02.11.2011

Nachwuchs in der Rheumatologie: Sorgen und Erwartungen

Das 2008 veröffentlichte Memorandum der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) „Rheumatologische Versorgung von akut und chronisch Rheumakranken in Deutschland“ hat auf der Basis der Zahl behandlungsbedürftiger Rheumakranker und einem Konsensus über erforderliche Kontaktzeiten beim Rheumatologen den Bedarf an internistischen Rheumatologen für ca. zwei Millionen Rheumakranke in Deutschland auf 1.360 geschätzt. Dem gegenüber standen 2008 635 Ärztinnen und Ärzte, die an der vertragsärztlichen rheumatologischen Versorgung teilgenommen haben, so DGRh-Generalsekretär Prof. Dr. Ekkehard Genth, Aachen.

Dieser Mangel an Rheumatologen wurde vor Kurzem von der Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Anfrage der SPD-Fraktion bestätigt. Nur in neun von 267 Planungsbereichen der Kassenärztlichen Vereinigung wird nach den Angaben der Bundesregierung ein Verhältnis von einem Rheumatologen pro 50.000 erwachsenen Einwohnern erreicht. Der Mangel ist insbesondere in ländlichen Regionen gravierend. Die Folgen sind häufig lange Wartezeiten, zu späte Diagnose und Therapie – dies kann dazu führen, dass bereits bei der Erstvorstellung Gelenkschäden vorliegen, führte Genth weiter aus.

Weiterhin zu wenig Rheumatologen

Die Ursachen für diesen Mangel sind vielschichtig. Zum einen ist das Fach Rheumatologie an den deutschen Universitäten unzureichend repräsentiert. Dies steht übrigens im krassen Gegensatz zur internationalen Entwicklung, die durch viele neue wissenschaftliche Erkenntnisse und die Neueinführung biologischer Medikamente im letzten Jahrzehnt charakterisiert ist. Eine weitere Folge sind deutliche Mängel in der studentischen Ausbildung an den Universitäten.

Leider ist zudem die Zahl weitergebildeter Rheumatologen in den letzten Jahren eher etwas gesunken – das liegt an Erschwernissen der rheumatologischen Weiterbildung in Klinik und Praxis (keine Finanzierung). Die berufliche Perspektive einer Niederlassung als Rheumatologe wird durch die Zulassungsausschüsse erschwert, weil nach den geltenden Regelungen der Bedarf an rheumatologischer Versorgung nach dem Grad der internistischen Versorgung bewertet wird. Die Sonderbedarfszulassungen für Rheumatologen sind insgesamt bisher nicht ausreichend. Hier besteht nach den Worten Genths dringender Handlungsbedarf, im Rahmen der Beratungen über das Versorgungsgesetz eine bedarfsgerechte und funktionierende Regelung einzuführen, die klare Perspektiven setzt.

Baustelle Weiterbildung

Die DGRh hat Ende Januar 2011 in einem Weiterbildungsworkshop in Berlin eine Bestandsaufnahme der Situation in der rheumatologischen Weiterbildung auf der Grundlage einer Umfrage unter den sich für das Fach weiterbildenden Ärzten vorgestellt. Es wurde deutlich, dass zurzeit nur zwei Drittel der weiterbildungsermächtigten Ärzte im Krankenhaus auch tatsächlich weiterbilden, dass der ambulante Bereich, der ein wichtiger Bereich einer praxisorientierten Weiterbildung sein sollte, nur zu einem kleinen Teil an der Weiterbildung beteiligt ist, und dass Möglichkeiten der kumulativen Weiterbildung durch mehrere Weiterbilder und von Kooperationen zu wenig genutzt werden. Die DGRh entwickelt gemeinsam mit ihren Partnerorganisationen in der Rheumatologie, dem BDRh und dem VRA, ein Konzept von Stipendien für die rheumatologische Weiterbildung in Praxis und Klinik, das inhaltlich durch Weiterbildungskurse der Rheumaakademie ergänzt und durch Spenden verschiedener Industrieunternehmen getragen wird. Das Konzept ist eine Weiterentwicklung eines Stipendienprogramms des BDRh, mit dem elf Weiterbildungsmaßnahmen gefördert wurden, es orientiert sich am Förderprogramm Weiterbildung in der Allgemeinmedizin. Hierbei ist auch eine aktive Werbung um den medizinischen Nachwuchs vorgesehen. Das neue Stipendienprogramm für die rheumatologische Weiterbildung soll noch in diesem Jahr starten, sagte Genth.

Die Verbesserung der Aus- und Weiterbildung von Ärzten in der Rheumatologie ist entscheidend, um die Patienten durch frühe Diagnose und eine rechtzeitige sowie kontinuierliche Therapie an dem enormen Fortschritt in der Versorgung teilhaben zu lassen und dadurch ihre Arbeitsfähigkeit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erhalten bzw. zu verbessern.

 

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