Projekt-Ablauf PETRA

Ablauf der Personalisierten Therapie bei Rheumatoider Arthritis

Um die Wirksamkeit des gruppenbasierten Kompetenztrainings zu untersuchen, findet eine begleitende Evaluation über 18 Monate statt, wobei die Patienten mit RA in eine Interventions- (IG) und eine Kontrollgruppe (KG) randomisiert werden. Die IG umfasst insgesamt 200 Patienten mit RA. Zusätzlich werden für die IG 100 Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen rekrutiert, da davon ausgegangen wird, dass Patienten mit unterschiedlichen Erkrankungen verschiedene Persönlichkeitsstrukturen besitzen und somit die Psychodynamik der Gruppe positiv beeinflusst wird. Die bis zu 300 IG-Patienten erhalten voraussichtlich ab September 2019 ein neunmonatiges Kompetenztraining, das alle zwei Wochen von speziell qualifizierten Psychotherapeuten durchgeführt wird. Die Kompetenztrainings finden jeweils in einer Gruppe von 8-12 Patienten über 6 Monate plus einer anschließenden 3-monatigen Konsolidierungsphase statt (s. Abb. 1). Die Teilnehmer der KG nehmen nur an den begleitenden Untersuchungen teil und erhalten im Anschluss der 18-monatigen Evaluationsphase eine Aufwandsentschädigung.

Zusätzlich zur Evaluation des Hauptprojekts finden integrative Einzelfallstudien zur Analyse komplexer biopsychosozialer Fragestellungen für bis zu 20 Patienten statt, die durch die Medizinische Universität Innsbruck durchgeführt werden. Die Einzelfallstudien stellen einen sehr innovativen Ansatz zum Erkenntnisgewinn dar.

Kompetenztraining

In den ersten 6 Gruppenstunden werden verschiedene Themenschwerpunkte wie Bewegung, Ernährung, Schlaf und Umgang mit Stress gemeinsam in der Gruppe behandelt. Die Teilnehmer haben dadurch die Möglichkeit mehr über ihre Erkrankung und deren Bewältigung zu erfahren und sich mit anderen Betroffenen auszutauschen sowie andere Perspektiven kennenzulernen. Zu jedem Themenschwerpunkt sollen Bezüge zu den aktuellen Erkenntnissen der PNI-Forschung hergestellt werden. Dadurch soll den Patienten ein besseres Verständnis für die Zusammenhänge von körperlichen Vorgängen und psychologischen Faktoren (z.B. Überforderung, anhaltender Stress und Konflikte, Verlusterlebnisse) vermittelt werden. Im weiteren Verlauf der Gruppenintervention werden die Stunden zieloffener sein und den Teilnehmern mehr Raum für eigene Anliegen bieten. 

Die drei Nachhaltigkeitssitzungen sollen die Teilnehmer dabei unterstützen, ihre gesundheitsförderlichen Ziele besser in den Alltag zu integrieren und zu stabilisieren.

Vor Beginn der Kompetenztrainings findet mit den Patienten ein Vorgespräch beim Psychotherapeuten (45min) statt, um einander kennenzulernen sowie Erwartungen zu klären. Die Patienten erhalten weitere Fragebögen (Anamnesebogen, NEO-FFI) zum Ausfüllen. Auch der Psychotherapeut wird im Anschluss einen ersten Einschätzungsbogen zur psychosomatischen Verarbeitungsstruktur des Patienten (z.B. bezogen auf das Erleben von Stress, Umgang mit Belastungsgrenzen, Abgrenzungsfähigkeit usw.) ausfüllen. Die Fragebögen dienen der besseren Erfassung von krankheitsspezifischen Themenschwerpunkten und sollen so die Personalisierung des Kompetenztrainings möglich machen.

Zuteilung ins Kompetenztraining

Die Randomisierung in Interventions- (IG) sowie Kontrollgruppe (KG) erfolgt über den BKK Landesverband Bayern (BKK LV Bayern). Der Rheumatologe erhält nach Zuordnung des Patienten vom BKK LV ein entsprechendes Informationsschreiben sowie weitere Unterlagen für die Erhebungen zugesandt.

Der Patient wird per Brief vom Patientenlotsen über seine Gruppenzugehörigkeit informiert. Zudem kontaktiert der Patientenlotse die teilnehmenden Patienten der IG, sobald die Schulungsorte feststehen, um mit ihnen zusammen ein geeignetes Kompetenztraining zu suchen (abhängig von Wohn- oder Arbeitsort bzw. verfügbaren Kapazitäten).

Beginn Kompetenztraining

Der tatsächliche Start des Kompetenztrainings hängt von der Zahl der Einschreibung der Patienten ab. Sobald sich für eine Gruppe mindestens 8 Teilnehmer gefunden haben, kann der erste Termin des Kompetenztrainings sowie der genaue Ort festgelegt werden. Idealerweise beginnen die Gruppen im September 2019.

Sobald in einer Modellregion die Kompetenztrainings vollständig besetzt sind, informiert der Patientenlotse den Rheumatologen entsprechend über das Ende der Rekrutierungsphase.

Teilnahmekriterien

Für den Rheumatologen

  • Facharzt für Innere Medizin und Rheumatologie oder Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunktbezeichnung Rheumatologie 
  • Zugelassen zur ambulanten vertragsärztlichen Versorgung oder niedergelassen in Einzelpraxis oder Berufsausübungsgemeinschaft oder in einem MVZ angestellt 
  • Praxisstandort in einer der 15 ausgewählten bayerischen Modellregionen
  • Nutzung von RheumaDok
  • Teilnahme an Fortbildung über CuraCampus (Download der Schulungsunterlagen – sobald verfügbar) 
  • Einschreibung durch Unterzeichnung der Teilnahmeerklärung der KV Bayern seitens des Rheumatologen
  • Die KVB schickt nach Prüfung der Teilnahmevoraussetzungen eine Teilnahmebestätigung

Hier können Sie nach dem Projektstart die Teilnahmeerklärungen für das PETRA Projekt herunterladen.

Für den Patienten 

  • Gesicherte Diagnose einer seropositiven rheumatoiden Arthritis (ICD10 M05)in den letzten 10 Jahren 
  • KEINE aktuelle Therapie mit Biologika oder JAK-Inhibitoren 
  • KEINE Fibromyalgie (ICD10 M79.7) 
  • Versichert bei einer der teilnehmenden Betriebskrankenkassen (BKK) 

Sofern die Versicherten die o. g. Voraussetzungen erfüllen, können sie sich in das Versorgungsprojekt PETRA einschreiben. Patienten mit rheumatoider Arthritis bzw. mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen wird dabei je eine spezifische schriftliche Information über das Projekt ausgehändigt. Die Teilnahme an dem Versorgungsprojekt sowie die Aufklärung über die Datenerhebung, -verarbeitung und -nutzung regelt eine Einwilligungserklärung. 

Datenerhebung

Insgesamt finden zu 9 Erhebungszeitpunkten über 18 Monate Untersuchungen beim Rheumatologen statt. Folgende Daten werden beim Rheumatologen erhoben:

  • Bestimmung von Aktivitätsscores und Patient Outcome Parametern (VAS, DAS28, SDAI, CDAI und FFbH)
  • Laborparameter 
  • Klinische Untersuchungen 
  • Lebensqualitätsbezogene und psychologische Fragebögen

Die Dokumentation wird grundsätzlich in RheumaDok vorgenommen, wobei einige psychologische Fragebögen nur papierbasiert erfasst werden.

  • Klinische Untersuchungen und Bestimmung von Aktivitätsscores
    • DAS28 CRP, SDAI und CDAI
    • Größe und Gewicht
    • Rheumamedikamente
    • Weitere relevante Medikamente
    • Komorbiditäten
  • Laborparameter
    • Die Laborparameter CRP (im Rahmen der Regelversorgung), Anti-CCP AK und Rheumafaktor werden im eigenen Labor erhoben. 
    • Alle weiteren Laborparameter (Zytokine, CRP außerhalb der Regelversorgung) werden im MVZ Labor PD Dr. Volkmann und Kollegen GbR, Kriegsstrasse 99, 76133 Karlsruhe ausgewertet.
  • Patientenfragebögen
    • VAS (Visuelle Analogskala)
    • PHQ9 (Patient Health Questionnaire)
    • FFbH (Funktionsfragebogen Hannover)
    • PSQI (Pittsburgh Schlafqualitätsindex)
    • Staxi (State-Trait-Ärgerausdrucks-Inventar-2)
    • TAS26 (Toronto-Alexithymie-Skala-26)
    • SF12 (Fragebogen zum Gesundheitszustand)