Epstein-Barr-Virus schaltet Risikogene für eine SLE-Erkrankung an

Offenbar ist ein durch das Epstein-Barr-Virus (EBV) in B-Zellen eingeschleuster Transkriptionsfaktor dafür verantwortlich, dass viele Patienten im weiteren Verlauf an systemischem Lupus erythematodes (SLE) erkranken. Eine hochrangig publizierte Studie US-amerikanischer Experten um John Harley, Cincinnati, liefert auch Hinweise auf ein für sechs andere Autoimmunerkrankungen erhöhtes Risiko nach EBV-Infektion.

Mehr als 90 % aller Menschen stecken sich im Verlauf des Lebens mit dem EBV an, wobei die Infektion in den ersten Lebensjahren unbemerkt verläuft. Bei Teenagern und im frühen Erwachsenenalter kann es zu einem Morbus Pfeiffer kommen. Die Viren infizieren B-Zellen und legen dort einige Transkriptionsfaktoren ab, die wohl in erster Linie für die Bildung neuer Viren benötigt werden, sich aber auch mit den humanen Genen der B-Zellen verbinden.

Laut der aktuellen Studie bindet einer dieser Transkriptionsfaktoren, EBNA2, an der Hälfte aller Gene, die das Risiko auf SLE erhöhen, was erklären würde, warum eine EBV-Infektion das SLE-Risiko um den Faktor 50 erhöht, während Menschen ohne EBV-Infektionen fast nie einen SLE entwickeln. Auch das Risiko für zwei weitere rheumatische Erkrankungen, die rheumatoide Arthritis (RA) und juvenile idiopathische Arthritis (JIA) ist erhöht, ebenso für Multiple Sklerose, CED, Typ-1-Diabetes und Zöliakie. All diesen Erkrankungen gemeinsam sind ähnliche, aber im Vergleich zum SLE weniger ausgeprägte Interaktionen von EBNA2 mit den Risikogenen. Zu welcher Autoimmunerkrankung es kommt, könnte davon abhängen, an welcher Stelle EBNA2 im Genom bindet. Sollte EBNA2 tatsächlich deren Entwicklung auslösen, könnten EBNA2 neutralisierende Wirkstoffe deren Entstehung verhindern. Den gleichen Effekt könnten Impfstoffe gegen EBV haben, die sich derzeit in der Phase der Entwicklung befinden.
 

Quelle: Nat Genet 2018; 50(5): 699-707