RÜCKBLICK AUF DEN DGRH-KONGRESS 2019 IN DRESDEN

Deutsche Rheumatologie weiter auf Erfolgskurs

Mit fast 3.000 Teilnehmern stellte der gemeinschaftlich ausgetragene 47. Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) mit der 33. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädische Rheumatologie (DGORh) und der 29. Jahrestagung der Gesellschaft für Kinder- und Jugendrheumatologie (GKJR) vom 4.-7. September 2019 in Dresden einen neuen Rekord auf, der das Kongresszentrum allerdings auch an die Belastungsgrenze brachte. Mit den Schwerpunkten Autoimmun-Systemerkrankungen und Osteoarthrose wurde ein breiter Bogen über die gesamte Rheumatologie gespannt. 55 Sitzungen mit 420 Vorträgen und – auch dies ein Rekord – 347 Abstracts spiegeln den großen Erfolg der deutschen Rheumatologie wider. 

Die großen Fortschritte in der Rheumatologie ließen sich bereits an der ersten Plenarsitzung „Year in Review“ festmachen, in der Tagungspräsident Prof. Dr. Martin Aringer, Dresden, einen ausgezeichneten Überblick über die wichtigsten neuen Studien seit dem vergangenen DGRh-Kongress in Mannheim gab – nicht wenige davon mit prominenter deutscher Beteiligung. Auch neue Erkenntnisse der Grundlagenforschung und spannende „futuristische“ Therapieansätze machen Mut auf eine künftig noch individueller gestaltbare Behandlung von Rheumapatienten. 

Auf mehreren Sitzungen wurden innovative Versorgungsprojekte diskutiert, die helfen sollen, trotz des weiter zu beklagenden Mangels an internistischen Rheumatologen eine noch raschere Diagnosestellung sowie frühzeitige Behandlung zu gewährleisten und mehr Patienten am medizinischen Fortschritt teilhaben zu lassen. 

Bei der bei rheumatoiden Arthritis (RA) bestätigen die auf einer WIN-Session vorgestellten neuen EULAR-Empfehlungen die aktuelle S2e-Leitlinie der DGRh zum Management der RA. Mit Upadacitinib und Filgotinib sind hier zwei weitere tsDMARDs auf dem Weg zur Zulassung. 

Etwas weniger im Vordergrund standen dieses Jahr die axiale Spondyloarthritis, hier ist vor allem die kurz vor dem Kongress erschienene aktualisierte S3-Leitlinie der DGRh zu nennen, und die Psoriasis-Arthritis, wenngleich sich auch in diesen Indikationen das Therapiespektrum künftig noch verbreitern dürfte. 

Auf großes Interesse stießen weitere WIN-Sessions, so gleich zwei zu Vaskulitiden, wo es für die Riesenzell- und Takayasu-Arteriitis ebenfalls neue EULAR-Empfehlungen gibt, und nicht zuletzt zu den Kollagenosen. Gerade auf diesem Feld gibt es viel Neues zu vermelden, so zum systemische Lupus erythematodes (SLE) die neuen ACR/ EULAR-Klassifikationskriterien und bei systemischer Sklerose mit interstitieller Lungenerkrankung die Aussicht, dass nach einer positiven Phase-III-Studie mit Nintedanib erstmals ein Medikament mit antifibrotischer Wirksamkeit vor der Zulassung in dieser Indikation steht. Zugleich wurden auch seltenere Erkrankungen wie Myositis, Sjögren-Syndrom, Morbus Behcet oder Polyarteriitis nodosa sowie die Rheumatherapie in besonderen Situationen oder spezielle Problemfelder wie Fatigue, Fibromyalgie-Syndrom, Sicca-Symptomatik und Raynaud-Syndrom besprochen. Einen Blick über den Tellerrand bot die Gastlandsession Tschechien. 

Ein weiterer Schwerpunkt war die „interdisziplinäre Rheumatologie“ mit Themen wie Schmerz, Entzündungsmedizin, Mikoroangiopathie und Autoinflammation. Vielfältig war das Themenspektrum auch in der pädiatrischen Rheumatologie, wo es einen Ausblick auf die fast abgeschlossene S2-Leitlinie der DGRh zur juvenilen idiopathischen Arthritis gab und nicht zuletzt periodische Fiebersyndrome im Fokus standen. In der orthopädischen Rheumatologie wurden unter anderem der „Rheumafuß“ und Therapiemöglichkeiten der Fingerpolyarthrose diskutiert. 

Auf ein Wiedersehen bei der DGRh-Jahrestagung vom 9.- 12. September 2020 im MOC Veranstaltungscenter in München!     
 

Prof. Dr. med. Hendrik Schulze-Koops
Präsident der Deutschen Gesellschaft 
für Rheumatologie e.V.
Klinikum der Universität München
Med. Klinik und Poliklinik IV
Bereichsleiter Rheumaeinheit
Pettenkoferstr. 8a, 80336 München