Neuigkeiten aus der Rheumatologie im Zeichen von COVID-19 

Prof. Dr. Gerd Rüdiger Burmester

Prof. Dr. Gerd Rüdiger Burmester

Viele deutsche Rheumatologen hatten sich 2020 sicher (nach zuletzt Berlin) auf den Kongress der European League Against Rheumatism (EULAR) 2020 in Frankfurt/M. und damit vor der eigenen Haustür gefreut, doch es sollte Corona-bedingt nicht sein. Angesichts der widrigen Umstände darf die 21. EULAR Jahrestagung als reine Online-Veranstaltung mit 3.685 Abstracts (darunter drei „Late-breaker“ und sechs zu COVID-19) und Postern auf 262 wissenschaftlichen Sessions dennoch als großer Erfolg verbucht werden, auch wenn es zu Stoßzeiten mitunter zu Verzögerungen kam. Eine finale Bewertung ist zwar erst im September möglich, doch war der Zuspruch bislang enorm. 

Zum guten Gelingen des Kongresses trugen natürlich auch in diesem Jahr die unter dem Dach der EULAR befindliche europäische Patientenorganisation „People with Arthritis and Rheumatism in Europe“ (PARE) und der Zusammenschluss des rheumatologischen Fachassistenzpersonals, die „Health Professionals in Rheumatology“ (HPR), bei. Die ERFASS-Studie bestätigte die große Relevanz der Rheumatologischen Fachassistenz (RFA) in Deutschland für die Patientenversorgung. Ein Schwerpunkt in diesem Jahr waren mehrere Sessions zu COVID-19 mit Erstpräsentation der EULAR-Empfehlungen, Daten aus dem deutschen, europäischen und weltweiten Register und ersten Bewertung antirheumatischer Therapien in diesem Kontext. Ein weiterer Schwerpunkt war, wie sich künstliche Intelligenz in der Diagnostik und Therapie entzündlich-rheumatischer Erkrankungen nutzen lässt. 

Thematisch adressiert wurden neben der Grundlagen- und klinischen Forschung in der Rheumatologie wie üblich auch die Immunologie, Osteologie und andere internistische Fachgebiete. Einen guten Überblick zu den neuen diagnostischen und therapeutischen Entwicklungen boten die gewohnten Clinical und Abstract Sessions sowie die bewährten HOT („How to Treat“)- und WIN („What Is New“)-Sessions. Ein Highlight waren die neuen EULAR-Leitlinien zur rheumatoiden Arthritis (RA) und Psoriasis-Arthritis (PsA), die ebenso wie jene zum Umgang mit Checkpoint-Inhibitor-assoziierten rheumatischen Beschwerden kurz zuvor publiziert wurden. Neue Daten gab es zu interstitiellen Lungenerkrankungen (ILDs), wo Nintedanib jenseits der systemischen Sklerose auch bei rheumatoider Arthritis (RA) den Erhalt der Lungenfunktion unterstützt. Anders als bisher vermutet, scheint Methotrexat in diesem Zusammenhang kein Risiko darzustellen. Ebenso wie für das Risiko für venöse Thromboembolien (VTE) gilt, dass eine konsequente Reduktion der Krankheitsaktivität entscheidend ist, TNFα-Inhibitoren scheinen das VTE-Risiko zu senken. 

Bei der RA standen wieder primär die JAK-Inhibitoren im Fokus, so vor allem mit SELECT-CHOICE eine weitere Phase-III-Studie, die (nach SELECT-COMPARE vs. Adalimumab) eine Überlegenheit von Upadacitinib gegenüber Abatacept (nach Versagen mindestens eines bDMARDs) bei allerdings numerisch vermehrten „Adverse Events“ demonstrierte. Des Weiteren wurden mehrere Strategiestudien (NORD-STAR etc.) vorgestellt. Zur axialen Spondyloarthritis wurden erstmals Ergebnisse einer großen Treat-to-target-Studie (TICOSPA) präsentiert. Ein Highlight in puncto Psoriasis-Arthritis waren zwei positive Phase-III-Studien zu Upadacitinib (SELECT-PsA-1 und -2) nach csDMARD- bzw. bDMARD-Versagen, sowie mit EXCEED die nach SPIRIT-H2H zweite Head-to-head-Studie zwischen einem IL-17A- und TNFα-Inhibitor in dieser Indikation. Auf großes Interesse stießen zwei positive Phase-III-Studien zu Voclosporin (AURORA) und Belimumab (BLISS-LN) bei Lupusnephritis sowie eine dritte zu Avacopan (ADVOCATE) bei ANCA-assoziierten Vaskulitiden. 

Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass die Rheumatologie uneingeschränkt eines der spannendsten Medizinfelder ist. Auf ein Wiedersehen beim nächsten EULAR-Kongress, der – hoffentlich wieder als Präsenzveranstaltung – vom 2.-5. Juni 2021 in Paris ansteht! 
 

Prof. Dr. med. Gerd Rüdiger Burmester
Charité – Universitätsmedizin Berlin,
Medizinische Klinik mit Schwerpunkt Rheumatologie
und Klinische Immunologie,
Charitéplatz 1, 10117 Berlin