RIESENZELL-ARTERIITIS

Neue Erkenntnisse aus der GiACTA-Studie

Die randomisierte, kontrollierte Phase-III-Studie GiACTA, die zur Zulassung des IL-6-Rezeptorinhibitors Tocilizumab auch bei Riesenzell-Arteriitis (RZA) geführt hatte, brachte durchaus einen gewissen Durchbruch in dieser Indikation mit verbesserter Remissionsinduktion bei verringertem Steroidbedarf. Dennoch bleiben noch offene Fragen. Die internationale GiACTA-Studiengruppe um John H. Stone, Boston (USA), widmete sich in einer Analyse nun der Untersuchung der Glukokortikoid-Dosierungen und serologischer Befunde bei jenen Patienten, die unter der Therapie ein Rezidiv erlitten.

In der Studie waren die RZA-Patienten randomisiert und doppelblind im Verhältnis 2:1:1:1 entweder einer Therapie mit s.c. Tocilizumab 162 mg pro Woche plus einer 26‐wöchigen Prednison-Gabe (n=100), Tocilizumab 162 mg alle 2 Wochen plus einer 26‐wöchigen Prednison-Gabe (n=49), Placebo plus 26 Wochen Prednison (n=50), oder Placebo plus 52 Wochen Prednison (n=51) zugewiesen worden. Die analysierten Outcomes waren die Prednison-Dosis, der CRP-Spiegel und die Erythrozytensedimentationsrate (ESR) zum Zeitpunkt eines Rezidivs und in Remission im 52-wöchigen Follow-up. Bei den 149 mit Tocilizumab behandelten RZA-Patienten kam es in 36 Fällen (24 %) zu einem Rezidiv, wobei von diesen 23 (64 %) zu diesem Zeitpunkt noch auf Prednison (mediane Dosis 2,0 mg/Tag) waren. Von den 101 mit Placebo (plus Prednison) behandelten Patienten erlitten 59 (58 %) ein Rezidiv, wobei 45 dieser Teilnehmer (76 %) zu dieser Zeit noch Prednison erhalten hatten (mediane Dosis 5,0 mg/Tag). 

Viele Rezidive traten auf, als die Patienten noch auf einer Dosis von mehr als 10 mg/Tag Prednison waren: 9 (25 %) in den kombinierten Tocilizumab-Gruppen und 13 (22,0 %) in den beiden Placebo-Gruppen. 33 Rezidive (92 %) in den mit Tocilizumab behandelten Gruppen und 20 (34 %) in den Placebo- plus Prednison-Armen traten bei normalem CRP-Spiegel auf – kein überraschender Befund, da CRP unter Tocilizumab kein zuverlässiger Marker ist. Mehr als die Hälfte der allein mit Prednison behandelten Patienten hatte wiederum ein erhöhtes CRP ohne Rezidiv. Vorteile der Kombination aus Tocilizumab plus Prednison gegenüber der alleinigen Prednison-Gabe waren im Hinblick auf die Remissionsinduktion bereits nach 8 Wochen erkennbar.

Im Ergebnis traten die meisten RZA-Rezidive somit unter noch bestehender Prednison-Therapie auf. Akute‐Phase-Reaktanten waren keine verlässlichen Indikatoren für Rezidive bei mit Tocilizumab plus Prednison behandelten Patienten, aber auch nicht unter Prednison alleine. Die zusätzliche Tocilizumab-Therapie erleichterte eine frühere Krankheitskontrolle.   

Quelle: Arthritis Rheumatol 2019; 
doi: 10.1002/art.40876