ARTHROSEN DER HAND- UND FINGERGELENKE

Update der EULAR-Empfehlungen 2018 publiziert

Die letzten EULAR-Empfehlungen zum Management der Handarthrose stammten aus dem Jahr 2007. Nachdem in der Zwischenzeit einige Fortschritte und zusätzliche Evidenz generiert wurden, formulierte basierend auf einem systematischen Literatur-Review eine EULAR Task Force aus 19 Ärzten – davon 12 Rheumatologen –, Experten und Patienten aus 10 europäischen Ländern fünf übergreifende Prinzipien und zehn neue Empfehlungen zur Handarthrose. Nach der Erstpräsentation auf dem EULAR-Kongress 2018 in Amsterdam wurden diese nun von Margreet Kloppenburg, Leiden (Niederlande), und Kollegen online publiziert.

Die EULAR-Empfehlungen, wie gehabt gemäß den EULAR SOPs aus dem Jahr 2014 entwickelt, bieten sowohl auf der Basis von Expertenmeinung als auch wissenschaftlicher Evidenz eine Up-to-date-Anleitung zum Management der Handarthrose.

5 übergreifende Prinzipien und 10 spezifische Empfehlungen

Zunächst zu den übergreifenden Prinzipien: (1) Das primäre Ziel des Managements der Handarthrose besteht in der Kontrolle der Symptome, wie Schmerz und Steifigkeit, und der Optimierung der Handfunktion, um so Aktivität, Teilhabe und Lebensqualität der Patienten zu maximieren. (2) Allen Patienten sollten Informationen zu Art und Verlauf der Erkrankung angeboten werden und eine Schulung zu Selbstmanagement-Prinzipien und Therapieoptionen. (3) Das Management der Handarthrose sollte individualisiert werden unter Berücksichtigung der Lokalisation und des Schweregrads sowie von Komorbiditäten. (4) Das Management der Handarthrose sollte auf einer gemeinsamen Entscheidung von Patienten und Arzt/Gesundheitsexperten basieren. (5) Ein optimales Management der Handarthrose bedarf zumeist eines multidisziplinären Ansatzes. In Ergänzung zu nicht-pharmakologischen Maßnahmen sollten pharmakologische Therapieoptionen und chirurgische Eingriffe erwogen werden. 

Nun die spezifischen Empfehlungen: (1) Schulung und Training in ergonomischen Prinzipien, zu Art und Umfang der Aktivität sowie dem Gebrauch von Hilfsmitteln sollten jedem Patienten angeboten werden. (2) Übungen zur Verbesserung von Funktion und Muskelstärke sowie zur Schmerzreduktion sollten bei jedem Patienten erwogen werden. (3) Eine Orthose sollte zur symptomatischen Linderung bei Patienten mit Rhizarthrose erwogen werden. Eine Langzeitanwendung wird befürwortet. (4) Topische werden gegenüber systemischen Therapien aus Sicherheitsgründen präferiert. Topische NSAR sind die erste topische pharmakologische Therapie der Wahl. (5) Orale Analgetika, speziell NSAR, sollten für eine limitierte Zeitdauer zur Schmerzlinderung in Erwägung gezogen werden. (6) Bei Patienten mit Handarthrose kann Chondroitinsulfat zur Schmerzlinderung und Funktionsverbesserung eingesetzt werden. (7) Intraartikuläre Glukokortikoid-Injektionen sollten nicht generell bei allen Patienten eingesetzt werden, können aber bei schmerzhaften Interphalangeal-Gelenken in Erwägung gezogen werden. (8) Patienten mit Handarthrose sollten nicht mit konventionellen oder biologischen DMARDs behandelt werden. (9) Eine Operation sollte bei Patienten mit strukturellen Abnormitäten erwogen werden, wenn andere Therapien keine ausreichend effektive Schmerzlinderung bieten. Eine Trapezektomie sollte bei Patienten mit Rhizarthrose erwogen werden und eine Arthrodese oder Arthroplastie bei solchen mit einer Interphalangealarthrose. (10) Das Langzeit-Follow-up von Handarthrose-Patienten sollte an deren individuelle Bedürfnisse angepasst werden. 

Quelle: Ann Rheum Dis 2018; doi: 10.1136/annrheumdis-2018-213826
 

Kompakt: Während die Empfehlungen zur Chirurgie vor allem auf Expertenmeinung basieren, gründen jene zu konservativen Therapien auf solider Evidenz. Die wichtigsten Take home-Messages: Topische NSAR sind gleich gut wie orale (letztere sollten mit Bedacht eingesetzt werden), als einzigem „SYSADOA“ wird Chondroitinsulfat bei Hand- (nicht aber Knie/Hüft-)Arthrose ein gewisser vorteilhafter Effekt zugebilligt, i.a.-Glukokortikoid-Injektionen werden auf Basis neuer Studien nur noch in bestimmten Fällen als sinnvoll erachtet und, auch wenn es einige Rheumatologen auf dem EULAR verwunderte, gilt: Finger weg von csDMARDs und Biologika, da neuere Studien keinerlei Evidenz für einen Nutzen zeigten.