jahr 2011 in München mit dem Gedanken, wie man „Rheuma“ so attraktiv machen kann, dass das allgemeine, politische und populärmedizinische Interesse an dem Fach Rheumatologie steigt. Denn „Rheuma“ und die Rheumatologie haben kein gewinnbringendes Image.

Marketingexperten aus den Bereichen Kardiologie und Neurologie, denen es erfolgreich gelungen ist, ihre Disziplin in den Fokus der Bevölkerung zu rücken, werden über ihre Erfahrungen berichten. Ein nicht aus dem medizinischen Bereich kommender Werbefachmann informiert über ähnliche Strukturen, Kampagnen und Aktionen aus der Industrie/Werbebranche und gibt Anregungen für eine erfolgreiche Umsetzung.

400 verschiedene Krankheitsbilder, ob entzündlich oder nicht entzündlich, fallen unter den Begriff „Rheuma“. Pickt man sich eine Krankheit aus dem rheumatischen Formenkreis heraus, egal welche, braucht es das Spezialwissen eines Rheumatologen, um die oft unklaren Symptome richtig einzuordnen. Viele seltene Erkrankungen gehören zum rheumatischen Formenkreis. Hinzu kommt, dass man den Auslöser der Erkrankungen nicht kennt, er liegt bis heute im Verborgenen. Das Rätselhafte, Unklare, Verborgene des „Rheuma“ spiegelt sich wider in der Rheumatologie und im Bewusstsein der Menschen. Fast jeder kennt jemanden, der „Rheuma“ hat. Ob derjenige es tatsächlich hat, weiß man nicht.  Er weiß es vielleicht selber nicht oder aber ist sich sicher, dass er es hat und hat es gar nicht. „Rheuma“ scheint auch hier diffus. „Rheuma“ ist latent im Bewusstsein der Menschen vorhanden, weil es so weit verbreitet ist. „Was man nicht erklären kann, sieht man gern als Rheuma an“, sagte schon Wilhelm Busch. Jedes Ziehen, jedes Reißen in den Gliedern bekommt schnell das Etikett „Rheuma“.

Defizite beginnen bereits beim Medizinstudium

Auch die Rheumatologie spielt sich fast im Verborgenen ab. Dies beginnt bereits im Medizinstudium. Es gibt nur sechs Lehrstühle für Rheumatologie in ganz Deutschland. Die wenigsten Medizinstudenten kommen also mit dem Fach in Kontakt, und wenn, dann nur sehr kurz. Da verwundert es nicht, wenn es zu wenige Rheumakliniken und viel zu wenig niedergelassene Rheumatologen gibt. Die Rheumatologie ist nahezu so selten wie einige ihrer Erkrankungen. So ist im Studium, in der weiteren Ärztelandschaft und in der Bevölkerung so gut wie nichts über die Rheumatologie bekannt, obwohl jeder jemanden mit „Rheuma“ kennt, ähnlich der Vielfalt der Symptome, deren Ursache doch unbekannt ist.

So ist die Rheumatologie angetreten, um Licht in die Sache zu bringen, nach innen wie nach außen: Während die Suchscheinwerfer der Forschung auf Hochtouren laufen, um die Ursache zu finden und eines der großen Rätsel in der Medizin zu lösen, erhellen öffentlichkeitswirksame Aufklärungskampagnen und Werbemaßnahmen das Wissen der Bevölkerung. Vorträge für Laien und Mediziner sind mittlerweile selbstverständlich, Summer Schools Rheumatologie ergänzen das Medizinstudium.

Die Ergebnisse der Forschung können sich sehen lassen: Die Rheumatologie ist mittlerweile eines der innovativsten Fachgebiete der Medizin. Bahnbrechende Fortschritte in der Therapie haben in den letzten 10 Jahren kein internistisches Fachgebiet derart revolutioniert wie die Rheumatologie.

Dieser Beitrag auf dem DGRh-Kongress trägt dazu bei, „Rheuma“ und die Rheumatologie ins volle Scheinwerferlicht zu stellen. Damit dies möglichst effektiv geschieht, ist jeder einzelne gefordert, sich einzubringen. Wenn Sie schon immer wissen wollten, warum Rheumatologie als wenig attraktiv wahrgenommen wird und wenn Sie bisher nicht zu fragen wagten, was man dagegen tun kann, dann kommen Sie zu dieser Veranstaltung in München anlässlich des DGRh-Kongresses.                                                                    

Prof. Dr. med. Christof Specker
Klinik für Rheumatologie & Klinische Immunologie,
Katholisches Krankenhaus St. Josef
Zentrum für Innere Medizin der Kliniken Essen Süd
Propsteistraße 2, 45239 Essen
Tel. 0201/8408-1214, Fax 0201/8408-1883

Prof. Dr. med. Matthias Schneider
Leiter der Rheumatologie
Heinrich-Heine-Universität, Klinik für Endokrinologie, 
Diabetologie und Rheumatologie
Rheumazentrum Rhein-Ruhr
Moorenstr. 5, 40225 Düsseldorf
Tel.: 0211/811-7817, Fax: 0211/811-6455

Martina Blumenroth
Rheumazentrum Rhein-Ruhr
Universitätsklinikum Düsseldorf
Moorenstr. 5, 40255 Düsseldorf
Tel.: 0211/811-7811, Fax: 0211/811-6455

 

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