RHEUMATOIDE ARTHRITIS

FINCH-2-Studie: Filgotinib zeigt Wirksamkeit bei therapierefraktärer RA

Abb.: FINCH-2-Studie: ACR20-Ansprechen in Woche 12 auf Filgotinib 100 und 200 mg/ Tag versus Placebo sowohl bei allen Patienten (li.) als auch solchen mit Versagen auf ≥3 bDMARDs (re.)

Abb.: FINCH-2-Studie: ACR20-Ansprechen in Woche 12 auf Filgotinib 100 und 200 mg/ Tag versus Placebo sowohl bei allen Patienten (li.) als auch solchen mit Versagen auf ≥3 bDMARDs (re.)

Mit Filgotinib nimmt nach Tofacitinib, Baricitinib und Upadacitinib (dessen Zulassung unmittelbar bevorstehen dürfte) der vierte JAK-Inhibitor die nächste Hürde auf dem Weg zur Zulassung bei (nicht nur) rheumatoider Arthritis (RA). Ähnlich wie bei Upadacitinib handelt es sich primär um ein JAK-1-selektives tsDMARD. Nachdem bereits auf dem ACR-Kongress 2018 die Ergebnisse der FINCH-2-Studie zu Patienten mit therapierefraktärer RA vorgestellt wurden, erfolgte nun die Vollpublikation dieser ersten von insgesamt drei Phase-III-Studien in dieser Indikation.

Die Ergebnisse der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie FINCH-2 stellten im Detail Mark C. Genovese, Stanford (USA), und Kollegen vor. In die 24-wöchige Studie eingeschlossen wurden 448 Patienten mit mäßiger bis schwerer aktiver RA (im Mittel 56 Jahre, 80 % Frauen, mittlere Krankheitsdauer 12 Jahre, SJC/TJC 17 bzw. 27, DAS28-CRP 5,9) sowie Intoleranz oder Versagen auf ≥1 Biologikum (23 % hatten zuvor bereits auf ≥3 bDMARDs versagt) und auf Basis einer fortgeführten stabilen csDMARD-Therapie im Verhältnis 1:1:1 auf 1x 100 mg/Tag Filgotinib (n=153) oder 1x 200 mg/Tag Filgotinib (n=148) oder Placebo (n=148) randomisiert. Primärer Endpunkt war das ACR20-Ansprechen in Woche 12, als sekundäre Endpunkte wurden ebenfalls in Woche 12 eine niedrige Krankheitsaktivität (DAS28-CRP ≤3,2), der ΔHAQ-DI, SF-36, FACIT-Fatigue-Score und eine DAS28-CRP-Remission ≤2,6 in Woche 24 sowie unerwünschte Ereignisse erfasst.

Starkes Ansprechen nach Biologika-Versagen

Den primären Endpunkt eines ACR20-Ansprechens in Woche 12 erreichten unter der 100 bzw. 200 mg-Dosis 57,5 und 66,0 vs. 31,1 % der Patienten unter Placebo (je p<0,001) (Abb. li.). Selbst bei jenen Patienten, die auf ≥3 Biologika versagt hatten, wurde in 70,3 (200 mg) bzw. 58,8 % (100 mg) der Fälle ein ACR20-Ansprechen erreicht gegenüber 17,6 % mit Placebo (Abb. re.). Auch im ΔHAQ-DI (Woche 12) war Filgotinib signifikant überlegen (-0,48 und -0,55 vs. -0,23; je p<0,001), ebenso im SF-36 und FACIT-Fatigue. Fast durchweg schnitt die 200 mg-Dosis numerisch etwas besser ab. Mit 200 mg Filgotinib erreichten in Woche 24 z. B. 45,6 bzw. 32,0 % der Patienten ein ACR50/70-Ansprechen und 30,6 % eine DAS28-CRP-Remission <2,6.

Alle und schwere unerwünschte Ereignisse waren gleich verteilt, zu den häufigeren Nebenwirkungen (5-10 %) zählten Nasopharyngitis, Kopfschmerzen und Infektionen der oberen Atemwege. Es kam zu 4 Herpes zoster-Fällen, nicht aber Tuberkulose, opportunistischen Infektionen, Malignitäten, gastrointestinalen Perforationen oder Todesfällen. Neue Sicherheitssignale waren nicht zu verzeichnen, das Profil war typisch für die JAK-Inhibition. Vor dem Hintergrund eines überwiegend therapieresistenten Patientenkollektivs können sich die Ergebnisse mehr als sehen lassen – auch dieser JAK-1-Inhibitor dürfte künftig, wenn auch wohl etwas später als Upadacitinib, das Behandlungsspektrum bei RA bereichern.

An einer späteren Zulassung dürften gerade angesichts der kürzlich auf dem EULAR-Kongress in Madrid als Late-breaker präsentierten positiven Ergebnisse der Phase-III-Studien FINCH-1 und -3 bei RA-Patienten mit unzureichendem Ansprechen auf Methotrexat (MTX) bzw. bei zuvor noch MTX-naiven Patienten keine Zweifel bestehen. Zugleich wird Filgotinib nach einem Wirknachweis in Phase-II-Studien auch in den Indikationen ankylosierende Spondylitis und Psoriasis-Arthritis in Phase-III geprüft.       

Quelle: JAMA 2019; 322(4): 315-325