ASV RHEUMATISCHE ERKRANKUNGEN

Hemmnisse auf dem Weg zur Teambildung

Dr. med. Edmund Edelmann

Dr. med. Edmund Edelmann

Dr. med. Ludwig Kalthoff

Dr. med. Ludwig Kalthoff

Die Ambulante Spezialfachärztliche Versorgung (ASV) Rheumatische Erkrankungen, in Kraft getreten am 19. April 2018, kann als große Chance gesehen werden, in eine Versorgung ohne Budgetierung, ohne Fallzahlbegrenzung und ohne Gängelung durch Regularien der Honorarverteilungsmaßstäbe einzutreten.

Nachdem alle, die viele Jahre auf die ASV Rheuma gewartet haben, ab Ende April begannen, die Teambildung mit insgesamt 19 verschiedenen Fachgruppen zu starten, dürfte der eine oder andere auf bisher uns nicht oder nur unzureichend bekannte Limitierungen der ASV für diese Teammitglieder gestoßen sein. 
 

Einschränkung der Abrechnung von Grund- und fachspezifischen 
Zusatzpauschalen

Während die gemeinsamen Initiativen von BDRh und VRA dazu geführt haben, dass wir in der Rheumatologie alle relevanten Leistungen auch in der ASV abrechnen können, ist dies für alle anderen Fachgruppen, auch in anderen ASV-Anlagen, also z. B. für die ASV Gastroenterologische Tumoren etc., nicht der Fall. 

Den Hinzuzuziehenden Ärzten wurde ausnahmslos die Grundpauschale gestrichen, in manchen Fachgruppen, die höchst dotierte Leistung, die vor allem bei jedem Patienten sonst gegenüber der KV abgerechnet wird. Bei allen Fachgruppen erfolgte ein medizinisch nicht nachvollziehbares Streichkonzert der fachspezifischen Zusatzpauschalen (analog der GOP 13700 und 13701). Bei den Nephrologen, die im Kernteam sind, wurden z. B. alle fachspezifischen Pauschalen gestrichen, z. B. auch die Pauschale zur Versorgung von Patienten mit Niereninsuffizienz. Bei den Kardiologen, die als Hinzuzuziehende Ärzte in der ASV Rheuma definiert wurden, die weitaus überwiegende Zahl der fachspezifischen Pauschalen. 

Die Forderungen des BDRh, die bereits bei der KBV, dem G-BA und dem BMG eingebracht wurden sind, dass alle Teammitglieder sowohl die Grundpauschalen als auch die fachspezifischen Pauschalen ohne Einschränkung abrechnen dürfen. Wenn nicht in der ASV als qualitätsorientierte sektorenübergreifende, kooperative Versorgung, wo denn sonst sollten alle für die Versorgung unsere Patienten erforderlichen Leistungen abrechenbar sein? 

Eine Berücksichtigung dieser medizinisch in jeder Hinsicht berechtigten Forderung, würde die sich über Jahre für eine einzige Anlage hinziehende Tätigkeit des Unterausschusses ASV im G-BA massiv beschleunigen. Bisherige fachfremde Diskussionen über jede einzelne ASV-Leistung, würden ganz einfach entfallen und der Weg wäre frei, ASV-Anlage für ASV-Anlage innerhalb weniger Wochen zu verabschieden.
 

Hohe Kosten der Freischaltung der ASV-Teamnummer auf den Abrechnungs- und Verordnungsformularen

Leider haben verschiedene PVS-Hersteller die ASV als neue Verdienstquelle entdeckt. Für die einfache Platzierung der Teamnummer auf der KV-Abrechnung oder einem Rezept, werden Beträge zwischen 500 und 1.000 € pro an der ASV teilnehmendem Arzt (mit Lebenslanger Arztnummer, LANR) in Rechnung gestellt. Für an der ASV teilnehmende internistische Rheumatologen ist dies ärgerlich, aber kein Hindernisgrund für eine Teilnahme.  

Für alle anderen Teammitglieder, die natürlich für sich beanspruchen sollten, bei Mitgliedschaft dann auch in der ASV ohne Budget abzurechnen und ohne Richtgrößenprüfung zu verordnen, ist dies ein echtes Hemmnis. Es ist sicher zu prüfen, und wir hoffen hier auf die Unterstützung der Selbstverwaltung, ob die 
o. g. Rechnungshöhe angemessen ist. 

Unbenommen davon fordern wir, dass künftig in der ASV-Vergütung der organisatorische und finanzielle Aufwand der Teambildung und der Teamkoordination abgebildet sein muss.  

Dies ist bisher nicht der Fall. Über eine entsprechende Zusatzhonorierung ließen sich u. a. auch die Kosten für die Implementation und Aktualisierung der ASV-Abrechnungssoftware abbilden.
 

Hoher bürokratischer Aufwand der Team-anmeldung beim ELA 

Seit Inkrafttreten der ersten Anlage zur ASV ist der hohe bürokratische Aufwand bei der Anmeldung der Teammitglieder durch die Teamleitung beim jeweiligen Erweiterten Landesauschuss (ELA) ein bei jeder Anlage wiederkehrendes Thema. Man fühlt sich weit in das letzte Jahrhundert zurückversetzt, wenn jede bei der KV bekannte Zulassung einzelner ärztlicher Tätigkeitsbereiche, jedes Facharztzeugnis als Kopie in Papierform eingereicht werden muss.  

Diese Unterlagen sind für jedes Teammitglied, in endlosen Listen bei in der Regel ca. 70 Teammitgliedern, auch noch schriftlich aufgeführt, beim ELA einzureichen. 

Wir fordern eine einfache elektronische Antragsstellung und einen direkten Datentransfer der erforderlichen Unterlagen von der jeweiligen Kassenärztlichen Vereinigung an den ELA. 

Die Umsetzung dieser dritten Forderung ist Aufgabe der Selbstverwaltung aus GKV-Spitzenverband und KBV. Sollte diese Umsetzung in unserem föderalen Gesundheitswesen auf rechtliche Grenzen stoßen, ist eine geeignete politische oder auch gesetzgeberische Unterstützung einzufordern. 

Als BDRh sind wir dabei, mit Unterstützung und im Schulterschluss mit dem Bundesverband ASV (BV-ASV) sowie dem VRA und der DGRh, diese Forderungen in den jeweiligen Organisationen, in erster Linie der KBV, dem G-BA, und im Bundesministerium für Gesundheit zu platzieren. 

Von schnellen Ergebnissen ist bei den Forderungen 1 und 2 nicht auszugehen. Die erforderlichen Beschlüsse im G-BA sind nur mehrheitlich und nur in relativ großen zeitlichen Abständen möglich. Sie benötigen vor Inkrafttreten ein jeweils 2 Monate dauerndes Stellungnahme-Verfahren. Forderung 3 stellt einen Eingriff in die föderale Struktur dar und dürfte nur mit breiter politischer Unterstützung zu realisieren sein.  

Die Einschränkung der Abrechnung für Teammitglieder, die hohen Kosten für die ASV-Abrechnung und der überbordende bürokratische Aufwand bei der Anmeldung zur ASV stellen zum Teil bisher nicht erwartete und uns unbekannte Hemmnisse auf dem Weg in die ASV dar. Die Chancen für die Rheumaversorgung in der ASV überwiegen jedoch diese Nachteile. Diese Überzeugung wird von der DGRh und den beiden berufspolitischen Organisationen der Rheumatologen geteilt. 

Wir sind gemeinsam unterwegs, diese Hemmnisse zu überwinden. Für uns alle, für eine bessere Rheumaversorgung!
 

Dr. med. Edmund Edelmann &
Dr. med. Ludwig Kalthoff