GICHTARTHRITIS

Mehr Augenmerk auf Kristallablagerungen legen

Bislang haben nur wenige Studien systematisch und quantitativ die Effekte einer harnsäuresenkenden Therapie auf Mononatriumurat (MSU)-Kristallablagerungen bei Patienten mit Gichtarthritis erfasst, meist ist der Fokus fast allein auf das Erreichen des Serumharnsäure-Zielwerts <6 mg/dl gerichtet. Eine deutsche Studiengruppe um Jürgen Rech, Erlangen, untersuchte jetzt in einer prospektiven Studie die Effekte von Lebensstilmodifikationen und medikamentöser Harnsäuresenkung auf MSU-Depots.

83 Gicht-Patienten mit MSU-Ablagerungen im Dual-Energy-CT (DECT) erhielten für 18 Monate entweder (allein) eine Lebensstilintervention oder auch harnsäuresenkende Therapie. Die MSU-Ablagerungen wurden quantifiziert durch volumetrische Messungen, validiert durch ein semi-quantitatives Scoring und verglichen zwischen Studienbeginn und Monat 18. Von allen Teilnehmern waren DECT-Scans vor und nach der Intervention verfügbar, 6 brachen die Therapie ab, 77 setzen diese (Lebensstilintervention: n=24, Allopurinol mit Eskalation von 100 auf bis zu 600 mg/Tag: n=29, Febuxostat 80-120 mg/Tag bei Intoleranz von Allopurinol: n=22, Benzbromaron, n=2) über den gesamten Beobachtungszeitraum fort. Der Serumharnsäure-Spiegel sank in der Gesamtkohorte von 7,2 auf 5,8 mg/dl (bei Lebensstilintervention von 7,2 auf 6,7, unter Allopurinol von 7,0 auf 5,5 und unter Febuxostat von 7,8 auf 5,1 mg/dl), der Zielwert <6 mg/dl wurde also häufig erreicht. Nicht gelang dies bei Patienten mit vorzeitigem Abbruch der Therapie, deren MSU-Ablagerungen folglich auch nicht abnahmen. Diese gingen ansonsten unter Lebensstilintervention (MSU-Volumen: p=0,007; MSU-Score: p=0,001), Allopurinol (MSU-Volumen/Score: p<0,001) und Febuxostat (MSU-Volumen: p<0.001; MSU-Score: p=0,001) signifikant zurück. Sowohl die Änderung des Lebensstils (mit der aber keine ausreichende Harnsäuresenkung erreicht wurde) als auch vor allem die Therapie mit Allopurinol oder Febuxostat führten somit zu einer signifikanten Abnahme der MSU-Last. Damit wurde der Nachweis geführt, dass Xanthinoxidase-Inhibitoren nicht nur der Zielwert-Erreichung diesen, sondern auch zu einer klinisch relevanten Reduktion von Kristallablagerungen führen.     

Quelle: Arthritis Rheumatol 2019; doi: 10.1002/art.41063