RheMIT

Neue digitale Dokumentationsplattform in der Rheumatologie

RheMIT – Neue digitale Dokumentationsplattform in der Rheumatologie
RheMIT – Neue digitale Dokumentationsplattform in der Rheumatologie

Beim Thema Digitalisierung kommen bei vielen Lesern wahrscheinlich sehr gemischte Gefühle auf. Zu den wesentlichen Enttäuschungen dürften die schon so oft versprochene Vereinfachung der täglichen Arbeit sowie die Ressourceneinsparung und die nicht selten am Bedarf vorbei entwickelte Eingabeoberfläche gehören. Jedem von uns ist aber klar, dass es ohne Digitalisierung nicht mehr geht und mit der Digitalisierung aber auch Chancen verbunden sind.

Mit der digitalen Dokumentationsplattform RheMIT gehen wir das Thema in einer aus Sicht der Autoren bislang einzigartigen Art und Weise an: Im direkten Gespräch und intensivem, fortlaufendem Austausch mit dem Softwarehaus (www.itc-ms.de, Michael Schumann) wurde RheMIT nach unseren Bedürfnissen als Rheumatologen entwickelt. Die Basis bildete die Dokumentationssoftware EMIL®, die seit weit mehr als 15 Jahren im Einsatz ist und im Wesentlichen in der Rheumatologie des Universitätsklinikums Würzburg und im MVZ MED|BAYERN OST in Burghausen seinen Zuschnitt auf die Rheumatologie erfahren hat.

In der Vollversion stellt RheMITplus aktuell eine digitale Akte für die komplette Abwicklung der ambulanten Routine inklusive Scan- und Bilderarchiv, Dokumentengenerierung und Interoperabilität (alle gängigen Schnittstellen werden bedient) dar. Darüber hinaus bietet RheMITplus aufgrund der Datendictionary-Struktur die Möglichkeit, die Oberfläche in einer nie dagewesenen Art und Weise nach den eigenen Bedürfnissen als Administrator vor Ort ohne Softwaresupport anzupassen (Parametrisierbarkeit) und die Datenbank mittels selbst beliebig generierten Abfragen zu analysieren – sei es für die eigene Praxisstatistik oder wissenschaftliche Fragestellungen. RheMITplus unterstützt Sie bei der Planung von Arbeitsabläufen und verfügt über eine integrierte Textverarbeitung mit elektronischem Workflow, Scanner- und Sonogeräteanbindung, Fotoverwaltung, Kalender, Berichtemodul und erweiterten Funktionen für klinische Studien. Die Datenerfassung erfolgt hierbei auf Basis einer intuitiv aufgebauten, selbsterklärenden Eingabeoberfläche. Dies sollte von Anfang an zu einer hohen Akzeptanz bei ärztlichen und nicht-ärztlichen Kollegen bzw. Mitarbeitern führen. Daten werden einmalig erfasst und stehen für alle weiteren Prozesse zur Verfügung: einmal dokumentiert – vielfach verwendet.

In einem ersten Schritt wurde die Oberfläche von EMIL® für die Dokumentation von Patienten in Selektivverträgen weiterentwickelt. Sofern Patienten in einem Selektivvertrag dokumentiert werden, bietet RheMIT automatisch die zugehörigen Felder in der Verlaufsspalte an, prüft auf Vollständigkeit bis hin zur Generierung der für den Export oder die Leistungsabrechnung erforderlichen Dokumente. Diese Version soll ab Ende Dezember 2019 zur Verfügung stehen und wird für Mitglieder des BDRh kostenlos sein. In dieser Version wird RheMIT die Dokumentation und Datenlieferung im Rahmen der Versorgungsverträge des BDRh ermöglichen:

  • RheumaOne (ehemals TK-BDRh-Arzneimittelvertrag und Besondere Versorgung Rheuma)
  • Vertrag zur Integrierten Versorgung Rheuma mit der BARMER
  • Vertrag zur Besonderen Versorgung Rheuma mit spectrumK
  • VERhO – Versorgung von Menschen mit Rheuma optimieren
  • PETRA
  • Rheumavertrag zwischen der BARMER und der KV Bayern.

In diesem Zusammenhang wird es möglich sein, Bestandsdaten aus RheumaDok und im Verlauf auch aus Documed zu importieren. Mitte 2020 wird dann die Vollversion RheMITplus im Sinne einer kompletten digitalen Akte zur Verfügung stehen. Es werden alle gängigen Schnittstellen (HL7, LDT, SonoGDT etc.) verfügbar sein. Auch soll ein rein browserbasierter Zugriff auf RheMIT ohne lokale Installation möglich sein, sodass auch Kliniken, deren EDV bisher lokale Installationen abgelehnt hat, RheMIT nutzen können.

RheMIT soll alle Versorger und Akteure der Deutschen Rheumatologie an einen Tisch bringen und die Bedürfnisse einer gemeinsamen Dokumentationsplattform direkt mit dem Softwareentwickler abstimmen: von der Einzelpraxis über MVZ- Strukturen, Hochschulambulanzen, Studienzentren bis hin zum stationären Versorger und der Dokumentation u. a. von RABBIT des Deutschen Rheumaforschungszentrums. Insofern war es nur konsequent, RheMIT von Beginn an als nationales Projekt der deutschen Rheumatologie aufzustellen und unter Federführung des BDRh, der DGRh, des DRFZ und des VRA in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe zusammenzuführen. RheMIT wird in den nächsten Jahren modular um die jeweils angestrebten Funktionen der Beteiligten erweitert werden. Am Ende soll eine gemeinsame IT-Plattform für die deutsche Rheumatologie stehen. Aus Sicht der Autoren eine einmalige Chance!

Der Übergang von RheumaDok und anderen Dokumentationssystemen auf RheMIT

Die in den bisherigen gängigen Dokumentationssystemen gespeicherten Daten werden mittels Datenübertragung durch angepasste Schnittstellen möglich sein. Dies wird ab März 2020 möglich sein. Bis dahin kann die bisherige Dokumentationsplattform genutzt werden (siehe auch Seite 24).

Neues Medizinproduktegesetz 2020, Datenschutz

Ab Mai 2020 gelten die Bestimmungen des neuen Medizinproduktegesetzes. Hierfür sind teilweise Anpassungen der entsprechend eingesetzten Software notwendig. Diese Vorgaben werden bei der Entwicklung von RheMIT und RheMITplus bereits berücksichtigt und an dem langwierigen Prozess der Zertifizierung als Medizinprodukt wird parallel gearbeitet.

Dem geforderten Datenschutz wird im Rahmen der Entwicklung entsprochen. Auch neuere Anforderungen wie, dass Patienten einen Ausdruck der Datendokumentation erhalten können müssen, werden umgesetzt und erleichtern das Erfüllen der Vorgaben. Die Datenablage erfolgt verschlüsselt und am Standort (Server) des Nutzers, sodass diesbezüglich keine neuen Aspekte des Datenschutzes berücksichtigt werden müssen.

Ab Mai 2020 gelten die Bestimmungen des neuen Medizinproduktegesetzes. Hierfür sind teilweise Anpassungen der entsprechend eingesetzten Software notwendig. Diese Vorgaben werden in RheMIT und RheMITplus berücksichtigt und perspektivisch umgesetzt.

Umsetzung in den Alltag – Informationsveranstaltungen

Organisiert durch die BDRh Service GmbH werden Informationsveranstaltungen zur neuen Software durchgeführt. Hierdurch soll die Umsetzung der neuen Plattform unterstützt und Informationsbedarf gestillt werden. Wir bitten hierzu, die Rundschreiben des BDRh zu beachten.

PD Dr. med. Martin Feuchtenberger
Krankenhausstr. 1, 84889 Burghausen

Dr. med. Martin Welcker
Bahnhofstraße 32, 82152 Planegg
Vorstandsmitglied BDRh e. V.

Keyfacts: Die technische Plattform von RheMIT

  • RheMIT basiert auf einem dreischichtigen Modell: Datenbankserver, Applikationsserver auf dem Praxisserver und Rich-Client auf dem Arbeitsplatz. Diese Architektur ermöglicht eine sehr hohe Betriebssicherheit.
  • Der Datenbankserver sorgt für logische Datenkonsistenz (z. B. Einhaltung der Verknüpfungen Patient-Visit-Item durch Fremschlüssel, AuditTrail mit Triggern).
  • Der Anwendungsserver sorgt für die inhaltliche Datenkonsistenz (z. B. nachträglich eingetragener CRP sorgt automatisch für eine Neuberechnung von DAS28 etc.).
  • Der Rich-Client sorgt für eine verlässliche, definierte Betriebsumgebung und kommuniziert nur bei Bedarf mit dem Server.
  • Die gesamte Datenkommunikation zwischen Client und Server läuft per SSL vollverschlüsselt ab.
  • Diese Architektur erlaubt das Einspielen von Aktualisierungen, die automatisch auf die Arbeitsplätze verteilt werden ohne erforderliches Wartungsfenster und Abmelden der Benutzer.
  • RheMIT verfügt über eine intuitive Benutzeroberfläche ohne tief verschachtelte Dialoge, die Dokumentation erfolgt in einer Art Spreadsheet (analog zu Excel) und dennoch sind alle Daten voll strukturiert abgelegt.
  • Die Verbindung von schneller Eingabe und hoher Datensicherheit wird durch den RHeMIT zu Grunde liegenden Datendictionary ermöglicht.