AMBULANTE SPEZIALFACHÄRZTLICHE VERSORGUNG

Update zu ASV Rheuma

Sonja Froschauer

Sonja Froschauer

Nach dem Inkrafttreten der Konkretisierungen für die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) für rheumatologische Erkrankungen war allerorts Aufbruchstimmung zu spüren. Etwa eineinhalb Jahre später zeigt sich, dass Entwicklungen im Gesundheitswesen doch immer langsamer gehen als gedacht. 

Wo stehen wir?

Das erste ASV-Team für Rheuma war ab Oktober 2018 im ASV-Verzeichnis der ASV-Servicestelle (www.asv-servicestelle.de) gelistet. Inzwischen finden sich dort 20 ASV-Teams Rheuma für Erwachsene. ASV-Teams für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen sind dort noch nicht veröffentlicht. Bei drei der Teams ist die Teamleitung an Universitätskliniken angesiedelt. Elf ASV-Teamleiter sind am Krankenhaus tätig, sechs sind niedergelassen. Damit liegt der Schwerpunkt der bislang bekannten Teams im stationären Bereich!!!, was durch den administrativen Aufwand der Anzeige zu erklären ist, der neben einem Praxisbetrieb nur schwer zu leisten ist. Insgesamt sind laut den Daten der ASV-Servicestelle 61 Rheumatologen am Krankenhaus und 104 niedergelassene Rheumatologen in ASV-Teams organisiert, insgesamt also 165. Die tatsächliche Zahl dürfte höher liegen, da es einen zeitlichen Versatz zwischen dem erfolgreichen Durchlaufen des Anzeigeverfahrens und der Veröffentlichung im ASV-Verzeichnis gibt. Es ist zu beobachten, dass sich in den meisten Fällen regional Rheumatologen zusammengeschlossen und gemeinsam ein ASV-Team gegründet haben. Im Durchschnitt waren pro ASV-Team drei Krankenhaus-Rheumatologen und fünf niedergelassene Rheumatologen zusammengeschlossen. Im Maximum umfasste das Kernteam 18 Rheumatologen. Diese Verbundbildung ist sicher eine positive Entwicklung der ASV.

Was sind die Hemmnisse?

Gespräche mit Rheumatologen ergeben, dass die Initiierung eines ASV-Teams mühsam ist. Zum einen ist es oft schwierig, die geforderten Fachgruppen zu gewinnen. Denn für einige Fachdisziplinen ist die ASV relativ uninteressant – entweder können sie nur mit wenigen Fällen rechnen, oder die entsprechende Patientengruppe ist finanziell uninteressant, wie z. B. für Dermatologen. 

Hier empfiehlt sich ein Blick in das oben genannte ASV-Verzeichnis, in dem man nachschauen kann, ob in der eigenen Region nicht eventuell ein Kollege der benötigten Fachrichtung bereits in einem ASV-Team einer anderen Indikation organisiert ist. Denn für diese ist der Beitritt zu einem weiteren ASV-Team meist kein großer Aufwand. Hat man alle Kooperationspartner gewonnen, verzögern Abwesenheiten oder so banale Vorkommnisse wie der Wechsel in der Verwaltungsleitung eines Krankenhauses die Fertigstellung der Anzeige. Ein Dauerbrenner unter den Problemen bei der ASV sind die sehr unterschiedlichen Prüfpraxen der Erweiterten Landesausschüsse (ELA). So gibt es einige ELA, die zum Teil sehr abenteuerliche Auslegungen der Rechtsvorschriften an den Tag legen und den Anzeigenden mit Nachforderungen und Beanstandungen – oft über viele Monate hinweg – das Leben schwer machen. Tragen Sie Fragen gerne unter asv@bdrh.de an die Geschäftsstelle des BDRh heran, in der versucht wird, Sie bestmöglich zu unterstützen.

Hat man das Anzeigeverfahren mit Erfolg hinter sich gebracht, ist die Reise noch nicht am Ende. Es gilt nun, die Teamnummer für die Abrechnung bei der ASV-Servicestelle zu beantragen. Hier haben wir von mehreren ASV-Teams in letzter Zeit gehört, dass das Online-Portal der Servicestelle technisch instabil ist und öfter abstürzt. 

Deshalb empfehlen wir, die Registrierung und die Eingabe der Daten der Teammitglieder bereits parallel zum Anzeigeverfahren zu beginnen. Es gibt auch Hinweise, dass in Kürze der Dienstleister, der die ASV-Servicestelle betreibt, wechseln wird. Auch das könnte zu Verzögerungen führen. Ein anhaltendes Ärgernis sind die teils sehr hohen Kosten für die Freischaltung der ASV-Abrechnung in den Praxisverwaltungssystemen. Der BDRh hat sich hier bereits an die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) gewandt, die aber auch keine Möglichkeiten zur Beeinflussung der Preisgestaltung sieht. 

Wir erfuhren, dass einige ASV-Teams die Preise nochmals nachverhandeln konnten. Dies ist also in jedem Fall zu empfehlen.

Zu einem weiteren potenziellen Problem könnte sich die Abrechnung entwickeln. So kam uns zur Kenntnis, dass die Kassenärztliche Vereinigung Bremen das Angebot der ASV-Abrechnung als Dienstleistung einstellen will. 

Zurzeit führt der Bundesverband ASV eine Abfrage bei allen Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) durch, ob das ein Einzelfall ist bzw. ob einzelne KVen bereit wären, die Abrechnung auch in anderen KV-Regionen anzubieten.

Laufende Aktivitäten zur Nachbesserung

Der BDRh hatte vor etlichen Monaten das Gespräch mit der KBV gesucht und auf die Probleme hingewiesen. Kleine Erfolge konnten bereits erreicht werden. So wurden bei der letzten Aktualisierung der Appendizes (Ziffernkränze) einige Leistungen bei den Gastroenterologen bzw. Neurologen ergänzt. Noch ausstehend ist die Entscheidung, ob das Problem der nicht-abrechenbaren Grundpauschalen für die hinzuzuziehenden Fachärzte gelöst werden kann. Hier halten wir Sie weiter auf dem Laufenden.Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) hat selbst erkannt, dass die ASV hinter den Erwartungen zurückbleibt. Bei der letzten Förderbekanntmachung im Rahmen des Innovationsfonds wurden explizit Versorgungsforschungsprojekte gefordert, die die Hemmnisse der ASV analysieren und Verbesserungsvorschläge ableiten sollen. 

Im Herbst wurden nun die geförderten Projekte veröffentlicht. Ein Projekt, GOAL-ASV, hat die Förderzusage erhalten. Der Bundesverband ASV ist Konsortialpartner, der BDRh unterstützt das Projekt als Kooperationspartner. Der Beginn ist für 01.01.2020 geplant. Es bleibt zu hoffen, dass durch das Projekt die bekannten Probleme der ASV wirksam in Richtung Politik und G-BA adressiert werden können. 

Bei Fragen und Problemen rund um die ASV hilft die Geschäftsstelle des BDRh unter asv(at)bdrh.de gerne weiter.

Sonja Froschauer
Geschäftsführerin BDRh e. V. und 
BDRh Service GmbH