ASV Rheumatologie

Die ersten Schritte zur ASV Rheuma: Worauf muss geachtet werden?

von li.: Drs. med. Ralf Weier, Benjamin P. Köhler und Siegfried Wassenberg

von li.: Drs. med. Ralf Weier, Benjamin P. Köhler und Siegfried Wassenberg

Für Rheumatologen bedeutet die Teilnahme an der Ambulanten Spezialfachärztlichen Versorgung (ASV) Rheumatologie eine große Chance, sie ist aber auch mit einigem administrativen Aufwand und Fallstricken verbunden. Dass die Vorteile insgesamt aber die Nachteile überwiegen, erläutern Dr. Benjamin Köhler, der als ASV-Teamleiter fungiert, Dr. Siegfried Wassenberg und Dr. Ralf Weier, Fachärzte für Innere Medizin und Rheumatologie am Rheumazentrum Ratingen, in einem Interview.

Wann beschlossen Sie mit Ihren Kollegen, die ASV als Ihr Versorgungsprojekt zu realisieren? Welche Gründe waren für Sie ausschlaggebend?

Dr. Wassenberg: Wir haben uns bereits einige Jahre vor Veröffentlichung des ASV-Beschlusses im Bundesanzeiger mit dem Thema beschäftigt und waren auch damals schon der Ansicht, dass wir uns sobald wie möglich um die Teambildung kümmern sollten. Mit der konkreten Teambildung haben wir dann Ende 2017 begonnen und knapp ein Jahr gebraucht, um das Projekt bis zum Einreichen der Anzeige beim Erweiterten Landesausschuss (ELA) umzusetzen. 

Motivierend für die Realisierung der ASV-Teilnahme waren zum Einen die ASV-Prämisse der Teamarbeit, die eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit den niedergelassenen bzw. im Krankenhaus tätigen Kollegen anderer Fachbereiche und somit auch die Möglichkeit zur Verbesserung der Patientenversorgung bietet. Zum Anderen waren wirtschaftliche Aspekte ausschlaggebend, wie die Möglichkeit der Steigerung der Fallzahl bzw. des Honorars durch die fehlende Budgetierung.  

Haben Sie in Ihrer eigenen Praxis Ressourcen, die administrativen Aufgaben zu bewältigen?

Dr. Weier: Wir haben auf eine Beauftragung eines externen Dienstleisters für die Implementierung unseres ASV-Teams verzichtet. Somit musste der erhebliche administrative Aufwand auf unseren Schultern verteilt werden. Hier wäre es vorteilhaft gewesen, auch nicht-ärztliche Praxismitarbeiter frühzeitig in das Prozedere zu integrieren, um Aufgaben entsprechend delegieren können. Für die Abrechnung der ASV-Leistung werden wir allerdings den Service der KV in Anspruch nehmen.

Es müssen Teams mit fremden Fachgruppen gebildet werden. Um diese zu gewinnen, wie sind Sie vorgegangen?

Dr. Köhler: Wir haben uns in erster Linie an Kollegen gewandt, mit denen wir bereits in der Vergangenheit zusammenarbeiteten. 

Als ersten Schritt haben wir ein Rundschreiben formuliert, in dem wir die ASV erklärten und die Vorteile beschrieben. Dann haben wir bei konkretem Interesse viele Einzelgespräche geführt. In einem zweiten Schritt haben wir die Kollegen dann zu einem Treffen eingeladen, bei dem wir mit Unterstützung des Bundesverbandes weiter über die ASV informierten und konkrete Ziele formulierten. 

Die Bereitschaft zur Teilnahme war bei begrüßender Haltung der Kollegen hinsichtlich einer Zusammenarbeit in einem solchen Team groß.

Welche Haupteinwände zur Teilnahme an der ASV hörten Sie von Ihren fachfremden Kollegen und wie sind Sie ihnen begegnet?

Dr. Wassenberg: Es gab nicht viele Einwände gegen eine Teilnahme an der ASV. Manche Kollegen scheuten den organisatorischen Mehraufwand zur „Ersteinrichtung“ der ASV in der Praxis. Hier war insbesondere die Beschaffung des Softwaremoduls ein neuralgischer Punkt, da die Freischaltung durch die PVS-Anbieter teilweise mit hohen Kosten verbunden ist. Für einen hinzuzuziehenden Facharzt, der nur wenige Überweisungen im Quartal oder Jahr zu erwarten hat, kann sich eine solche Investition nicht rentieren. 

Wir waren zum Zeitpunkt unserer Teamfindung vielleicht auch noch etwas im Vorteil, da uns die Tatsache noch nicht bewusst war, dass von den hinzuzuziehenden Fachärzten keine Grundpauschalen abgerechnet werden können und einige wesentliche fachärztliche Leistungen nicht Bestandteil des ASV-Katalogs sind. Dies kann den Kollegen natürlich bei der Bitte um Teilnahme am ASV-Team nicht vorenthalten werden. 

Wir haben diesen erheblichen Schwachpunkt der ASV Rheumatologie erst nach Zulassung unseres Teams wahrgenommen und somit auch erst zu einem späteren Zeitpunkt kommuniziert. Bislang hat in unserem Fall jedoch noch kein Teammitglied deswegen das Team verlassen. 

Allerdings denke ich, dass es schwerfallen wird, Kollegen für die Teilnahme an einer Versorgungsstruktur zu gewinnen, bei der diese für die Beantwortung von in der Regel komplexen Fragestellungen nicht einmal ihre Grundpauschalen vergütet bekommen. Diesbezüglich hoffen wir auf das Einwirken des BDRh und des ASV-Bundesverbandes. Dass der G-BA auf entsprechende Anregungen aus unseren Reihen reagiert, ist daran zu erkennen, dass aktuell z. B. weitere neurologische Leistungen in den ASV-Leistungskatalog aufgenommen werden.  

Wie weit sind Sie in der Umsetzung der ASV?

Dr. Weier: Wir haben vom ELA Ende Oktober 2018 die Berechtigung zur Behandlung in unserem ASV-Team erteilt bekommen. Unsere Teamnummer wurde uns im folgenden Monat von der ASV-Servicestelle zugeteilt.

Was raten Sie Ihren rheumatologischen Kollegen? Teilnehmen?

Dr. Köhler: Ein verlässliches Resümee zu ziehen, wäre an der Stelle, an der wir uns befinden noch zu früh. 

Wir sammeln gerade erste Erfahrungen und bewegen uns mit dem Gefühl voran, möglicherweise vor uns liegende Fallstricke noch nicht entdeckt zu haben. Die Vorteile der ASV scheinen vielversprechend und allein das kollegiale Zusammenrücken im Team sollte ein motivierender Impetus sein. 

Vielfach hört man Aufrufe von Kollegen, die ein verheißungsvolles Bild der ASV zeichnen. Es bleiben jedoch Fragen offen, die eine gewisse Skepsis nicht gänzlich ersticken: Wird es seitens der Krankenkassen Einzelfallprüfungen hinsichtlich der Indikation zur ASV-Behandlung geben? Wie wird ein eventuell später definierter ASV-Vergütungskatalog aussehen? Was passiert, wenn das ASV-Team bzw. die gesamte ASV-Struktur nicht mehr besteht mit den Fallzahlen bzw. Regelleistungsvolumina? 

Dennoch bringt die ASV viele Vorteile mit sich, die nicht ungenutzt bleiben sollten. Zudem lässt sich durch eine Teilnahme an der ASV ein negativer Effekt der Bereinigung auf die vertragsärztliche Vergütung ausgleichen. Also teilnehmen!

Wir danken Ihnen für das Gespräch!

 

Rheumazentrum Ratingen
RHEUMATOLOGISCHE GEMEINSCHAFTSPRAXIS

Die BAG Rheumazentrum Ratingen befindet sich in der Nähe der Ratinger Innenstadt. Ursprünglich ging diese aus der Ambulanz der Ratinger Rheumaklinik (damals Evangelisches Fachkrankenhaus Ratingen) hervor, die 2009 in eine Praxis umgewandelt wurde. 2017 zog die Praxis in neue Räumlichkeiten außerhalb der Klinik.

Im Rheumazentrum Ratingen arbeiten drei Vertragsärzte (Wassenberg, Weier, Köhler) und behandeln dabei alle rheumatologischen Krankheitsbilder.

Hierbei verfügt das Rheumazentrum über ein Labor, einen Infusionsbereich, eine digitalisierte Röntgenanlage, ein Ultraschall- und Rheumascangerät etc. Ferner gehört zum Rheumazentrum eine Studienambulanz, in der Patienten hauptsächlich in Phase-III- und IV-Studien behandelt werden.


Dr. med. Siegfried Wassenberg
Arzt für Innere Medizin – Rheumatologie
Physikalische Therapie und Balneologie
Rehabilitationswesen


Dr. med. Ralf Weier
Arzt für Innere Medizin – Rheumatologie
Physikalische Therapie

 

Dr. med. Benjamin Peter Köhler
Arzt für Innere Medizin - Rheumatologie
Calor-Emag-Str. 3, 40878 Ratingen
Tel. 02102/5533777
Fax 02102/5533766

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