RÜCKBLICK AUF DEN EULAR 2019 IN MADRID

Neue Leitlinien und Phase-III-Studien im Fokus

Prof. Dr. Gerd Rüdiger Burmester

Prof. Dr. Gerd Rüdiger Burmester

Vom 12. bis 15. Juni 2018 trafen sich im IFEMA-Kongresszentrum in Madrid rund 14.500 Teilnehmer aus über 130 Ländern zur 20. Jahrestagung der European League Against Rheumatism (EULAR) – diesmal gemeinsam mit der Paediatric Rheumatology European Society (PReS) abgehalten. Auf dem EULAR präsentiert wurden mehr als 350 Abstracts als Kurzvorträge und 2.226 Poster. Mit über 125 wissenschaftlichen Sitzungen und 36 geführten Posterführungen, auf denen 425 Poster vorgestellt wurden, kann der diesjährige EULAR-Kongress erneut als ein großer Erfolg für die europäische Rheumatologie verbucht werden. Erstmals gab es eine eigenständige, gut besuchte Late breaking Abstracts-Session. Ein weiteres Highlight waren zahlreiche neue Leitlinien.

Zum guten Gelingen des Kongresses trugen natürlich auch in diesem Jahr wieder die unter dem Dach der EULAR befindliche europäische Patientenorganisation „People with Arthritis and Rheumatism in Europe“ (PARE) und der Zusammenschluss rheumatologischen Fachassistenzpersonals, die „Health Professionals in Rheumatology“ (HPR), bei. 

Thematisch adressiert wurden neben der Grundlagen- und klinischen Forschung in der Rheumatologie auch die Immunologie, Osteologie und überschneidende internistische Fachgebiete, was den Kongress gleichermaßen für Rheumatologen, Forscher und Ärzte der Primärversorgung attraktiv gestaltete. Einen guten Überblick zu den neuen diagnostischen und therapeutischen Entwicklungen boten die sehr gut nachgefragten Clinical Science und Abstract Sessions sowie die bewährten HOT („How to Treat“)- und WIN („What Is New“)-Sessions. 

Ein klarer Schwerpunkt lag auf neuen EULAR-Leitlinien. Noch nicht abschließend konsentiert sind jene zum Management der rheumatoiden Arthritis (RA) und Psoriasis-Arthritis (PsA), von denen vor allem letztere größere Veränderungen bereithalten wird. Bereits publiziert sind die aktualisierten Empfehlungen zum systemischen Lupus erythematodes (SLE) sowie zum Antiphospholipidsyndrom, angenommen zur Publikation sind jene zu Großgefäßvaskulitiden, also der Riesenzell- und Takayasu-Arteriitis. Weitgehend fertiggestellt sind auch neue Leitlinien zum primären Sjögren-Syndrom – allesamt präsentiert auf einer eigenen, sehr gut besuchten Session. Hinzu kommen EULAR-Empfehlungen zum Management von Checkpoint-Inhibitor-assoziierten rheumatischen Beschwerden sowie der interstitiellen Lungenerkrankung (ILD) bei systemischer Sklerose (SSc).  

Letzteren kommt besondere Bedeutung zu, nachdem mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor Nintedanib infolge der positiven Ergebnisse der Phase-III-Studie SENSCIS voraussichtlich bald erstmals ein zugelassenes Medikament zum Erhalt der Lungenfunktion bei SSc-ILD zur Verfügung stehen wird. Bei der RA standen wieder primär die JAK-Inhibitoren im Fokus, so vor allem die Phase-III-Studien FINCH-1 und -3 zu dem JAK-1-Hemmer Filgotinib, aber auch weitere Daten zu Upadacitinib aus SELECT-COMPARE oder Tofacitinib aus ORAL Shift. Aber auch zu TNFα-Inhibitoren, Tocilizumab, Rituximab und Abatacept gab es neue Aspekte sowie eine interessante Pilotstudie zur Vagusnervstimulation bei therapierefraktärer RA. 

Viel beachtet wurde die Head-to-head-Studie SPIRIT-H2H, die in vielen Endpunkten, so im kombinierten ACR50/PASI 100-Ansprechen, bei PsA signifikante Vorteile für den IL-17A-Inhibitor Ixekizumab gegenüber Adalimumab auswies. Zu dem IL-23-Hemmer Tildrakizumab wurden positive Ergebnisse einer Phase-II-Studie präsentiert. Bei axialer PsA lieferte die IL-17-Hemmung in Form von Secukinumab in der MAXIMISE-Studie einen Wirksamkeitsnachweis. In Sachen neuer Therapien etwas hinterher hinkt die axiale Spondyloarthritis, wo insbesondere neue Daten aus der Bildgebung zur Frühdiagnostik im Vordergrund standen. Spannende neue Erkenntnisse wurden zudem aus der Kinderrheumatologie berichtet. Breiten Raum nahmen auch die Biosimilars ein.

Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass die Rheumatologie uneingeschränkt eines der spannendsten Medizinfelder ist. Auf ein Wiedersehen beim nächsten EULAR-Kongress, der als „Heimspiel“ vom 3.-6. Juni 2020 in Frankfurt/M. ansteht! 
 

Prof. Dr. med. Gerd Rüdiger Burmester
Charité – Universitätsmedizin Berlin,
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie
und Klinische Immunologie, Charitéplatz 1, 10117 Berlin