RÜCKBLICK AUF DEN EULAR 2018 IN AMSTERDAM

Europäische Rheumatologie auf gutem Weg

Prof. Dr. med. Ulf Müller-Ladner

Prof. Dr. med. Ulf Müller-Ladner

Vom 13. bis 16. Juni 2018 trafen sich im RAI-Kongresszentrum in Amsterdam rund 14.500 Teilnehmer aus über 130 Ländern zur 19. Jahrestagung der European League Against Rheumatism (EULAR). Auf der Tagung wurden als eine erneute Steigerung gegenüber dem Vorjahr 370 Abstracts als Kurzvorträge und 2.256 Poster präsentiert. Mit über 175 wissenschaftlichen Sitzungen und 45 geführten Posterrundgängen kann der diesjährige EULAR-Kongress erneut als ein großer Erfolg für die europäische Rheumatologie verbucht werden. Einen Meilenstein stellte daneben der Launch der brandneuen EULAR Zukunftsstrategie 2018-2023 dar, sowie die Ergebnisse mehrerer, von der EULAR ins Leben gerufenen Initiativen.

Einen wichtigen Beitrag zur einer besseren Versorgung von Patienten mit entzündlich-rheumatischen Erkrankungen auf europäischer Ebene leistet die EULAR-Kampagne „Don‘t delay, connect today“, die vorrangig auf die Etablierung einer rascheren Frühdiagnostik abzielt und ein Leitmotiv des Kongresses bildete. Die rheumatologische Fortbildung wird durch die EULAR School of Rheumatology gefördert, die rheumatologische Forschung wird durch die EULAR Research Roadmap „RheumaMap“ beflügelt. Zum Erfolg des Kongresses trugen auch die unter dem Dach der EULAR befindliche europäische Patientenorganisation „People with Arthritis and Rheumatism in Europe“ (PARE) und der Zusammenschluss rheumatologischen Fachassistenzpersonals, den „Health Professionals in Rheumatology“ (HPR), bei. 

Thematisch adressiert wurden neben der Grundlagen- und klinischen Forschung in der Rheumatologie auch die Immunologie, Osteologie und überschneidende internistische Fachgebiete, was den Kongress gleichermaßen für Rheumatologen, Forscher und Ärzte der Primärversorgung attraktiv gestaltete. Einen guten Überblick zu den neuen diagnostischen und therapeutischen Entwicklungen boten die sehr gut nachgefragten Clinical und Abstract Sessions sowie die bewährten HOT („How toTreat“)- und WIN („What Is New“)-Sessions mit meist über 500 Teilnehmern. Auf einem guten Weg sind neue Leitlinien zum primären Sjögren-Syndrom, zur Handgelenksarthrose sowie zu den Impfempfehlungen bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen. Zu den ANCA-assoziierten Vaskulitiden wurde ein Entwurf neuer Klassifikationskriterien von EULAR und ACR vorgestellt, abgeschlossen sind jene zum systemischen Lupus erythematodes (SLE).  

Zur rheumatoiden Arthritis (RA) wurden weitere Phase-III-Daten zu dem nächsten vor der Zulassung in 2019 stehenden oralen JAK-1-Inhibitor Upadacitinib präsentiert. Von Interesse waren auch Studien zur Prädiktion des Übergangs von Risikopatienten mit Arthralgien und ACPA-Positivität zur klinisch manifesten RA, zur Sicherheit von JAK-Inhibitoren und Biologika und zu Strategien eines Therapieabbaus im Falle einer anhaltend stabilen Remission. Auch das Management von Komorbiditäten stand erneut im Fokus.

In Sachen Psoriasis-Arthritis (PsA) wurden Phase-II-Studien zu den beiden IL-23-Hemmern Risankizumab und Guselkumab vorgestellt Letzterer befindet sich bereits in Phase-III der Entwicklung. Kurz nach dem Kongress wurde nun auch Tofacitinib für die PsA zugelassen. Im Hinblick auf die ankylosierende Spondylitis (AS) lieferte eine Studie auch erste Hinweise zu additiven Effekten von NSAR (insbesondere Celecoxib) und TNFα-Blockern bei der Reduktion der radiologischen Progression. Positive Ergebnisse zur AS lieferten zwei Phase-II-Dosisfindungsstudien zum dualen IL-17A/F-Hemmer Bimekizumab und dem genetisch „modifizierten“ Anti-IL-17A-Antikörper BCD-085 – gleichsam die zunehmende Bedeutung dieses Therapieprinzips bei PsA und AS unterstreichend. Zum SLE wurden erneut Phase-II-Daten zu Ustekinumab und nun auch dem JAK-1/2-Hemmer Baricitinib vorgestellt, die vorsichtig optimistisch stimmen. Zur Therapie der systemischen Sklerose (SSc) wurden positive Ergebnisse einer Phase-II-Studie zum oralen CB2-Agonisten Lenabasum präsentiert, und therapierefraktäre digitale Ulzera zeigten ein z. T. gutes Ansprechen auf eine Injektion autologer Fettgewebszellen. Einen weiteren Schwerpunkt des Kongresses bildeten die Klein- und Großgefäßvaskulitiden. 

Unter dem Strich bleibt festzuhalten, dass die Rheumatologie uneingeschränkt eines der spannendsten Medizinfelder ist. Auf ein Wiedersehen beim nächsten EULAR-Kongress vom 12.-15. Juni 2019 in Madrid, bevor im Jahr darauf das „Heimspiel“ vom 3.-6. Juni 2020 in Frankfurt/M. ansteht!                                      
 

Prof. Dr. med. Ulf Müller-Ladner

Professur für Innere Medizin mit Schwerpunkt Rheumatologie
an der Justus-Liebig-Universität Gießen
und Ärztlicher Direktor, Abteilung für Rheumatologie und Klinische Immunologie
der Kerckhoff-Klinik GmbH, Benekestraße 2-8; 61231 Bad Nauheim