SYSTEMISCHE SKLEROSE

Neue Erkenntnisse aus deutschem Register

Die wohl mit am stärksten ins Gewicht fallenden Therapiedefizite in der Rheumatologie sind in der Versorgung von Patienten mit systemischer Sklerose (SSc) zu beklagen. Einerseits fehlt es vielfach an verlässlichen Daten zu bestimmten SSc-Patientenpopulationen, andererseits sind die Therapieoptionen speziell bei Lungenbeteiligung noch limitiert, auch wenn zur SSc mit interstitieller Lungenerkrankung (ILD) mehrere Medikamente in Phase-III untersucht werden. Auf dem DGRh-Kongress wurden hierzu neue Daten des Deutschen Netzwerks für Systemische Sklerodermie (DNSS) als Poster präsentiert.

Bei der SSc handelt es sich um eine äußerst hetrogene, multisystemische Kollagenose, die Mehrzahl der betroffenen Patienten entwickelt erste klinische Symptome im Alter zwischen 30 und 50 Jahren. Wenig war bislang darüber bekannt, ob und inwieweit das Alter zu Krankheitsbeginn die klinischen Charakteristika der SSc beeinflusst. Basierend auf klinischen Daten des DNSS-Registers untersuchten nun Priv.-Doz. Dr. Pia Moinzadeh, Köln, und Kollegen mögliche Zusammenhänge. In die Analyse eingeschlossen wurden 4.021 SSc-Patienten, die drei Altersgruppen bei Krankheitsbeginn (<40 Jahre, 40-60 Jahre und >60 Jahre) zugeordnet und mit klinischen Phänotypen korreliert wurden (DGRh 2018; VK.02).
 

Die Lungenbeteiligung im Blickpunkt 

Bei Berücksichtigung aller Patienten entwickelten 27 % erste Nicht-Raynaud-Symptome im Alter unter 40 Jahre, während dies bei den 40-60-Jährigen zu 44 % und bei den über 60-Jährigen zu 29 % beobachtet wurde. Bei näherer Betrachtung der bislang nur unzureichend evaluierten Altersgruppe der SSc-Patienten mit Krankheitsbeginn nach dem 60. Lebensjahr zeigte sich, dass diese signifikant (p<0,001) häufiger einen limitiert-kutanen Subtyp hatten (71,1 %) und Anti-Centromer-Antikörper (45,8 %) aufwiesen, einen signifikant niedrigeren modifizierten Rodnan Skin Score (mRSS 7,8), häufiger eine pulmonale Hypertonie (PH; 17,4 %) sowie einen signifikant geringeren durchschnittlichen DLCO-Level (69,7 %) und seltener digitale Ulzera (20,2 %) zeigten. Dennoch wurde kein signifikanter Unterschied für Lungenfibrose, Herz- oder Nierenbeteiligung ausgemacht. Progressivere Subtypen (diffus-kutane SSc, Overlap-Syndrome) zeigten sich signifikant häufiger bei Patienten mit einem Krankheitsbeginn in jüngeren Jahren (p<0,001). In dieser Kohorte entwickelten somit fast ein Drittel eine SSc erst im Alter über 60 Jahre, wobei der limitiert-kutane Subtyp mit häufiger pulmonaler Hypertonie dominiert. Nach Ansicht der Autoren könnten die Ergebnisse einen wichtigen Einfluss auf die Empfehlungen zur Diagnose und Therapie der SSc ausüben.   

Ein zweites Poster aus dem DNSS-Register befasste sich mit der pulmonalen Beteiligung, der Haupttodesursache bei der SSc, die sich als ILD, PH oder als deren Kombination (ILD-PH) manifestieren kann. Ziel der Untersuchung von Prof. Dr. Michael Kreuter, Heidelberg, und Kollegen war die Bestimmung der Prävalenz, klinischer Charakteristika und Outcomes dieser verschiedenen Formen der Lungenbeteiligung (DGRh 2018; VK.03).  

In die Analyse gingen 3.699 SSc-Patienten mit einem durchschnittlichen Follow-up von 34,4 Monaten ein. Zu Baseline fand sich bereits häufig eine ILD (29,5 %), während die Prävalenz von ILD-PH (7,5 %) und PH (6,1 %) deutlich geringer war. Zum Ende des Follow-up wiesen 32 % der erfassten SSc-Patienten eine ILD auf, 13 % eine ILD-PH und 7 % eine PH. ILD (47 %) und ILD-PH (12 %) traten häufiger im Rahmen der diffusen Form auf, bei der PH zeigte sich kein solcher Trend. Signifikante Differenzen zwischen PH vs. ILD-PH vs. ILD zeigten sich für Alter, Männer und Rauchen. Die mittlere DLCO und FVC betrugen 56 bzw. 93 % für PH, 49 bzw. 78 % für ILD-PH und 56 bzw. 81 % für die ILD. Signifikante Abnahmen von DLCO (≥15 %) und FVC (≥10 %) fanden sich zu je 45 bzw. 26 % bei PH sowie ILD-PH und 36 bzw. 16 % bei ILD. Die Gesamtmortalität belief sich auf 8,1% und differierte signifikant zwischen Patienten ohne Lungenbeteiligung (4 %) vs. mit ILD (7,8 %), PH (14,2 %) und ILD-PH (21 %; je p<0,001). Im Ergebnis ist die ILD die häufigste Lungenbeteiligung bei SSc, während die ILD-PH mit dem schlechtesten Überleben assoziiert ist. Die neuen Daten könnten künftig eine bessere Identifizierung von SSc-Risikopatienten erlauben.