JUVENILE IDIOPATHISCHE ARTHRITIS

Tofacitinib bewährt sich in Phase-III-Studie 

Abb.: Signifikant bessere Erhaltung des JIA ACR30/50/70- Ansprechens bei fortgeführter Therapie mit Tofacitinib

Abb.: Signifikant bessere Erhaltung des JIA ACR30/50/70- Ansprechens bei fortgeführter Therapie mit Tofacitinib

Nachdem sich JAK-Inhibitoren erfolgreich bei rheumatoider (und Psoriasis-) Arthritis etabliert haben, kann es nicht überraschen, dass diese nun auch bei polyartikulärer juveniler idiopathischer Arthritis (pJIA) vermehrt geprüft werden. Eine Pilotstudie zu Upadacitinib wurde gestartet, bereits weiter ist Baricitinib mit zwei laufenden Phase-III-Studien. Die Nase vorn hat aber Tofacitinib, für das eine internationale Studiengruppe um Hermine Brunner, Cincinatti (USA), jetzt die ersten Phase-III-Daten präsentierte.  

In der randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie wurden Patienten im Alter von 2 bis <18 Jahren mit pJIA, Psoriasis-Arthritis (PsA) oder Enthesitis-assoziierter Arthritis (ERA) untersucht. In der 18-wöchigen open-label Run-in-Phase (Teil 1), erhielten die Teilnehmer gewichtsadaptiert 2x täglich Tofacitinib (2-4 mg orale Lösung bei einem KG <40 kg, 5 mg als Tablette oder orale Lösung bei einem KG ≥40 kg). 

Patienten, die in Woche 18 mindestens ein JIA ACR30-Ansprechen zeigten, wurden in der doppelblinden Phase (Teil 2) von Woche 18-44 im Verhältnis 1:1 auf eine Fortführung von Tofacitinib oder dessen Entzug (=Placebo) randomisiert. Eine stabile Basistherapie mit NSAR, Prednison und/oder Methotrexat war erlaubt.
 

Gute Wirksamkeit des JAK-Inhibitors bei polyartikulärer JIA

Der primäre Endpunkt war das Auftreten eines Krankheitsschubs bis Woche 44 (Woche 26 von Teil 2), definiert als Verschlechterung von ≥30 % in 3 von 6 und keiner Verbesserung um ≥30 % in ≥1 JIA ACR-Domänen. Als die wichtigsten sekundären Endpunkte wurden die JIA ACR30/50/70-Ansprechraten und Veränderungen der körperlichen Funktion gemäß CHAQ-DI ab Baseline in Teil 2 bis Woche 44 erhoben. Weitere Endpunkte umfassten die Zeit bis zum Krankheitsschub in Teil 2, die Veränderung von JIA ACR-Domänen ab Baseline in Teil 1 bis Woche 44 und der Krankheitsaktivität gemäß dem JADAS27-CRP von Baseline in Teil 2 bis Woche 44. Zusätzlich wurde über den gesamten Studienzeitraum die Sicherheit des JAK-Inhibitors dokumentiert. In Atlanta wurden die Patienten mit PsA und ERA außen vor gelassen und zunächst über die große Mehrzahl mit polyartikulärem JIA-Verlauf berichtet. 

Eingeschlossen wurden in Teil 1 der Studie insgesamt 225 Patienten mit pJIA (n=184), PsA (n=20) oder ERA (n=21) und mit Tofacitinib behandelt. In Woche 18 qualifizierten sich 173 dieser Patienten (76,9 %) für Teil 2 der Studie 2 (pJIA [n=142], PsA [n=15], ERA [n=16]). Bei den pJIA-Patienten trat der primäre Endpunkt eines Krankheitsschubs in Teil 2 der Studie unter Tofacitinib im Vergleich zu Placebo signifikant seltener auf (29,2 vs. 52,9 %; p=0,0041). Auch die JIA ACR30/50/70-Ansprechraten (70 vs. 47 %, 66 vs. 47 % bzw. 54 vs. 37 %; alle p<0,05) (Abb.)sowie die Verbesserungen im CHAQ-DI von Baseline in Teil 2 bis Woche 44 (-0,09 vs. 0,03; p=0,0292) fielen signifikant zugunsten von Tofacitinib aus. Des Weiteren war auch die Zeit bis zu einem Schub unter Tofacitinib signifikant länger (Hazard ratio, HR 0,459; p=0,0037). Es zeigten sich ferner größere Verbesserungen von Tofacitinib in allen JIA ACR-Domänen von Baseline in Teil bis Woche 44. 

Bereits zu einem frühen Zeitpunkt in Teil 2 der Studie, also nach dem Entzug von Tofacitinib, verschlechterte sich die Krankheitsaktivität im JADAS27-CRP unter Placebo, während sie unter dem JAK-Inhibitor stabil blieb. In puncto Sicherheit gab es kaum Unterschiede mit unerwünschten Ereignissen (UE) bei 77,3 und 74,1 % bzw. schweren UE bei 1,1 vs. 2,4 % der Patienten unter Tofacitinib und Placebo. Es gab keine Todesfälle, opportunistische Infektionen oder Tuberkulose. 

Bei einem aus den zugelassenen Indikationen bei Erwachsenen bekannten Sicherheitsprofil zeigte sich somit unter Tofacitinib ein bei pJIA-Patienten durchaus gutes Ansprechen mit signifikant weniger Schüben, geringerer Krankheitsaktivität und Verbesserung der körperlichen Funktion. Eine spätere Zulassung bei polyartikulärer JIA erscheint durchaus realistisch und würde eine Alternative zu den bisher verfügbaren Biologika-Therapien bieten. 

Quelle: Arthritis Rheumatol 2019; 71 (Suppl10): Late breaking Abstr. L22