ASV...AMBULANTE SPEZIALFACHÄRZTLICHE VERSORGUNG

Dr. med. Martin Welcker

Dr. med. Martin Welcker

Eine persönliche Betrachtung

Ambulant … machen wir.
Spezialfachärztlich … sind wird.
Versorgung … machen wir.
Also, eigentlich nichts Neues! 

Die ASV in der Rheumatologie stellt eine Sonderform der Versorgung dar, die fast das gesamte Arbeitsfeld umfasst. Sie ist letztlich eine alternative Ebene der Versorgung und Abrechnung für Niedergelassene und, das ist ein wesentlicher Unterschied, für „Nicht-Niedergelassene“, also am Krankenhaus tätige Ärzte. Mit der ASV wird der Wille der Politik umgesetzt Sektorengrenzen zu überwinden!

Persönlich denke ich, dass dies eine „Spielwiese“ zukünftiger Versorgung sein soll. Ambulante und stationäre Strukturen können und sollen zusammenfinden, die Versorgung wird fachärztlich (und nicht hausärztlich) gesteuert. Die Abrechnung wird verwaltungstechnisch und bezogen auf die Vertragspartner verändert; auch hier bestehen Möglichkeiten neuer Zusammenarbeit. Aber, alles Neues hat seine „Risiken und Nebenwirkungen“, auf die es gilt zu achten.
 

Worum handelt es sich bei der Entscheidung zur ASV? 

Primär handelt es sich um eine unternehmerische Entscheidung, die medizinische Implikationen nach sich zieht. 

Der unternehmerische Aspekt: 

Zumindest in den ersten Jahren bietet die ASV nach den derzeitigen Informationen die Möglichkeit, alle behandelten Patienten nicht nur abrechnen zu können, sondern auch bezahlt zu bekommen. Dies natürlich nach den bisherigen Sätzen der Kassenabrechnung, aber ohne die bisherigen Abschläge. Zudem können Einzelleistungen - wenn auch begrenzt - abgerechnet werden (z. B. nicht mehrere Sonografien an einem Tag, gleichwohl wir dies ja durchaus machen (z. B. Handgelenk, MCPs). Die gebotene Qualität wird somit auch im Honorar gewürdigt.Mit der ASV verlässt man das bisherige, bekannte KV-System; mit allen seinen Vor- und Nachteilen. Die KV steht nicht mehr automatisch zwischen den Kassen und uns Ärzten. In diesem Zusammenhang denke ich an die heftigen Auseinandersetzung zwischen Krankenkassen und Ärzten im frühen 20. Jahrhundert, welche zum heutigen KV-System der Selbstverwaltung mit Versorgungsauftrag geführt hat.

Der medizinische Aspekt:

Es besteht, neben der üblichen leitliniengerechten Betreuung, erstmals die Möglichkeit,  Patienten gezielt zu Kollegen des Vertrauens aus der ASV-Gruppe zuzuweisen. Dies ermöglicht neben der strukturierten Zuweisung die Steigerung der Versorgungsqualität mit z. B. Etablierung konsentierter Qualitätsstandards.
 

Mögliche Vor- und Nachteile der ASV

Vorteile:

  • Abrechnung: Der Entfall der Budgetierung sowie die definierte Bezahlung ärztlicher Leistung (im Rahmen der Vorgaben) führt wieder das Prinzip der Bezahlung für Qualität und Leistung ein.
  • Die bisherigen Abschläge, welche mit jeder Abrechnung schmerzlich zu realisieren waren, sollten der Vergangenheit angehören. Dies erlaubt, in Qualität und Quantität der Betreuung unserer Patienten zu investieren und für dieses Investment auch adäquat honoriert zu werden!
  • Konkrete Zuweisung zu Kollegen des Teams ist nun möglich.

Nachteile:

  • In Niedersachsen wird die ASV-Vorlage derzeit so interpretiert, das nur ein Rheumatologe pro ASV-Team möglich ist. Dies entspricht nicht dem politischen Geist der ASV und soll zeitnah korrigiert werden. Bis dahin ist die Umsetzung aber erschwert. Ggf. müssen für eine Gemeinschaftspraxis mehrere ASV-Teams gegründet werden (möglich, aber aufwendig und unsinnig).
  • Die PVS-Hersteller lassen sich teilweise hohe Servicegebühren für die Freischaltung des ASV-Moduls zahlen. Hier hoffe ich, mit dem beschriebenen Modell eine günstige Möglichkeit der Umsetzung gefunden zu haben. In Abhängigkeit vom Software-Hersteller könnte ein Eintrag der Team-Nummer in die Abrechnung ohne Zusatzkosten und Zusatzlizenz möglich sein. Ob dies letztendlich so funktioniert, muss die abschließende Umsetzung zeigen.
  • Aus dem Bereich der pulmonologischen ASV gibt es Rückmeldungen, dass nicht alle Leistungen bezahlt würden. Hier sind die Kollegen in Diskussion mit den Entscheidungsträgern.
  • Zu lösende Aspekte und Fragen, zu erwartende Schwierigkeiten im Ablauf der ersten Wochen und Monate:
  • Die konkrete Umsetzung
  • Die Umsetzung der notwendigen Angaben im PVS-System.
  • Formulare (Überweisungen, Rezepte) mit Angabe jeweiligen der Teamnummer.
  • Die konkrete Abrechnung der „ersten Male“.

Ich habe versucht, meinen persönlichen Zugang zur ASV darzustellen. Das Vorgehen ist mit Sicherheit nicht perfekt und nur ein Weg des Herangehens. Zudem stellt es meine private Meinung bezüglich der Stellung der KV im Rahmen der aktuellen Zusammenarbeit dar.  

Ich bin der Überzeugung, dass im Falle ASV unser Berufsverband BDRh für die Zukunft der Versorgung unserer Patienten und der Existenz unserer Praxen einen wichtigen Schritt getan hat. Das Engagement einzelner und der Gruppe, hier seien nur Edmund Edelmann und Ludwig Kalthoff als ehemaliger und aktueller Vorsitzender genannt, zeigt den Wert des BDRh für alle Rheumatologen und deren Patienten.

Mein Weg der Umsetzung 

Erster Schritt:

Hier steht die Beantwortung der Frage an, mit welchen Kollegen ich bisher gut, bewährt und reibungslos zusammengearbeitet habe. 

Zweiter Schritt:

Sind diese Kollegen geografisch gesehen in ausreichender Nähe, um den Vorgaben der ASV zu entsprechen (30 Minuten-Regel)? Falls dies nicht der Fall ist, ist evtl. eine Ausnahmeregelung zu erhoffen (z. B. bei ca. 35 Min. Abstand) oder gibt es andere Kollegen, die ich ggf. einbinden kann?

Dritter Schritt:

Kontaktaufnahme mit Erläuterung des Vorhabens, der Ziele und der Möglichkeiten: Hierbei ist neben der Darstellung des möglichst geringen Verwaltungsaufwandes der essenzielle Hinweis auf die Budgetfreiheit der ASV-assoziierten Patientenbetreuung notwendig und hilfreich.

Vierter Schritt:

Klärung der Umsetzung mit Gestaltung des Kooperationsvertrages, der Beibringung der notwendigen Unterlagen und vor allem des Managements! Hier ist aus meiner Sicht von vorrangiger Bedeutung, die Organisation der ASV in niedergelassenen Händen, also rheumatologischen Händen zu lassen. Die Krankenhäuser bekämen hier sonst die Möglichkeit der politischen Oberhoheit, welche in ambulanten ASV-Strukturen aus meiner Sicht nicht zu favorisieren sind! 

Fünfter Schritt:

Ich habe oben genannten Schritt in Zusammenarbeit mit der KV Bayern mittels eines Kooperationsvertrages unternommen. Dieser stellt ein Beispiel der Umsetzung dar, kann aber evtl. in Zukunft auch für einen Modellvertrag zwischen KVen und BDRh dienen. 

Sechster Schritt:

Nach Überarbeitung des Musterkooperationsvertrages des Bundesverbandes ASV e. V., welcher über den BRDh allen Mitgliedern zur Verfügung steht, wird und wurde dieser den zukünftigen ärztlichen Kooperationspartner zur Unterschrift ausgehändigt.

Siebter Schritt:

Die Mitarbeiter der KV bereiten hierbei die KV-seitigen Unterlagen vor, welche zur Einreichung beim ELA notwendig sind (Qualifikationen, Genehmigungen und Erlaubnisse der Kooperationspartner).

Achter Schritt:

Mit Vorlage der unterschriebenen Verträge werden dann alle Unterlagen an den ELA eingereicht. Da bereits alle Unterlagen KV-seitig (dies gilt nicht für Teammitglieder aus den Kliniken) geprüft sind, muss der ELA hier nicht gesondert aktiv werden. 

Neunter Schritt:

Erwartungsgemäß werden seitens des ELA Rückfragen im Zusammenhang mit der Bearbeitung und Genehmigung des Antrages bestehen. Diese können dann in Zusammenarbeit und in Abstimmung mit den Mitarbeitern der KV rasch bearbeitet werden.
 

Dr. med. Martin Welcker
82152 Planegg
Tel.: 089/893 566 915
martin.welcker(at)rheumatologie-welcker.de