VERHO-PROJEKT

Rheuma-Therapie im Dialog

Dr. med. Thomas N. Abahji

Dr. med. Thomas N. Abahji

In einem bisher einmaligen Versorgungsprojekt sollen verschiedene Arten der Deeskalation von Biologika bei rheumatoider Arthritis (RA) untersucht und mit einer Kontrollgruppe ohne Deeskalation verglichen werden. VERhO ist keine randomisierte Studie, sondern ein vom Innovationsfonds gefördertes Versorgungsprojekt.

Gemäß dem Motto des Projekts „Rheuma-Therapie im Dialog“, gemeint Arzt-Patient-Dialog, wird ein Dialog von Arzt zu Arzt initiiert, das heißt, Rheumatologen geben vor oder nach ihrer Einschreibung in das VERhO-Projekt ihre Erfahrungen an ihre Kolleginnen und Kollegen weiter.

Dr. med. Thomas N. Abahji ist niedergelassener Rheumatologe in Germering bei München, führt seine rheumatologische Fachpraxis seit 2013. Seine wissenschaftliche „Begierde“ führt ihn natürlich auf viele Kongresse, aber auch zu Initiativen wie z. B. zu VERhO, weil er neben seinem normalen ärztlichen Handeln zur weiteren Verbesserung der Patientenversorgung beitragen will. Seine Erfahrungen mit VERhO kommuniziert er im folgenden Interview.
 

Herr Dr. Abahji, was hat Sie bewogen, an dem Projekt VERhO teilzunehmen?

VERhO ist ein einzigartiges Projekt, da hier weltweit erstmals nachgewiesen werden kann, dass die schrittweise Rückführung der Immunsuppression bei RA-Patienten in stabiler Remission sinnvoll ist und ohne Gefährdung für die Patienten durchgeführt werden kann. 

Dadurch könnten nicht nur potenzielle Medikamentennebenwirkungen reduziert sondern auch erheblich Kosten im Gesundheitswesen eingespart werden.  

Ich und viele meiner Kollegen führen, sofern es der Krankheitsverlauf erlaubt und die Patienten dies auch wünschen, schon länger eine Deeskalation mit gutem Erfolg durch, auch wenn dieses Vorgehen bisher wissenschaftlich nicht untersucht wurde. Diese Patienten sind dann sehr froh und dankbar, deutlich weniger und manchmal auch gar keine Immunsuppressiva mehr nehmen zu müssen. Die Zeit ist nun reif, dieses Vorgehen durch Daten zu untermauern. 
 

Es sind einige Voraussetzungen, wie z. B. das Vorhandensein von RheumaDok, die Teilnahme am TK-Arzneimittelvertrag und Installation einer neuen Abrechnungssoftware zu erfüllen, die erst dann eine Teilnahme ermöglichen. Waren diese für Sie ein Problem?

Zunächst hat mich der bürokratische Aufwand abgeschreckt. Aber die Wichtigkeit dieses Projektes für unsere Patienten und die leistungsgerechte Vergütung haben mich dann doch dazu bewogen, mich durch den Software- und Formalitätendschungel zu kämpfen. Wenn man diese ersten Hürden dann genommen hat, läuft es von Mal zu Mal besser und schlussendlich hält sich der Aufwand dann in Grenzen.
 

Wenn die Logistik läuft, sehen Sie andere Probleme?

Ich finde es schade, dass nicht alle Krankenkassen für dieses Projekt gewonnen werden konnten. Denn je mehr Kassen mitmachen, umso mehr Patienten können eingeschlossen werden, was die Aussagekraft der Studie deutlich steigern würde.
 

Wie reagieren Patienten auf das Projekt VERhO?

Sehr positiv! Ich habe bisher zehn Patienten gefragt teilzunehmen und alle zehn haben spontan zugesagt und konnten eingeschlossen werden. 
 

Was würden Sie solchen Kolleginnen und Kollegen empfehlen teilzunehmen, die zögern und viele Vorbehalte bezüglich einer Teilnahme haben?

Ich rate meinen Kollegen ganz klar, am VERhO-Projekt teilzunehmen. So lohnt es sich zum einen finanziell, denn man bekommt eine, wie ich meine, faire und leistungsgerechte Vergütung. 

Zum anderen, und das ist der noch wichtigere Punkt, lohnt es sich für unsere Patienten: So ist ein Einschluss einer hohen Patientenzahl essenziell, um eine belastbare Aussage zu bekommen. Denn der Nachweis, dass die Deeskalation zum Nutzen der Patienten und ohne deren Gefährdung durchgeführt werden kann, wäre ein großer Schritt für eine bessere Patientenversorgung und würde weltweit Beachtung finden.
 

Herr Dr. Abahji, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.