BILDGEBENDE DIAGNOSTIK

Zufallsbefund Osteopoikilose

Abb. 1: Beckenübersicht: Multiple sklerotische Knochenveränderungen im gesamten Bereich des dargestellten Beckenskeletts.

Abb. 1: Beckenübersicht: Multiple sklerotische Knochenveränderungen im gesamten Bereich des dargestellten Beckenskeletts.

Abb. 2: Hände beidseits dv: Multiple sklerotische Knochenveränderungen karpal sowie in den gelenknahen Abschnitten der Finger.

Abb. 2: Hände beidseits dv: Multiple sklerotische Knochenveränderungen karpal sowie in den gelenknahen Abschnitten der Finger.

ANAMNESE: Ein 65-jähriger Patient stellte sich mit zunehmender Dyspnoe zur stationären Aufnahme vor. 

KLINISCHER BEFUND: 178 cm, 76 kg. Pulmo: auskultatorisch und perkutorisch Dämpfung in den basalen Lungenabschnitten beidseits. Gelenk- und Wirbelsäulenstatus: keine über die Altersnorm hinausgehenden pathologischen Befunde.

LABOR: CRP 6,7 g/l (Norm bis 5 mg/l), Leukozyten 5.600/ul, Procalcitonin negativ. Rheumaserologischer Befund unauffällig.

BILDGEBENDE DIAGNOSTIK ZUR ABKLÄRUNG:

Sonografie: Beidseitige Pleuraergüsse nachweisbar

Röntgen-Thorax: Beidseitig basale Verschattungen im Sinne eines beidseitigen Pleuraergusses – nebenbefundlich multiple sklerotische Knochenveränderungen in den Humerusköpfen beidseits. V. a. Metastasierung. Keine pulmonalen Infiltrate.

Ganzkörperskelettszintigrafie: Keine entzündlichen oder metastasentypischen Anreicherungen. 

PET-CT: Kein Hinweis auf Metastasen oder entzündliche Gelenk-, Wirbelsäulen-, bzw. Gefäßveränderungen.

KNOCHENRÖNTGEN: s. u.

DIAGNOSE: Generalisierte Osteopoikilose

BEMERKUNGEN: Die Osteopoikilose (Osteopathia condensans disseminata, Osteopoikilie) ist eine seltene, gutartige, in der Regel zufällig entdeckte Knochenfehlbildung. Meistens finden sich im Becken und in den Meta- und Epiphysen sowie in den Hand- und Fußwurzelknochen clusterartig viele, unregelmäßige, runde bis ovale Sklerosezonen der Spongiosa von wenigen Millimetern bis Zentimetern. Die Veränderungen finden sich seltener in der Diaphyse. Oft ist das Verteilungsmuster symmetrisch. Schädel und Wirbelsäule sind selten betroffen. Die Herde gehen ohne klare Grenze in die Umgebung über. Die Kompakta ist nicht betroffen. 

Histologisch liegt den Knochenveränderungen lamellärer Knochen zugrunde, der dem der Kompakta entspricht. Es wird vermutet, dass es sich um alte Remodellierungen handelt, die vor Umwandlung des lamellären Knochens in spongiösen Knochen inaktiviert wurden. Histologisch sind die Verdichtungen nicht von solitären Kompaktainseln zu unterscheiden. Störungen des Mineralstoffwechsels sind nicht mit dem Krankheitsbild verbunden. Die Herde sind in der Ganzkörperskelettszintigrafie meist nicht zu sehen, was darauf hinweist, dass kein vermehrter Knochenumbau stattfindet. Weltweit wurden bis heute nur max. 400 Fälle veröffentlicht. Die geschätzte Inzidenz dürfte bei 0,1 Fall pro Million liegen. Eine sichere Aussage über die Häufigkeit ist allerdings schwer möglich, weil die Osteopoikilose meist symptomlos verläuft. Männer sind wahrscheinlich etwas häufiger betroffen als Frauen. In einigen Fällen wurde eine familiäre Häufung beobachtet. Die Knochenveränderungen können schon im Kleinkindalter beobachtet werden. Sie können im Laufe der Zeit zunehmen, kleiner werden, oder auch ganz verschwinden. Pathologische Frakturen treten nicht auf, die Osteopoikilose ist asymptomatisch. Eine Behandlung ist aus diesem Grund nicht notwendig, und auch nicht möglich. Extrem selten wurde eine maligne Entartung beschrieben.                    


Prof. Dr. med. Herbert Kellner
Facharzt für Innere Medizin, Rheumatologie, 
Gastroenterologie und Physikalische Medizin
Romanstr. 9, 80639 München