ASV RHEUMATOLOGIE

Ein Zwischenruf! ASV lebt!

Dr. med. Gerhard Fliedner

Dr. med. Gerhard Fliedner

Mein Versuch einer Darstellung der Gründe für die Gründung eines Teams ASV-Rheumatologie – meine Erfahrung.

Die ASV-Rheumatologie ist inzwischen in aller Munde. Und man hört in der Tat viel Unterschiedliches, viel Abwiegelndes, wenig Motivierendes, manches Frustrierende, woran vor allem die Bürokratie-Hürden schuld sein dürften.

Auf der anderen Seite spürt man, dass wohl etwas Besonderes geschehen sein muss, dass eine so kleine internistische Fachgruppe, wie unsere Rheumatologie sie darstellt, plötzlich, von der Politik verordnet, Freiräume bekommt, von denen wir vor 20 Jahren nicht einmal zu träumen wagten. Ich erinnere an die „Ära Andrea Fischer“ als grüne Bundesgesundheitsministerin, als manche von uns meinten, eine schleichende Enteignung vor sich zu sehen und unsere Berufsgruppe befürchtete, zu Grabe getragen zu werden, zumindest im niedergelassenen Sektor. 

Ich habe den Eindruck, dass jetzt eine beharrliche, unarrogante, sachorientierte, kluge und konsequente Arbeit in der Berufspolitik endlich Früchte trägt. Dies ist vor allem zu verdanken im niedergelassenen Sektor den Kollegen Thomas Karger sowie Edmund Edelmann, die sich über Jahrzehnte für unsere Belange eingesetzt haben, den Lobbyistinnen um Renate Schmidt und nicht zuletzt der guten wohlwollenden Kooperation mit etablierten Rheumazentren auf der Basis gegenseitigen Respekts bis hin zur Charité in Berlin (Institutionen, die uns häufig ausgebildet haben…). 

Es mag banal klingen, aber: Die Qualität unseres ärztlichen Handelns und die fachliche Kompetenz mit Nutzung von Algorithmen Evidenz-basierter Medizin zum Wohle betroffener Patienten zahlt sich aus. Dass sich hier unzweifelhaft auch die forschende pharmazeutische Industrie unterstützend hervorgetan hat, ist keine Schande. 

Stellen wir also unser „Licht nicht unter den Scheffel“, sondern fangen wir an, ein kompetentes Netzwerk zu etablieren, wie es uns durch die ASV-Rheumatologie ermöglicht wird. 

Die Schwierigkeiten sind überschaubar und nach meinem Dafürhalten eher temporärer Art.
 

1. Teambildung 

Es ist sicherlich nicht leicht, ca. 70 Kollegen, wie bei uns im Osnabrücker Raum, in ein Team einzubinden. Mancher fühlt sich im Ort übergangen, z. B. Kollegen aus der Gruppe der Fakultäten des Kernteams, ein anderer nicht genug oder nicht frühzeitig genug eingebunden oder durch die Bürokratie und damit den zeitlichen Aufwand des Projektes abgeschreckt. Ein weiterer befürchtet eine Überforderung seines Personals, sei es durch die tatsächliche oder auch nur vermutete Beanspruchung. 

Eine Teambildung braucht in der Tat Zeit, Beharrlichkeit und Geduld. Ich erinnere mich an manche Vormittage, an denen ich versuchte, zumindest fünf Kollegen telefonisch zu einer ersten Kontaktaufnahme zu erreichen. Von diesen sprach ich schließlich nur zwei, von den übrigen dreien war einer im Urlaub, einer stand im OP oder im Patientenkontakt und der dritte war „abgeriegelt“ durch eine konsequente medizinische Fachangestellte oder Sekretärin.  

Wenn häufig schon der erste Kontakt schwer herzustellen war, habe ich es andererseits als sehr hilfreich empfunden, gutes Info-Material zur Verfügung zu haben, wie es beispielsweise der Bundesverband ASV auf seiner Website anbietet (Dr. Munte/Sonja Froschauer). Die klare Gliederung und ansprechende, professionelle Grafik der Broschüre „ASV-Rheumatologie“ waren meist ein guter „Knotenlöser“. Diese Broschüre wurde an die angesprochenen Kollegen als Email-Anhang verschickt, sodass die andere Partei erkennen konnte, dass mehr als nur eine Absichtserklärung hinter der Kontaktaufnahme stand.

Die Krankenhäuser bzw. Krankenhausträger reagieren wohlwollend, zumindest in unserer Region, da sie Ihre Expertise öffentlichkeitswirksam verbessert sehen. Dabei haben wir als erstes Kontakt mit dem ärztlichen Direktor aufgenommen, da dieser der erste Ansprechpartner im Falle einer notfallmäßigen Inanspruchnahme des Krankenhauses sein wird (Stichwort: 24-Stunden-Bereitschaft). Verhandlungsgeschick ist sicherlich dort gefragt, wo ein Krankenhaus bereits in einer bestimmten Region einen Status als „rheumatologische 116b-Ambulanz“ innehat und jetzt Kompetenz teilen soll. 
 

2. Teamanzeige

Der erweiterte Landesausschuss (ELA) hat in völliger Verkennung der Anzahl der Kollegen, die an einem ASV-Team Rheumatologie teilnehmen können/werden, nur eine ausfüllbare PDF-Datei angeboten! Diese Vorlage beispielsweise in Niedersachsen empfinde ich als Zumutung, da in der Anwendung bzw. Praxis völlig ungenügend. Bei z. B. zehn Kollegen der Radiologischen Gemeinschaftspraxis vor Ort, die einzeln und namentlich in die entsprechende Spalte der hinzuzuziehenden Fachärzte eingetragen werden müssen, lässt sich nur ein Teil eintragen. Spätestens nach dem fünften Namen ist jede weitere Zeile nicht mehr ausreichend lesbar oder nur mit einer Lupe. Es erweitert sich nämlich nicht der Raum der Spalte, sondern die Schrift wird verkleinert. Hier hat man an offizieller Stelle den Bedarf völlig verkannt. Von vornherein wäre eine Excel-Datei hilfreich gewesen.

Wir in Osnabrück machen es nun so, dass wir bei großen Gemeinschaftspraxen von vornherein die Kollegen in einem beigefügten Anhang numerisch aufsteigend benennen und auf derselben Seite auch Platz lassen für ihre Unterschriften. Mit Bewilligung des so angezeigten Teams durch den ELA wird dann bei der ASV-Servicestelle eine 9-stellige-Teamnummer beantragt und ausgehändigt, die ein ASV-Team unverwechselbar definiert.
 

3. Kooperationsvereinbarung 

In manchen Bundesländern wird eine Kooperationsvereinbarung nicht verlangt. Wir in Niedersachsen benötigen eine solche. Ich empfehle auf jeden Fall, eine Kooperationsvereinbarung abzuschließen. Sie regelt das Miteinander, die Nachfolge der Partner und schließt die gegenseitige Haftung aus. Interessant ist, dass bei uns die Justiziarin eines Krankenhausträgers − als Arbeitgeber eines fachärztlichen Internisten − die Kooperationsvereinbarung als GbR-Vertrag ansah und somit wegen haftungsrechtlicher Probleme nicht akzeptieren konnte und wollte; wir haben uns deshalb für einen anderen Partner entscheiden müssen.
 

4. Abrechnung und EDV-Anbindung 

Grundlage der Abrechnung der ASV-Leistung ist die Anlage zur ASV-Richtlinie (Appendix). Sie klärt, welches ASV-Teammitglied welche Leistung abrechnen darf. Das zunächst Beruhigende ist, dass Abschnitt 1 des Appendix alle, d. h. dieselben Gebührenordnungspositionen (GOP) des EBM enthält, die wir in unserer jeweiligen Fachrichtung bisher auch für Diagnostik und Therapie eines Krankheitsbildes abrechnen konnten (einschließlich der Ziffern des O-III-Labors), allerdings unbudgetiert. In Abschnitt 2 des Appendix sind alle neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden erfasst (z. B. PET-CT), die noch nicht Bestandteil des EBM sind, aber angewendet werden dürfen. Sie werden vorübergehend nach der Gebührenordnung der Ärzte (GOÄ) vergütet. 

Ein grundsätzliches Problem jedoch, das tatsächlich noch nicht bundeseinheitlich gelöst werden konnte, wird die Anbindung der Praxis-Verwaltungssoftware (PVS) und Übermittlung der Abrechnungsdaten als Datensatz an den durch uns bestimmten Abrechnungsdienstleister sein. Zwar besteht bereits seit dem 1. Januar 2016 eine Verpflichtung der PVS-Hersteller (von denen es ca. 100 im Bundesgebiet gibt), die Eintragung der unverwechselbaren Teamnummer in die sog. Feldkennung der Abrechnung eintragen bzw. integrieren zu lassen, damit die gleichzeitig hinterlegten Leistungen (GOP) als ASV-Leistungen ersichtlich sind. Diese „Schnittstelle“ wird aber offenbar nicht von jedem PVS-Hersteller unentgeltlich freigeschaltet. Bei Medi-star beispielsweise reden wir derzeit von über € 800 pro erster(!) LANR und über € 400 bei jeder weiteren, bei anderen Häusern von über € 1.000. Diese Kosten einem Zuweisenden innerhalb eines ASV-Teams plausibel zu machen, der nur 1- oder vielleicht 2-mal pro Quartal zuweist, wird nicht gelingen. Hier besteht noch Handlungsbedarf!!

Wir haben uns im Übrigen − gegen Zahlung eines geringen Kostensatzes, der je nach KV um oder unter 2 % der Quartalsabrechnung liegt − für die Abrechnung über die KV Niedersachsen entschieden, um nicht mit der Krankenkasse jeden einzelnen Patienten separat verhandeln zu müssen. Bei Abrechnung über eine KV muss eine Abrechnungsvereinbarung abgeschlossen werden, was per Vollmacht der Teamleiter stellvertretend für das ASV-Team tun kann. Diese Vollmacht des Teamleiters wurde bei uns bereits in die Kooperationsvereinbarung aufgenommen.
 

Im Übrigen gilt für uns alle bei diesem innovativen Konzept: Learning by Doing!

Wir müssen uns als erstes hinsetzen und diejenigen Kollegen des Teams aufschreiben, die als Partner der verschiedenen Fakultäten in Frage kommen:

  • Telefonnummern und Email-Adressen der Praxen von den MFAs aufschreiben lassen und mit den Kollegen zunächst telefonischen Kontakt herstellen. Dabei reicht bei Gemeinschaftspraxen ein Partner, der als „Promoter“ fungiert. Bei Gemeinschaftspraxen, wenn möglich, alle Kollegen wegen der gegenseitigen Vertretung einbeziehen.
  • Kooperationsvertrag bzw. -vereinbarung besorgen und Teamanzeige herunterladen. Namen der Kollegen numerisch aufsteigend (Teamleiter mit Nummer 1) eintragen unter Kernteam bzw. hinzuzuziehende Fachärzte. Chefarzt des „24-Stunden-Bereitschafts-Krankenhauses“ ebenso einbeziehen wie den Geschäftsführer des Krankenhauses, der für die Institution die Unterschrift unter Anzeige bzw. Kooperationsvertrag setzen muss.

Kollegen! Wir haben das Glück, in einer Zeit zu leben − vielleicht kann man es auch ein Zeitfenster nennen − in der bzw. in dem wir als kleine fach-internistische Arztgruppe auf dem Gebiet der Rheumatologie eine hervorragende Anerkennung bzw.

Akzeptanz in Politik und im öffentlichen Ansehen haben. Der Gesetzgeber ermöglicht uns als einzelner Fakultät fast Pilotprojekt-artig ein Netzwerk zu bilden, dass trotz vieler Arbeit im Vorfeld für alle Beteiligten eine „Win-Win-Situation“ werden kann. 

Also fangen wir an!                
 

Dr. med. Gerhard Fliedner
rheumapraxis an der hase
Möserstraße 46
49074 Osnabrück