UMSTELLUNG AUF BIOSIMILARS

Mit positiver Haltung können Rheumatologen Nocebo-Effekte vermeiden

Abb.: Positive Kommunikation erhöht die Bereitschaft zum Wechsel auf ein Biosimilar

Abb.: Positive Kommunikation erhöht die Bereitschaft zum Wechsel auf ein Biosimilar

Biosimilars gestatten es, als preiswerte, aber vergleichbar wirksame und sichere Alternative zu Original-Biologika mehr Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen den Zugang zu einer effektiven Biologika-Therapie zu ermöglichen. Mögliche Probleme beim Wechsel auf oder der Neuverordnung von Biosimilars, die kurz- wie langfristig die Adhärenz gefährden, sind meistens einem Nocebo-Effekt zuzuschreiben. Dem können Rheumatologen im Praxisalltag mit einer geeigneten, positiven Ansprache entgegenwirken, wie eine aktuelle Studie von Keith J. Petrie, Auckland (Neuseeland), unter Beweis stellt.

In aller Regel deuten entsprechende Langzeitbeobachtungen nach dem Wechsel von einem Original-Biologikum auf ein Biosimilar inzwischen auf eine insgesamt recht gute Adhärenz hin, wobei diese jedoch in verschiedenen Studien erheblich variieren kann. Das Problem des Nocebo-Effekts gerade beim Switch auf ein Biosimilar wurde bereits in diversen Reviews erörtert. Eine Rolle spielen hierbei vor allem Informationsdefizite auf Patientenseite, was zu einer Verunsicherung im Hinblick auf die Gleichwertigkeit von Biosimilars und Originalpräparaten führt. Folge ist, dass vermeintliche Unverträglichkeiten oder eine schwächere oder sogar fehlende Wirksamkeit aufgrund der niedrigeren Therapiekosten vermutet werden. Auf Seite der Ärzte sind diese Bedenken zwar ausgeräumt, jedoch bestehen Defizite dahingehend, solche Befürchtungen ausreichend zu verstreuen.
 

Körpersprache und Argumente müssen stimmen

Um Nocebo-Effekte zu vermeiden, ist daher eine intensive Kommunikation mit den Patienten erforderlich. Dabei muss der Rheumatologe auf die Fragen und Befürchtungen des Patienten eingehen mit dem Ziel, ein uneingeschränktes Vertrauen in das Biosimilar zu vermitteln. Dies erfordert jedoch eine professionelle Gesprächsführung, die Patienten das Gefühl gibt, eine gleichwertige Therapie zu erhalten. Nur wenn das gelingt, sind eine gute Adhärenz und eine empfundene gute Wirksamkeit garantiert. Insbesondere gilt es, den Patienten das Prinzip der Biosimilarität mit in Studien bewiesener gleich guter Wirksamkeit und Sicherheit zu erläutern. 

Dass eine positive Ausstrahlung und Überzeugungskraft im Aufklärungsgespräch eine ganz wesentliche Rolle spielen, weist jetzt eine aktuelle interdisziplinäre Studie unter Beteiligung von Rheumatologen, Psychologen und Verhaltensmedizinern nach. Hierin wurde bei 96 auf ein Original-Biologikum eingestellten Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen untersucht, inwiefern positiv oder negativ vorgetragene Erklärungsansätze deren Bereitschaft beeinflusst, einem hypothetischen Biosimilar-Switch zuzustimmen. Die Patienten wurden auf vier Gruppen (je n=24) randomisiert. Alle erhielten ihre Aufklärung über ein ca. 2-minütiges Video auf einem Tablet-PC mit Basisinformationen durch einen Arzt, gefolgt von einem positiven Framing (Betonung der Ähnlichkeiten von Biosimilar und Original, eine positive Körpersprache des Arztes, Lächeln) mit oder ohne zusätzliche Analogien (Vergleich Hefe und Brotbacken) oder einem negativen Framing (mit Betonung der Unterschiede, in wenig überzeugtem Tonfall vorgetragen, eher negative Körpersprache) mit und ohne Analogien. 

Im Anschluss an die Aufklärung waren die Patienten in der Gruppe mit positivem Framing häufiger zu einem Wechsel bereit (67 vs. 46 %). Das Framing prädizierte signifikant die Bereitschaft zum Wechsel auf ein Biosimilar, so waren Patienten aus der Gruppe mit positivem Framing 2,36-mal häufiger mit einem Switch einverstanden (p=0,041). Diese Gruppe berichtete zugleich über eine signifikant höher wahrgenommene Effektivität von Biosimilars (p=0,046) und fand die dargebrachte Erklärung überzeugender (p=0,030). Die eingesetzten Analogien erhöhten dabei weder die Bereitschaft zu einem Wechsel noch das Verständnis. Ärzte können über die Wahl ihrer Argumentation als auch die Körpersprache somit ganz wesentlichen Einfluss auf die künftige Adhärenz ihrer Patienten ausüben – dies gilt sicherlich auch jenseits der Verordnung von Biosimilars.

Quelle: Arthritis Care Res 2019; doi: 10.1002/acr.24012