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Bei Kreuzschmerzen Röntgen nur selten erforderlich
Da sich unspezifische Rückenschmerzen meist ohne Operation wieder zurückbilden, werden im akuten Stadium vor allem Bewegung und Schmerzmittel empfohlen.Nichtspezifische Rückenschmerzen bessern sich in den meisten Fällen ohne eine Operation, andere Eingriffe oder eine Physiotherapie. Schmerzmittel und die Ermutigung, in Bewegung zu bleiben, sind in der kürzlich veröffentlichten „Nationalen VersorgungsLeitlinie Kreuzschmerz“ (siehe http://www.kreuzschmerz.versorgungsleitlinien.de/) deshalb die wichtigsten Behandlungsempfehlungen im akuten Stadium. Röntgenuntersuchungen oder andere bildgebende Verfahren sind nur erforderlich, wenn Hinweise auf eine ernsthafte Erkrankung vorliegen. Darauf weisen Rheumatologen der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) anlässlich ihres 39. Jahreskongress hin, der vom 31. August bis zum 3. September 2011 im Internationalen Congress Center in München stattfand und auf dem die Diagnostik und Therapie von Kreuzschmerzen einen der Themenschwerpunkte darstellten.
„Die meisten Patienten mit Rückenschmerzen erwarten von uns, dass sie geröntgt werden”, berichtet Prof. Dr. med. Elisabeth Märker-Hermann von der Dr. Horst Schmidt Kliniken GmbH (HSK) in Wiesbaden. Bei der Mehrheit der Erwachsenen ab dem mittleren Alter findet sich Verschleißerscheinungen an Bandscheiben und Wirbeln – also Arthrosen, die als Verschleiß bedingte (degenerative) rheumatische Erkrankungen ebenfalls zum rheumatischen Formenkreis gezählt werden. Die gleichen Veränderungen liegen aber auch bei vielen Menschen ohne Kreuzschmerzen vor. „Verschleißerscheinungen und Kreuzschmerz müssen also nicht unweigerlich zusammenhängen“, betont Märker-Hermann.
Röntgen und andere bildgebende Verfahren wie die Magnetresonanztomografie (MRT) verursachen bei der Volkskrankheit Rückenschmerz nicht nur erhebliche Mehrkosten, sie können auch unnötige Operationen veranlassen, warnt die Expertin. Sie verweist auf eine vergleichende Studie, in der nach Röntgen oder MRT 5,2 Prozent der Patienten operiert wurden. Beim Verzicht auf die Untersuchungen waren es nur 2,1 Prozent. „Die Behandlungsergebnisse nach zwölf Monaten waren aber in beiden Gruppen gleich.“, so Märker-Hermann.
„Wir raten den Ärzten deshalb, zunächst auf Röntgen oder MRT zu verzichten und die Arbeitsdiagnose des nichtspezifischen Rückenschmerzes weiter zu verfolgen”, erklärt Märker-Hermann als Mitautorin der Leitlinie. Voraussetzung hierfür sei jedoch, dass sich eine ernste Erkrankung ausschließen lässt. „Es ist deshalb wichtig, bei Anamnese und Erstuntersuchung auf Warnsignale, so genannte ‚Red Flags’, zu achten, die eine sofortige Operation oder andere Therapien notwendig machen“, betont Märker-Hermann. So können verstärkte Schmerzen in der Nacht oder Fieber auf Infektionen oder Tumoren hinweisen. Lähmungen können ein Warnsignal für eingeklemmte Nerven sein. Auch bei älteren Menschen oder während einer Kortisonbehandlung kann eine sofortige Röntgen- oder MRT-Untersuchung notwendig sein. Diese Patienten haben nämlich ein erhöhtes Risiko, auch nach leichten Verletzungen einen Wirbelbruch zu erleiden. Bei chronischen Kreuzschmerzen gelte es, weitere fachärztliche Untersuchungen zu veranlassen und psychosoziale Risikofaktoren frühzeitig zu erkennen.
Quelle: Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh)


